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News / Friendly Fire
Nico Kunkel
26.01.2012   News
Friendly Fire
 
Zwar schwang er große Reden von Transparenz, gefühlt ließ sich Christian Wulff aber leider alles aus der Nase ziehen. Informationen zur Kreditaffäre kamen kleckerweise, und die Aussagen aus seinem TV-Interview waren tags darauf kaum einen Pfifferling wert: Manche waren unkorrekt, andere musste Wulff aus formaljuristischen Gründen wieder kassieren. Was hängen blieb, waren Unehrlichkeit, Uneinsichtigkeit und Unverlässlichkeit − ein Schlingerkurs, der Wulff Sympathien im Volk kostete, sofern diese zuvor überhaupt vorhanden waren. Seine ungeschickte Salamitaktik und zögerliche Statements waren aber schon der zweite Akt des Dramas. Im ersten hatte Wulff nicht kommen sehen, dass sein Pakt mit Bild offenbar das Ablaufdatum erreicht hatte.
Wer, wann und warum die Affäre um die Wulffs auch immer in vorweihnachtlicher Zeit ins Rollen brachte, der Bundespräsident stand plötzlich unter „friendly fire“. Es war der Bruch einer über Jahre gefestigten Liaison zwischen Bild-Chef Kai Diekmann, der exklusive Geschichten brauchte, und Christian Wulff, der nach oben wollte. Wulffs Aufruf zum Waffenstillstand war keine Drohung des Bundespräsidenten an den Chefredakteur. Vielmehr echauffierte sich ein übertölpelter Christian bei seinem Kumpel Kai, der offenbar unerwartet ein Bündnis aufkündigte.
Wer sich in ein Bündnis wagt, zumal mit einem berechnenden Gegenüber wie der Bild, dem muss klar sein, dass es endlich ist. Und er sollte merken, wenn es beendet wurde.

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