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News / Multimedia statt Zahlenwerk
24.05.2012   News
Multimedia statt Zahlenwerk
 
Unternehmen werten ihre Geschäftsberichte inhaltlich auf und binden sie stärker in ihre Kommunikation ein. So wollen sie ihre Zielgruppen kontinuierlich informieren. Von Guido Schneider
Wer an Geschäftsberichte denkt, dem fallen meist keine allzu freundlichen Attribute ein: zahlenlastig, dröge und schwer verständlich. Nur etwas für Analysten, Aktionäre oder Investoren. Dieses Klischee geht an der Realität vorbei, denn viele Firmen verstehen diese Berichte heute als Teil der Öffentlichkeitarbeit, Kunden- und Mitarbeiterbindung.
Sie haben die ehemaligen Zahlenwerke deshalb optisch und inhaltlich aufgewertet. „Unternehmen sehen im Geschäftsbericht deutlich mehr als eine Pflichtveröffentlichung und transportieren ihre Kommunikationsbotschaften darüber“, analysiert Jan Berg, Bereichsleiter Kommunikation und Politik beim Wieslocher Finanzdienstleister MLP. Für das Unternehmen ist der Geschäftsbericht längst mehr als ein Rechenschaftsbericht für die Aktionäre. Er dient auch zur Imageprofilierung und ist fester Bestandteil im Kommunikations-Mix.
Das erfordert von Berg einigen Abstimmungsaufwand, denn der Bericht darf nicht wie ein Solist wirken, sondern muss sich in das Orchester der gesamten Unternehmenskommunikation einfügen. So bauen die Quartalsberichte und die gesamte Finanzkommunikation auf ihn auf. „Der Geschäftsbericht unterstreicht die Botschaften, die im Fokus unserer ganzjährigen Kommunikation stehen“, betont Berg. Mit interessanter Aufmacher- und Themensetzung will er alle Stakeholder für die Inhalte des Berichts interessieren. Dessen aktuelle Ausgabe bindet daher im Imageteil die neue Markenkampagne von MLP ein.
Der Autobauer Audi hat seinen Geschäftsbericht des Jahres 2011 mit Hilfe des CP-Dienstleisters G+J Corporate Editors sogar zu einer multimedialen Erlebniswelt umfunktioniert, die Print, Mobile und Online verzahnt. Im Zentrum steht das 266 Seiten starke Druckwerk, das das Motto „Begeisterung – Der schönste Antrieb“ ausgibt. Daneben können die Nutzer den Geschäftsbericht auch auf einer Microsite sowie über Tablets und Smartphones nutzen. Auch Videos, Audio-Slideshows und Podcasts lassen sich abrufen. Am Ende jedes Beitrags kann sich der Nutzer über Quick-Response-Codes zu weiteren Inhalten weiterhangeln. Auch der gedruckte Bericht will optisch von sich reden machen. Audi hat ein Lentikularcover realisiert, das – je nach Blickwinkel – einen alten Auto Union Silberpfeil aus den 1930er-Jahren zeigt oder den Audi R18 TDI, der 2011 die 24-Stunden von LeMans gewonnen hat.
Die Medienfamilie rund um den Geschäftsbericht verkörpere inhaltlich, funktional und technisch alles, was Corporate Publishing zu leisten im Stande ist, behauptet Soheil Dastyari ganz unbescheiden. Für den Geschäftsführer G+J Corporate Editors transportieren moderne Geschäftsberichte neben der Strategie des Unternehmens auch dessen Selbstverständnis und Motivation. Wer wie Audi ein technisch ambitioniertes Unternehmen ist, möchte diesen Anspruch auch durch innovative Medienangebote untermauern, glaubt Dastyari.
Dass dieses Konzept richtig ist, will der G+J-Manager auch anhand des Wettbewerbs „Best of Corporate Publishing“ belegen. Dort wurde der Audi-Geschäftsbericht 2012 in zwei Kategorien für die Shortlist nominiert. Trotz dieser Anerkennung von Experten bleibt die Frage, ob die Multimedia-Spielereien die wichtigen Botschaften und Inhalte der vier Ringe hervorheben oder eher überdecken.

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