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News / PR-Granden a. D.
Nico Kunkel
24.02.2012   News
PR-Granden a. D.
 
TV-Talks Kollektives Augenrollen und eine kokette Langeweile in den Agenturfluren war förmlich greifbar, erst via Twitter und Facebook, tags darauf auch am Telefon. Ursache: Die Herren Moritz Hunzinger und Klaus Kocks hatten sich in unterschiedlichen ARD-Talk-Runden einmal mehr die Ehre gegeben. Der eine bei Günther Jauch als „Honorarprofessor in der Ukraine“, der andere nur Tage später bei Anne Will. Beide traten so auf, wie wahrscheinlich von den Fernsehmachern kalkuliert: Provokant und polternd vertraten sie unpopuläre Thesen, die müde Polittalks wohl um einen Knalleffekt bereichern sollten.

Solche PR-Granden a.D. können freilich andere Töne anschlagen als Aktive, weil sie a) nicht mehr vielen Kunden Rechenschaft schuldig sind und b) von anderen Kunden gerade wegen dieses Duktus’ gebucht werden. Leider bekräftigen sie damit aber ein überkommenes Image, das die Öffentlichkeit von Akteuren der PR-Wirtschaft hat, nämlich eines von undurchsichtigen Manipulateuren der Mediendemokratie.

Dabei: Auf Anfrage möchten viele PR-Profis gar nicht an Hunzingers oder Kocks’ Stelle sitzen. Sie lehnen den Auftritt in eigener Sache vor der Kamera ab, tun die Talks als „dösige Politplauderei“ ab oder fürchten, sich auf der „Schlachtbank“ wieder zu finden. Damit verpassen sie die Chance, Kommunikateure als seriöse Spieler in öffentlicher Meinungsbildung zu präsentieren – auch wenn die Branche ihren Ansprüchen in puncto Aufrichtigkeit und Transparenz vielleicht wirklich noch hinterherhinkt.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: Erst neulich ging etwa Thomas Knipp On Air, Deutschlandchef von Brunswick. Sachlich und ohne Popanz sprach er da über den Bundespräsidenten und erntete sowohl Beifall aus der Branche als auch neidvolles Gemäkel vom Wettbewerb. Andere mögen seinem Beispiel folgen.
 

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