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News / „Eine Fundstelle genügt“
Gregor Hackmack ist Co-Gründer des Transparenzportals Abgeordnetenwatch.de/Foto: Hackmack
29.11.2012   News
„Eine Fundstelle genügt“
 
Mit seinem unabhängigen Portal Abgeordnetenwatch treibt Gregor Hackmack Politiker in Sachen Transparenz und Dialogbereitschaft vor sich her. Dazu kooperiert er mit reichweitenstarken Medienpartnern. Sein bestes Tool für das Fundraising ist aber eher unspektakulär.

Herr Hackmack, viele Abgeordnete haben unter anderem eine eigene Webseite, sind auf Facebook, twittern und beantworten direkte Anfragen aus ihrem Wahlkreis – warum sollen sie sich auch noch für ein Profil oder für Fragen und Antworten auf Abgeordnetenwatch.de Zeit nehmen?
Gregor Hackmack: Abgeordnete bedienen ja immer verschiedene Kommunikationskanäle. Nur weil sie ein Fax haben, gehen sie ja trotzdem noch ans Telefon. Und auch wenn sie Emails nutzen, öffnen sie noch Briefe. Sie haben sehr viele Möglichkeiten. Auf Abgeordnetenwatch haben sie den Vorteil, dass sie alle Fragen gefiltert bekommen. Sie müssen sich nicht selbst damit herumschlagen, ob sie auf Beleidigungen antworten oder nicht.

Es gibt also keinen Shitstorm auf Abgeordnetenwatch.
Hackmack: Ja, sie werden keine Empörungswelle auslösen, weil sie einen Facebook-Kommentar oder einen Tweet löschen. In sofern glauben wir, dass Abgeordnetenwatch ein Angebot für Abgeordnete darstellt, in dem sie substanziell auf Fragen antworten können und ihre Arbeit auch nach außen dokumentieren können. Das wird aktuell durch kein anderes Medium gewährleistet. Private Anrufe erreichen nur eine Person, Soziale Medien haben auch nur eine begrenzte Empfängerzahl. Wir sehen noch kein Format, das Abgeordnetenwatch in naher Zukunft ersetzen könnte. Andererseits wünschen wir uns auch, dass wir uns früher oder später selbst überflüssig machen, etwa indem es Parlamentsseiten im Netz als selbstverständlich betrachten, Frage- und Antwort-Funktionen anzubieten und für alle einsehbar zu archivieren. Es ist aber noch nicht absehbar, dass sich die Parlamente dort bewegen.

Sie haben auf Abgeordnetenwatch.de mehr als Hunderttausend Fragen und Antworten gesammelt. Wie groß ist denn die durchschnittliche Zugriffszahl auf eine drei Jahre alte Antwort eines Hinterbänklers im Bundestag?
Hackmack: Wir haben etwa drei Millionen Seitenabrufe pro Monat, die sich sehr unterschiedlich auf die Profile verteilen. Aber es reicht ja, wenn ein Journalist eine widersprüchliche Aussage eines Abgeordneten von vor drei Jahren findet. Wenn er die dann auf Twitter oder Facebook postet oder über die traditionellen Medien veröffentlicht, dann erhöhen sich natürlich die Zugriffszahlen. In der Regel ist das Archiv weniger interessant als aktuelle Profile. Der Effekt ist aber hoch, weil Abgeordnete wissen, dass alles immer auffindbar bleibt und daher möglicherweise ihr Verhalten im positiven Sinne verändern. Also, dass sie zum Beispiel erst gar nicht darüber nachdenken, ob sie vielleicht einen Vorteil für sich annehmen, oder sich beeinflussen lassen im Abstimmungsverhalten für Geld, oder einen Lobby-Job annehmen.

In wiefern werten Sie Ihr Archiv von Fragen und Antworten sowie des Abstimmungsverhaltens von Abgeordneten strategisch aus für Ihre Arbeit?
Hackmack: Wir betreiben einen Blog, der unser Portal begleitet. Dort veröffentlichen wir alles, was uns bei unserer Arbeit ins Auge sticht. Zum Beispiel Geschichten über Abgeordnete, die sich auf ihrer eigenen Internetseite als Lobbyisten anbieten. Da hatten wir Anfang November den Fall eines Berliner Abgeordneten. Parallel geben wir die Informationen an Medienpartner weiter. Da haben wir einen ganz guten Überblick darüber, welche Geschichte für wen interessant sein könnte. Bei großen Geschichten formulieren wir eine Pressemitteilung mit Verweis auf unseren Blogeintrag. Fast alles, was in der letzten Zeit über Peer Steinbrück diskutiert wurde, stand schon seit einigen Monaten in unserem Blog.

Was bringt Ihnen selbst für Ihre Arbeit am meisten: Medienpartner, Auftritte in Talkshows, Ihr Blog oder andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit?
Hackmack: Das lässt sich nicht so genau sagen. Uns sind Soziale Medien sehr wichtig. Deshalb bedienen wir Twitter, Facebook und Google+. Medienpartner ebenfalls, da haben wir Kooperationen mit Sueddeutsche.de, Spiegel Online und anderen. Zudem machen wir einzelne Projekte, etwa den Kandidatencheck bei der letzten Bundestagswahl mit Spiegel Online. Natürlich nehmen wir Einladungen zu Talkshows an, wie zuletzt bei Maybritt Illner. Fernsehen bringt für den Moment am Meisten, weil es die meisten Leute erreicht. Am Nachhaltigsten sind aber Soziale Medien, wo Sie sich über die Jahre hinweg einen Unterstützerkreis aufbauen und den dann auch regelmäßig bedienen. Die allermeisten Spenderinnen und Spender werben wir über unseren Newsletter mit seinen knapp 50.000 Abonnenten. Darunter sind unsere treuesten Anhänger, die sich darüber informieren lassen, was bei uns auf der Seite passiert, welche Wirkung unsere Arbeit hat, etwa wo jemand neu oder nicht mehr aufgestellt wurde. Der Newsletter ist das beste einzelne Tool, um das zu kommunizieren. (Interview: hds)

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