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Kampagnen-Urheber Burson-Marsteller unter Druck/Foto: ja-zu-FRA.org
27.03.2012   News
Großes Getöse um Burson-Marsteller
 
Das solide Nervenkostüm von Karl-Heinz Heuser, Deutschlandchef von Burson-Marsteller, musste sich zuletzt einmal mehr beweisen. Dass ausgerechnet seine Agentur PR für den umstrittenen Ausbau des Frankfurter Flughafens machte, erhitzte die Gemüter der örtlichen Landebahngegner, und die brachten einmal mehr die problematische Vergangenheit der Agentur aufs Tapet.

Zur illustren Klientel zählten in den vergangenen Jahrzehnten der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu, die argentinische Militärjunta, die Betreiber des 1979 havarierten Atomkraftwerks Harrisburg und der Chemiekonzern Union Carbide, in dessen Werk im indischen Bhopal 1984 Tausende von Menschen umkamen. „Atomunfall, Militärdiktatur, Bhopal – und nun der Frankfurter Flughafen“, züngelte Janine Wissler, Linken-Fraktionschefin im hessischen Landtag. „PR-Agentur Burson-Marsteller ist auf Katastrophen spezialisiert.“
Da BM für das Biotech-Unternehmen Monsanto einst in den USA bezahlte Demonstranten eingesetzt hatte, hielt man das auch bei der Pro-Flughafen-Kundgebung für möglich. „Die Landebahngegner haben die Vergangenheit von Burson-Marsteller instrumentalisiert, um zusätzlich Stimmung gegen unsere Auftraggeber zu machen“, so Heuser, der bezahlte Demonstranten in der Frankfurter Lokalpresse als „absoluten Unsinn“ bezeichnet und sich von der BM-Kundenpolitik der Vergangenheit distanziert.

Die Kundgebung am 1. März auf dem Frankfurter Römerberg war Zentrum der Kampagne „Ja zu FRA“. Die Absender, Flughafenbetreiber Fraport, Lufthansa und Condor, hatten vier Wochen zuvor BM angeheuert. Im Briefing war die Demo gesetzt. Die Agentur sollte für möglichst viele Teilnehmer sorgen und schaltete Anzeigen sowie Radiowerbung, plakatierte und richtete die Website ja-zu-fra.org ein, als dessen Domain-Inhaber sie schnell identifiziert war. BM hatte sich zwar nicht offiziell als Kampagnenbetreuer vorgestellt, wollte dies aber auch nicht verschleiern, so Heuser. Zusätzlich zu den Werbemaßnahmen lieferte BM ihren Kunden Material, um in der Belegschaft für die Aktion zu trommeln.

Zur Kundgebung, auf denen die Chefs der drei Unternehmen sprachen, kamen rund 8.000 Menschen, darunter zahlreiche Mitarbeiter von Fraport, Lufthansa und Condor. „Unsere Kunden und wir selbst sind sehr zufrieden mit dem Erfolg der Veranstaltung“, sagt Heuser. Es sei vor allem darum gegangen, „mit Menschen, die noch keine festgefügte Meinung zum Thema Landebahn haben, in einen sachlichen Dialog zu treten“. Die Agentur arbeitet seit sechs Jahren fest für die Lufthansa, allerdings nur im europäischen Ausland, nicht in Deutschland.

Ein Ende des Streits ist lange nicht absehbar. Die im Oktober 2011 in Betrieb genommene Landebahn Nordwest erhöht den Lärmpegel, die Gegner fordern zumindest den Erhalt des Nachtflugverbots, worüber bald das Bundesverwaltungsgericht befinden wird. Gut möglich also, dass BM wieder ran muss. Ob und wie die Kampagne weiterläuft, werde in Kürze entschieden, so Heuser. (kj)

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