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News / Grünenthals Entschuldigung kommt bei Opfern nicht an
Geschädigtenverbände lehnen das Contergan-Mahnmal als „verniedlichend“ ab./Foto: Stadt Stolberg
28.09.2012   News
Grünenthals Entschuldigung kommt bei Opfern nicht an
 
 „Nein.“ So antwortete Harald Stock, CEO des ehemaligen Contergan-Herstellers Grünenthal, jüngst gegenüber der „Wirtschaftswoche“ auf die Frage, ob er noch nachlegen werde mit seiner Entschuldigung bei den Contergan-Opfern. Einigen Geschädigten-Verbänden war er Ende August nicht weit genug gegangen: Stock hatte sich dafür entschuldigt, dass Grünenthal bis 2007 gegenüber den Betroffenen geschwiegen hatte – nicht aber dafür, dass die Firma das Medikament überhaupt auf den Markt gebracht hat, wie manche fordern. Nicht möglich, argumentiert Stock, Grünenthal habe „nach dem damaligen Stand von Wissenschaft, Zulassungspraxis und Recht verantwortungsvoll gehandelt“.

Ausgesprochen hat Stock die Entschuldigung auf einem Event der Stadt Stolberg zur Enthüllung eines Mahnmals für die Betroffenen. Doch die Geschädigten lehnen die von der Stadt angeschaffte und von Grünenthal gesponsorte Skulptur ab, die ein Kind zeigt. Damit verniedliche sie „die durch Contergan verursachten gesundheitlichen und sozialen Probleme der heute ins sechste Lebensjahrzehnt gehenden Betroffenen“, teilten sie mit und blieben der Feier fern.

Wer die Positionen der Kontrahenten vergleicht, merkt schnell, wie entfernt sie sich mehr als 50 Jahre nach Einführung des Medikaments noch gegenüberstehen. Trotz eines laut Grünenthal intensivierten Dialogs seit Stocks Amtsantritt 2009 und neueren Hilfsangeboten der Firma. Beide Seiten hätten eben „eine sehr spezielle Sichtweise auf die Dinge“, sagt der Kommunikationschef des Unternehmens Frank Schönrock.

„Um auf dem Weg zu einer Versöhnung tatsächlich einen Schritt voranzukommen, hätte Grünenthal gemeinsam mit Vertretern der Geschädigten im Dialog vorab ausloten sollen, welche Art der Entschuldigung angemessen sein könnte und welche Form ein Mahnmal, das von der Firma finanziert wird, haben sollte“, bemerkt Claudia Janssen, Juniorprofessorin für Kommunikation und Medien an der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin. Grünenthal müsse zudem deutlicher machen, dass es bereit sei, die Geschehnisse lückenlos aufzuklären und die Bedürfnisse der Geschädigten in den Mittelpunkt zu stellen. „Hier müsse insbesondere mehr Transparenz und Offenheit signalisiert werden“, rät Janssen. Ein Beispiel: CEO Stock kündige zwar weitere Hilfen an, schweige aber zu finanziellen Details. (hds)
 

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