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News / Sehr kurze Lunte
Nico Kunkel
26.04.2012   News
Sehr kurze Lunte
 
Die geballte Wut der Agenturszene traf zuletzt den Schuhhändler Deichmann, der via Massenanfrage eine kreative „Goldidee“ für sein anstehendes Firmenjubiläum auftun wollte. Teilnehmende Agenturen würden mit einem Hungerlohn abgespeist, umsetzen wollte Deichmann alleine. Das war fahrlässig. Thomas Strerath, Geschäftsführer der Werberei Ogilvy, stieg auf die Bühne für Eigen-PR, empörte sich dort öffentlich, kassierte Beifall von den Seinen, kuratiert von den einschlägigen Fachmedien, und Deichmann reagierte am Ende etwas beleidigt. Das war freitags, am Montag war wieder Ruhe. Das Beispiel zeigt: Die Lunte der Agenturchefs – ob Werbung oder PR – ist beim Thema Pitches kurz.

Streraths Protest hatte sein Gutes: Im Normalfall hätten Agenturen bei Deichmann angefragt, warum man sie bei der Anfrage außen vor gelassen habe. Jede Agentur, die jetzt noch eine „Goldidee“ liefern würde, müsste sich Vorwürfe machen lassen: von den Kunden, die die Gratis-Kreativität subventionierten, von den (potenziellen) Mitarbeitern, die diesen Job in den Überstunden liefern müssten.

Nicht zuletzt haben Agenturen in den vergangenen Jahren auch selbst zum Wertverfall von Kreativität beigetragen, weil sich viele den großen Namen billig vor die Füße warfen – da nimmt es kaum Wunder, dass ein Unternehmen dies einmal aktiv nachfragt. Gleichwohl ist es uncharmant.

Unternehmen wie Agenturen mögen sehr unterschiedliche Horizonte haben, was Pitches angeht, zumal letztere in der Regel nicht jede Woche einen vor der Brust haben. Agenturen müssen gewiss eine Menge runterschlucken; verständlich, dass man da mal in die Luft geht. Langfristig aber haben beide Seiten mehr vom konstruktiven Austausch auf Augenhöhe. Die emotionale Haudrauf-Variante, zumal mit öffentlichem Bashing, erreicht eher das Gegenteil.

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