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News / Ökologische Fitnesstrainer umarmen den Handelsriesen
Edeka und die Umweltgruppe WWF wollen gemeinsam nachhaltigen Konsum fördern.
28.09.2012   News
Ökologische Fitnesstrainer umarmen den Handelsriesen
 
Eberhard Brandes versteht sich derzeit als „ökologischer Fitnesstrainer“ von Edeka. Der Vorstand des World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland ist sich sicher: Grundlegende Veränderungen hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft kommen durch „Umarmung der Industrie“. Und weil das Edeka auch so sieht, sorgen nicht wie sonst üblich Unternehmensberatungen für Veränderungen, sondern fünf Fachleute des WWF. Finanziert werden sie von der Handelskette über einen Consultingvertrag mit der Panda Fördergesellschaft für Umwelt mbH (PFG), einer eigens gegründeten Marketinggesellschaft des WWF, die für die Vereinbarungen von strategischen Kooperationen im Dienste der Nachhaltigkeit zuständig ist.


Zweck der Kooperation
Die ungewöhnliche Partnerschaft zwischen dem WWF und Edeka soll das nachhaltige Handeln des Unternehmens auf allen Stufen ausbauen und intensivieren. Im Gegenzug bekommt Edeka kompetente Fachberatung und Lösungen aufgezeigt. Zum Beispiel, wie die 4.500 selbstständigen Kaufleute, die im Edeka-Verbund viele Ressourcen verbrauchen, ihren ökologischen Fußabdruck verringern können.

Gemeinsam vereinbaren beide Partner klare Handlungsziele, so auch für die Nachhaltigkeitskommunikation. „Bis Oktober 2012 kommunizieren wir über Kanäle wie Handzettel, Tageszeitungsanzeigen, Plakate und diverse Online-Aktivitäten bis zum TV-Spot. Auf diese Weise wollen wir möglichst viele Verbraucher für Umweltschutz und ressourcenschonendere Produkte sensibilisieren“, hofft Patricia Graf, Projektleiterin bei der PFG. „Wir stimmen uns auch eng ab.“ Umgesetzt wurde bisher eine Biopromotion zur Förderung von Ökoprodukten. Auch eine Stickersammelaktion mit 180 Motiven hat das Ziel, Kinder spielerisch an die Themen Nachhaltigkeit und Naturschutz heranzuführen.

Wenn die Eigenmarken-Produkte von Edeka besonders strenge ökologische Anforderungen erfüllen und entsprechend den Kriterien unabhängiger Prüforganisationen zertifiziert sind, darf die genossenschaftlich organisierte Organisation ihre Waren mit dem bekannten „Panda“- Logo des WWF versehen.

Das Unternehmen darf für seine Veränderungsbereitschaft auf verbesserte Sympathiewerte beim Verbraucher für die Marke hoffen. Und auf mehr Glaubwürdigkeit – unerlässlich für eine gelungene Nachhaltigkeitskommunikation und für einen Reputationsaufbau. Aber nicht nur Edeka profitiert von der strateischen Kooperation. Der WWF erhält für das Panda-Logo Lizenzgebühren, mit denen weitere Naturschutz-Maßnahmen des WWF finanziert werden können.


NGOs als Change Agents
Mögen Skeptiker wie der Dokumentarfilmer und Buchautor Wilfried Huismann, der gerade das „Schwarzbuch WWF“ herausgegeben hat, solche „Kuschelversuche“ auch kritisieren. NGOs werden immer öfter zu distanzierten Komplizen und konkreten „Change Agents“ von Unternehmen. Meist unbeachtet von der Öffentlichkeit sorgen die sonst scharfen Kritiker still im Hintergrund für konkrete Strukturveränderungen. Und dafür, dass auf Worten Taten folgen. Laut Patricia Graf sind erste Erfolge sichtbar: „Innerhalb von Edeka hat sich ein noch stärkeres Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit herausgebildet. Und zwar mit entsprechender Wirkung auf allen Ebenen und in allen Arbeitsbereichen“. Wer, der es mit Nachhaltigkeit ernst meint, würde sich für solche ersten Ergebnisse nicht gerne umarmen lassen? (mh)


Wie arbeitet der WWF mit Firmen zusammen?
Die Umweltgruppe bietet Firmen unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit an:
Strategische Unternehmenskooperation: Der WWF bewertet und berät Firmen, um den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu vermindern. Sponsoring: Firmen unterstützen den WWF in Form von Geld-, Sach- und Dienstleistungen und erhalten vom WWF eine vereinbarte Gegenleistung. Dies kann etwa die Nennung des Unternehmens auf einer finanziell geförderten Studie oder in einem geförderten Naturschutzprojekt sein. Lizenzkooperation: Firmen nutzen das WWF-Logo auf Produkten oder im Marketing und zahlen dafür eine vereinbarte Summe. Lizenzverträge werden von der Panda Fördergesellschaft für Umwelt (PFG) geschlossen, betreut und abgewickelt. Spende: Firmen spenden an den WWF. Eine Koppelung an ausgewählte Projekte ist möglich.

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