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News / Die alte Haut abstreifen
Timo Sieg: „Begrifflichkeiten wie Rückschritt sind keine relevante Dimension“
28.09.2012   News
Die alte Haut abstreifen
 
Jahrelang rackerte Timo Sieg rund um die Uhr, zuletzt als Pleons Europachef. Nach seinem Ausstieg im vergangenen Jahr trat Sieg auf die Bremse. Künftig will er es ruhiger angehen lassen, als Unternehmer hält er eine Beteiligung an der kleinen Agentur Zeron, die Gründerin Vivian Stürmann gehört.

Herr Sieg, Sie waren ein Jahr abgetaucht. Was haben Sie gemacht?
Timo Sieg: Es hat eine ganze Zeit gedauert, die alte Haut abzustreifen und die Dinge aus neuer Perspektive betrachten zu können. Ich habe alte Freundschaften und Kontakte erweckt, neue geschlossen, mich um die Familie gekümmert. Dann habe ich immer wieder meine Interessen sortiert, bewertet – und meine Entscheidungen getroffen.

Man sieht Ihnen an, dass Sie es künftig offenbar entspannter angehen lassen. Wann haben Sie gemerkt, dass die Knochenmühle nicht mehr Ihrem Lebensentwurf entspricht?
Die Knochenmühle, wie Sie es nennen entsprach lange und mit Freude meinem Lebensentwurf. Es gibt sicher nicht wenige, die sich so ein Leben erträumen. Die Karriere, die Gestaltungsmöglichkeiten, die Reisen – das war kein Preis sondern eine Belohnung. Man wird für etwas bezahlt, was auch unheimlichen Spaß machen kann. Aber das Leben ändert sich, andere Dinge werden wichtiger, nicht alles läuft immer nur toll und man lernt, dass das Leben tatsächlich kurz ist. Und groß. Und komplex. Das kann man eigentlich nur entspannt und offen angehen. Und dann färbt das vielleicht auch irgendwann auf’s Äußere ab. Aber das ist nicht wichtig, die entscheidenden Dinge passieren in einem drinnen.

Hatten Sie keine Angst vor dem Karriereknick?
Wenn ich überhaupt vor etwas Angst hatte dann davor, dass ich mich irgendwann selbst nicht mehr erkenne. Dass ich meine Werte nicht mehr lebe oder dass ich Wendepunkte im Leben nicht mehr wahrnehme und einfach weiter mache wie gewohnt. Ein Posten im Top-Management ist geliehene Macht und gefährlich wird es an dem Punkt an dem man sich das nicht mehr bewusst macht. Ich kenne einige Topleute, die am Ende der Party in eine tiefe Sinnkrise geraten sind. Ich begegne meinem Tun so authentisch wie möglich; Und dann sind Begrifflichkeiten wie Knick oder Rückschritt keine relevante Dimension.

Gab es denn keine Angebote?
Klar gab es die. Aber ernsthaft, wie sollte das funktionieren? Mein Ausstieg war ein bewusster. Sollte ich das gleiche in Grün machen, nur in einem andren Netzwerk. Oder eine oder zwei oder drei Nummern kleiner? Warum, was hätte mich da reizen sollen? Das einzige Angebot, das mir wirklich gefallen hat war das von Vivian Stürmann. Das was ich mit ihr und für sie bei Zeron tun kann entspricht zu 100 Prozent dem, was ich wirklich will. Und habe darüber auch wieder die Freude an meinem Metier gefunden.

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