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News / „Wir verfolgen nicht allein Partikularinteressen“
Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Berlin
29.11.2012   News
„Wir verfolgen nicht allein Partikularinteressen“
 
Sie zählen zu den einflussreichsten Branchenlobbyisten in Berlin und Brüssel. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen legitimer Interessenvertretung und unbotmäßiger Einflussnahme?
Der VDA vertritt die Interessen der deutschen Automobilhersteller und Zulieferer. Das sind über 600 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 350 Milliarden Euro. Über 730.000 Mitarbeiter allein in Deutschland sind direkt bei unseren Unternehmen beschäftigt. Nimmt man den indirekten Bereich hinzu, so hängt jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland am Auto. Drei von vier Neufahrzeugen, die hier in Deutschland produziert werden, gehen in den Export. Diese wenigen Zahlen skizzieren die Bedeutung dieser Schlüsselbranche für unser Land. Wir verfolgen nicht allein Partikularinteressen, sondern haben auch den volkswirtschaftlichen Nutzen im Blick: Wachstum schafft Wohlstand und Beschäftigung. Auch deshalb investieren wir jährlich über 20 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.

Kritiker monieren, Branchenlobbyismus diene grundsätzlich vor allem der Sicherung heimischer Kompetenzfelder und Absatzmärkte. Ist dieser Vorwurf aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?
Wir haben uns stets für offene Märkte und Wettbewerb ausgesprochen. Protektionistische Maßnahmen, die derzeit leider in vielen anderen Ländern wieder zu beobachten sind, führen nicht zum Erfolg. Die deutsche Automobilindustrie ist global aufgestellt: Wir produzieren in diesem Jahr über 13 Millionen Pkw, davon mehr als die Hälfte an ausländischen Standorten. Und wir haben weltweit einen Marktanteil von rund einem Fünftel, in Westeuropa sind es etwa 50 Prozent. Die deutsche Automobilindustrie denkt global. Es geht um Wachstum auf allen wesentlichen Märkten. Dazu passt kein Ansatz, der in der Einhegung des heimischen Marktes das alleinige Glück sucht. Wer sich abschottet, hat schon verloren. Wer den rauen Wind des Wettbewerbs scheut, ist in dieser Branche fehl am Platz.

Ihr Verband leistet seit Jahren erfolgreiche Lobbyarbeit für die deutsche Autoindustrie – warum fällt das Medienecho hierzulande wiederholt reflexartig negativ aus?
Wir haben weltweit bei Premiumfahrzeugen einen Marktanteil von 80 Prozent. Ob in den USA, in Lateinamerika, in China oder in unseren europäischen Nachbarländern: Überall werden deutsche Autos als Verkörperung der Leistungsstärke und Innovationskraft dieses Landes angesehen und bewundert. Sie setzen Maßstäbe bei Kraftstoffeffizienz, Sicherheit, Komfort und Design. Das ist nicht das Ergebnis von Lobbyarbeit, sondern von konsequenten Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen. Diese spannendste Branche der Welt ist deshalb so erfolgreich, weil sie sich eben nicht mit dem bisher Erreichten zufrieden gibt, sondern immer wieder nach einer noch besseren Lösung sucht. Vielleicht lässt sich Ihre Frage so beantworten: Nur wer den Ball hat, wird angegriffen.

Interview: Bijan Peymani

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