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Matthias Goldbeck, Commerzbank
28.09.2012   News
Matthias Goldbeck, Commerzbank: Der „ComWerte“-Prozess
 
Eigenverantwortung und Unternehmertum der Mitarbeiter fördern – darauf zielte ab 2006 das „ComWerte“-Projekt der Commerzbank.

„Das Ziel war, Wachstum durch innere Stärke zu erreichen“, erklärt Matthias Goldbeck, Leiter Interne Kommunikation. Unternehmenswerte, so die Überlegung, haben Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Nicht zuletzt weil Mitarbeiter heute oft weitgehend selbstständig ihr Aufgabengebiet beackern – und damit der unmittelbaren Aufsicht durch das Management entgleiten. Ein Werte-Kanon dient dann als Rahmen, an dem sich das Handeln jedes einzelnen orientiert. „Innerbetrieblich verankerte Werte“, so Goldbeck, „sind in der Lage, Eigenverantwortung und Unternehmertum der Mitarbeiter zu fördern.“

Der Weg zum Wert ist entscheidend

Unter Einbezug der ersten Führungsebene entwickelte der Vorstand fünf „ComWerte“, darunter „Leistung“, „Teamgeist“ und „Respekt“, die das so genannte Resonanzforum bestätigte, ein Gremium aus mehr als 50 Mitarbeitern, das den Change-Prozess drei Jahre begleitete. „Die Werte sind sehr allgemein gehalten, da kann eigentlich keiner Nein sagen“, findet der Kommunikationsmanager. „Weit entscheidender war daher die Frage, und zwar die Frage an jeden einzelnen: Wie sieht der Weg dahin aus?“

Das hatte die Belegschaft in Workshops auszuloten – falls sie denn mochte. Die Teilnahme an den Veranstaltungen war nur für Chefs verpflichtend, das Fußvolk hatte die Wahl. Dennoch: Mehr als 90 Prozent waren dabei, 25.000 Commerzbanker in rund 2.300 Workshops. In einer Art Kaskade floss der Prozess innerhalb eines Jahres durch die Hierarchie-Ebenen. „Was die fünf Werte für die tägliche Arbeit bedeuten, gaben nicht etwa die Führungskräfte vor“, betont Goldbeck. „Das zu klären, lag bei den Mitarbeitern selbst.“ 80 speziell geschulte Moderatoren lenkten den Blick auf die verschiedenen Facetten: wie man persönlich die Werte sieht, wie man sie für seinen Job versteht, was das Team schon leistet, was nicht, wie sich das Thema über den Tag hinaus anlegen lässt. „Daraus“, so Goldbeck, „resultierten gemeinsam vereinbarte Maßnahmen, die als Feedback zurück an die Projektleitung des ComWerte-Prozesses und auch den Vorstand gespielt wurden.“

Die interne Kommunikation legte sich ins Zeug, um die Belegschaft frühzeitig einzustimmen und Neugier zu wecken. Im Intranet sammelte eine eigene Rubrik Wissenswertes zur Sache, der Vorstandssprecher erläuterte per Video Hintergründe. Zum Auftakt der Workshop-Kaskade startete bankweit eine Plakatkampagne, die zur Beschäftigung mit den „ComWerten“ anregte (siehe Seite 16). „Wann wird aus Reden Handeln?“ fragte ein Motiv. Eine Sonderausgabe der Mitarbeiterzeitung berichtete Ende 2007 über den aktuellen Stand. „Dort widmeten wir uns auch heiklen Fragen“, berichtet Goldbeck. „Wie etwa verträgt sich Wertschätzung mit Outsourcing?“

Im weiteren Prozess erschienen erneut Plakate, diesmal mit fünf Kollegen, die ihr Statement zu jeweils einem der „ComWerte“ gaben. „Vertrauen kann ich mir nicht kaufen“, war auf einem zu lesen. „Nur verdienen.“ Die Kampagne habe viele emotional angesprochen, so Matthias Goldbeck, und die Bindekraft des Prozesses über die einzelnen Standorte hinweg erhöht. Den Schlusspunkt setzte ein 90-minütiger Dokumentarfilm, der das Projekt Revue passieren ließ. „ComWerte – der Film“ erinnert im Titel an Hollywoodstreifen à la „Akte X – der Film“ und lief tatsächlich in Kinos an bundesweit mehr als zwei Dutzend Städten. Das Publikum allerdings war handverlesen; Zutritt nur für Mitarbeiter der Bank.

Hilfreich bei Dresdner-Übernahme

„In der Übernahme der Dresdner Bank erwies sich der Nutzen der ComWerte“, unterstreicht Goldbeck. „Viele Mitarbeiter der Dresdner fühlten sich in unserem Werterahmen gut aufgehoben.“ Den bekamen die 20.000 Neuzugänge allerdings vorgesetzt. Eine Neuauflage der Debatte fand nicht statt. Eine vertane Chance? „Ganz bestimmt hätten die Kollegen der ehemaligen Dresdner den Werte-Prozess bereichert“, räumt Goldbeck ein. „Aber im Konzern standen andere wichtige Aufgaben an erster Stelle.“ Nicht nur die Verschmelzung der Dresdner mit der Commerzbank war zu stemmen. Zeitgleich schlug die Finanzkrise durch, die Commerzbank nahm staatliche Hilfen in Milliardenhöhe in Anspruch.

„Die ComWerte sind nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Matthias Goldbeck. Zurzeit diskutiere man, wie sich das Thema mit anderen Ansätzen verknüpfen lasse, etwa in der Privatkundenberatung oder im Rahmen eines Exzellenz-Projekts. (mb)

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