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News / Neunkommafünfacht
20.08.2009   News
Neunkommafünfacht
 

„Das 100-m-Finale der Leichtathletik-WM in Berlin mit dem Weltrekord von Usain Bolt (Jamaika/9,58 Sekunden) war ein sauberes Rennen. Alle von den Sprintern genommenen Dopingproben sind negativ ausgefallen. Das bestätigte IAAF-Sprecher Nick Davies dem Sport-Informations-Dienst (SID).“ Doch auch die Mittelstrecke liefert Schlagzeilen.

Die 800 Meter der Frauen wurden in einer Minute, 58 Sekunden und 66 Zehntel gewonnen. Ob die Person, die in dieser Zeit ihren Konkurrentinnen auf und davon gelaufen war, Caster Semenya aus Südafrika, tatsächlich eine Frau ist, soll auf Anordnung des Weltverbandes IAAF nun ein Test klären. Das Ergebnis wird für den kommenden Montag erwartet.
Ein Diskuswerfer liefert ebenfalls Lesestoff. Robert Harting aus Berlin schleuderte die Scheibe 69 Meter und 34 Zentimeter weit. Gold für Deutschland! Das hatten die Berichterstatter bereits einen Tag zuvor, am Dienstag, geahnt. Und ihnen war dabei mulmig zumute, so viel darf man unterstellen. Denn an diesem Dienstag hatte Harting in der „Mixed Zone“, in der sich Athleten und Sportler am Rande des Wettkampfes treffen, laut SID diesen Satz fallen gelassen:
„Wenn der Diskus aufkommt, soll er gleich gegen die Brillen springen, die die Dopingopfer hier verteilt haben – damit sie wirklich nichts mehr sehen.“
Gemeint hat der Sportsoldat die 20.000 symbolischen Pappbrillen, die der Doping-Opfer-Hilfe-Verein (DOHV) im Olympiastadion verteilt hatte, um symbolisch auf das mutmaßlich im Verborgenen weitergehende Doping hinzuweisen. Zum Hintergrund gehört offenbar, dass Harting-Trainer Werner Goldmann in der Vergangenheit wegen seiner Rolle im DDR-Doping mehrfach scharf kritisiert worden war.
Die Goldmedaille soll nach dem Willen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) die Wunden heilen, die der 24-Jährige mit seiner Aussage geschlagen hatte. Im Fernsehinterview beteuerte Harting denn auch, dass ihm sein Satz vom Dienstag „von Herzen leid“ tue. Die Medien scheinen das Spiel bis aufs Erste mitzuspielen. Jedenfalls die, die bei diesen Titelkämpfen dabei sind. Die Berliner „taz“ hatte wie berichtet aufgrund der Akkreditierungsrichtlinien für Journalisten von vornherein auf die Berichterstattung verzichtet.
Wie offenbar auch allzu viele Leichtathletik-Fans auf einen Besuch des Stadions. Selbst beim 100-Meter-Finale des Usain Bolt waren im Hintergrund leere Ränge zu sehen. Das Organisationskomitee BOC meldet dagegen offiziell Tag für Tag ein volles Stadion. Das geht so: Besucher Morgenveranstaltungen plus Besucher Abendveranstaltungen gleich (fast) ausverkauft. Dabei werden bloß Tageskarten verkauft.
Die Berichterstattung über die Leichathletik-WM bewegt sich auf einem schmalen Grat. Wie die Glaubwürdigkeit des kommerzialisierten Sports.  (fb)
 

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