Please wait...
News / Je höher das Tempo, desto dicker die Möhre
Schätzt die Umarmung der Franzosen: CNC-Co-Gründer Roland Klein/Foto: CNC
25.09.2012   News
Je höher das Tempo, desto dicker die Möhre
 
Vor vier Wochen kam die Katze aus dem Sack: CNC verkauft an Publicis. Ein Coup, dabei ging ein Verkaufsgerücht schon länger, und die Franzosen sind derzeit ohnehin in Kauflaune. Mehrfach schlug Publicis zuletzt in aller Welt zu, darunter auch bei PR-Firmen, die offenbar in den Augen der Werbe-Company an Ansehen gewinnen. Mit der UK-Werberei BBH schluckte sie im Juli ein weiteres Schwergewicht – eine komplizierte Akquisition, die den CNC-Deal angeblich um ein halbes Jahr verzögerte.

Die CNC-Gründer Christoph Walther, Roland Klein und Sigmar Mosdorf sowie eine Handvoll Partner haben Kasse gemacht. Von 50 Millionen Euro ist die Rede, auch wenn die Franzosen vorerst nur die Hälfte überweisen und noch die Steuer zuschlägt. Ein nachvollziehbarer Schritt, immerhin gehen die Gründer auf die 60 zu. „Freilich hat der Verkauf auch kommerziell Sinn gemacht, besonders war uns aber wichtig, auch weiterhin ohne bürokratische Hürden zu arbeiten und unseren jungen Leuten eine Perspektive bieten zu können“, sagt Klein.

Die Earn-Out-Phase läuft bis 2015, um die Köpfe an CNC zu binden, vor allem Walther und Klein gelten als bestens in die Vorstandsbüros verdrahtet. „Je schneller wir laufen, desto dicker wird die Möhre“, scherzt Klein.

Die Franzosen gelten als knausrige Käufer, und dem Vernehmen nach saßen neben anderen auch FTI, WPP und Richard Edelman am Tisch, der früher mit seiner Agentur für Klein gearbeitet hat, als der noch Kommunikationschef bei Ericsson war. In Schlüsselmärkten wie Deutschland und UK brummt das CNC-Geschäft, in den USA und Russland ist noch Luft nach oben. „Wir verkaufen, weil wir CNC in eine größere, einen globalen Rahmen bietende Einheit einbringen wollten“, so Klein. Anknüpfungspunkte weltweit sind die Publicis-Töchter Kekst and Company und MSLGroup, unter deren Dach CNC einzieht.

„Wir bieten ein breites Portfolio an, nicht reine Finanzkommunikation“, sagt Klein. Der Kunde brauche „einen Partner der ihn in unsicherer Zeit mit ruhiger Hand, viel Erfahrung und strategischer Kompetenz begleitet“. In Deutschland konkurriert er so auch mit der neuen Schwester MSL Germany, der es nicht gefallen kann, neben CNC als die „Digitalen“ und „Kreativen“ hingestellt zu werden. MSL bemüht sich auch um Profil als strategische Beratung für Unternehmenskommunikation und Public Affairs, zeigte unlängst gar Ambitionen im volatilen, aber lukrativen M&A-Geschäft. Es ist nicht davon auszugehen, dass sie das Feld räumen werden.

„Publicis ist keine Mutter, in deren Umarmung die Töchter ersticken, das war uns wichtig“, sagt Klein. „Sie ermuntert unternehmerischen Spirit und überlässt uns die Entscheidung, wie wir unser Geschäft führen. Wir haben zuletzt eine Marge von rund 30 Prozent erzielt – wie uns das gelingt, spielt für Paris keine Rolle“, sagt Klein. Dennoch: Ein Netzwerk wie Publicis legt im Ernstfall in vielen Fragen andere Maßstäbe an als es CNC bisher gewohnt war – und bei Bedarf kann die mütterliche Umarmung doch schnell zum Schwitzkasten werden.

Magazin & Werkstatt