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26.06.2009   News
Viel Spielraum
 

Showrooms bieten Unterhaltung, Informationen, Anschauungsmaterial und das persönliche Gespräch. Als Tagesevents lassen sie Journalisten zeitliche Freiräume. Dieses Konzept kommt an. Von Petra Nickisch

Man zeigt, was man hat – und zwar im Showroom. Autohändler führen ihre blankgeputzten Modelle vor, Lampendesigner zeigen ihre Leuchten im besten Licht und Küchenhersteller lassen ihre Spülen so strahlend blitzen, wie sie nie wieder aussehen werden. In diesem Optimalzustand kennen wir als Kunden die Ausstellungsräume vieler Unternehmen. Dort können wir die Produkte anfassen, prüfen, vergleichen und manchmal auch kaufen. Die Anbieter dagegen haben die Möglichkeit, in Ruhe zu beraten und Nähe zu ihrer Kundschaft aufzubauen. Diese und viele weitere Vorteile der Showrooms lassen sich auch in der PR-Arbeit nutzen. Was in der Mode schon längst Standard ist, nämlich die neuen Kollektionen zum Saisonwechsel möglichst in Hamburg, München und Berlin der Presse kompakt vorzustellen, findet auch in anderen Branchen immer mehr Anklang.

Kaffee in Wohnzimmeratmosphäre
Ulrike Borchert, Geschäftsführerin der Borchert & Schrader Public Relations GmbH, konzipiert und veranstaltet seit 15 Jahren Showrooms, die sich ausschließlich an die Presse richten. Für ihre Kunden aus den Bereichen Pharma, Mode und Konsumgüter mietet sie tageweise Privatwohnungen, Ladengeschäfte oder Fotostudios an und lässt sie stilistisch und farblich passend zum Produkt umdekorieren. Für Bepanthol wird ein Raum schon mal zu einer Art Kosmetikstudio. Klar und clean sind die Cremes und Lotionen über ein raffiniertes Regalsystem verteilt. Davor verbreitet ein flauschiger Teppich unter einem antik wirkenden Fußwaschbecken Wohnatmosphäre. Ein weißer Esstisch mit sechs Stühlen in knalligem Orange lädt ein, sich auf eine Tasse Kaffee zu setzen und das Gespräch zu vertiefen. „Wir nehmen immer Locations, die nah an den Redaktionen liegen“, sagt Borchert. „Dann ist es oft nur ein Katzensprung für die Redakteure, und sie können den ganzen Tag zwischen neun und 18 Uhr zu uns kommen, wann es ihnen passt. Das kommt den personell oft knapp besetzten Redaktionen entgegen.“ Etwa 15 Showrooms organisiert die Agentur Borchert & Schrader pro Jahr in den Verlagsstädten München, Baden-Baden, Offenburg und Hamburg und empfängt dabei bis zu 25 Gäste am Tag. „Alles was über zehn Besucher geht, ist ein großer Erfolg, der mit Redaktionsbesuchen an einem Tag unmöglich zu schaffen wäre.“

Siebzehn Berliner PR-Agenturen haben dieses Frühjahr vorgemacht, wie man das Besucherergebnis noch steigern kann. FakePR, OnTime PR, Silk Relations, Styleheads und  Schröder+Schömbs PR schlossen sich mit zwölf weiteren Agenturen zusammen und luden vom 2. bis 3. April bereits zum dritten Mal zu den „Berlin Press Days“ ein. Zwei Tage lang öffneten sie gemeinsam von zehn bis 18 Uhr ihre Agentur-Showrooms und präsentierten den Journalisten die Kollektionen ihrer Kunden für die Herbst-/Winter-Saison 2009. Auch die teilnehmende Agentur Häberlein & Mauerer konnte vom Journalistenansturm profitieren und verzeichnete an beiden Tagen insgesamt 135 Besucher. „Die Berlin Press Days werden absolut gut angenommen“, sagt Sebastian Warschow von Häberlein & Mauerer. Dann könnte das Modell der gemeinsamen Showroom-Aktion doch Vorbildcharakter für die Agenturszene in Hamburg oder München haben? Warschow reagiert zurückhaltend. Die Situation in Berlin unterscheide sich von der in anderen Städten. „Wir sind relativ junge Agenturen, man kennt sich untereinander. Alle arbeiten gern zusammen.“ Es sei gemeinsames Ziel, den Modestandort Berlin weiter aufzubauen. Im Zuge dessen sei bereits die „Fashion Week“ entstanden, die nächsten „Berlin Press Days“ im Herbst seien schon in der Planung.

Berlin macht aber nicht nur durch den Schulterschluss der Agenturen von sich reden. Auch der „1. Tag der Wäsche“, konzipiert und ausgerufen von Publicis Consultants für das Modelabel Fruit of the Loom, hat viel Medien- und Verbraucherinteresse auf sich gezogen. Am 17. September 2008 eröffnete Fruit of the Loom zu diesem Zweck seinen weltweit ersten „Temporary Showroom“ in Berlin, publikumswirksam nahe dem Touristen- und Shoppingviertel am Hackeschen Markt, in der Münzstraße 10. Nach aufwändiger Renovierung eröffnete das Label für drei Tage eine ehemals leerstehende Ladenfläche im Look eines Shops. Auf dem Verkaufstresen stand allerdings statt einer Kasse nur eine Schale mit Obst, denn alle Shirts und Sweater, die sorgfältig nach Farben sortiert in den Regalen lagen, dienten nur zur Ansicht. „Am letzten Tag haben wir die Kollektion an alle Besucher verschenkt“, erzählt Christoph Götz, der als PR-Berater der verantwortlichen Agentur Publicis Consultants gleichzeitig auch externer Pressesprecher von Fruit of the Loom ist. „Wir wurden überrannt und mussten den Showroom zeitweise schließen. Sogar Alexandra Maria Lara war da und suchte sich Wäsche aus.“ Bis auf einen Sponsor, der Promis und Presse bei der exklusiven Eröffnungs-veranstaltung passenderweise mit Smoothies versorgte, wurden alle Kosten für die Aktion von Fruit of the Loom getragen.

Raum für Verkauf und Begegnungen
Die Möglichkeit, die Ausgaben für einen Showroom wieder einzuspielen, gibt es jedoch auch. Einen passenden Weg dafür hat die Impulse by Communication GmbH gefunden, die ihren Agentursitz ebenfalls in Berlin hat. Sie bezeichnet ihren permanenten Showroom als „ConceptRoom“ und vereint damit laut Senior-PR-Beraterin Tanja Demmerath drei Bausteine: Showroom, Shop und Raum für Begegnungen. Nur etwa zwei Minuten Fußweg von der Agentur entfernt liegt dieser Concept-Room am Stuttgarter Platz, der neuerdings sogar seinen eigenen Onlineshop hat, in dem das Sortiment der PR-Kunden im Angebot ist. Über den Verkauf der Produkte konnten bereits zwei Kunden ihr PR-Budget refinanzieren. Und nicht nur das. Ganz nebenbei haben sie auch noch Marktforschung betrieben.

Durch den engen Kontakt der geschulten Verkäufer zum Endkonsumenten kommen in den Beratungsgesprächen viele Anregungen zutage, die gesammelt und über die Agentur an die Hersteller weitergegeben werden. „Schöne Decke, aber mit 20 Euro viel zu teuer“, beschwert sich beispielsweise ein Kunde. Und ein anderer fragt: „Warum gibt es das nur in Rot und nicht in Schwarz?“ Ausländische Designer, für die der deutsche Markt noch Neuland ist, können so wertvolle Informationen erhalten. Der Verkäufer wiederum, von der Agentur „Storyteller“ genannt, kann zu jedem Produkt den Hintergrund liefern. „Sie kennen die Produktdesigner, die Entstehung und die Geschichten hinter den Kulissen persönlich“, sagt Demmerath. Die Agentur habe erkannt, dass die Kundenbindung und Loyalität zu den Marken zunehme, sobald dem Konsumenten die Entstehung einer innovativen Produktidee begreifbar gemacht werde und er im Idealfall die neu gewonnene Erfahrung Freunden oder Familie weitererzähle.

Doch mit dem Verkauf und der Präsentation von Neuheiten für die Presse sind die Spielarten, die der Verkaufsraum bietet, noch nicht ausgeschöpft. Die Agentur nutzt den Raum auch für monatliche Themenevents, die eher Netzwerkabenden mit Endkunden, Medien und geladenen Gästen gleichen. Oder der geschlossene Shop wird den PR-Kunden als Meeting- oder Vertriebsshowroom für ihre Verkaufsgespräche angeboten.

Sehen, Fühlen, Schmecken
In Hamburg greift die Integra Communication GmbH in unregelmäßigen Abständen auf die klassische Methode der einmalig angemieteten Räume zurück und setzt auf die Zugkraft prominenter Gäste. Vom 5. bis 7. Mai veranstaltete die Agentur drei Pressetage, die unter dem Motto „Festival der Sinne“ liefen. Tür an Tür mit einer Krankenkasse nutzten sie deren großzügigen Konferenzraum im fünften Stock, um mit Blick über Dächer und Baumwipfel die Vorzüge ihrer Kunden ins Gespräch zu bringen. Reden mit der Food-Redakteurin, mit dem freien Journalisten und den PR-Beratern – aber vor allem Sehen, Fühlen, Schmecken und Genießen sollten im Vordergrund stehen. Denn: „Tasting is believing, feeling is believing!“, wie es bereits die Einladung proklamierte. Am Dienstag wurden dann Sherrys, Tapas und Tee verkostet, am Donnerstag Biospezialitäten, Weine und Öle und als Höhepunkt am Mittwoch bereitete Sterneköchin Cornelia Poletto ein Vier-Gänge-Menü zu, serviert auf den Tellern des Kunden Alessi. Vier festlich eingedeckte Tische mit Tafelserien von unterschiedlichen Designern waren erst die Hingucker und dann Gebrauchsgegenstände, als sich die Medienvertreter zum Essen setzten.

Da die Redakteure immer weniger Zeit haben, biete so eine Minimesse ein „Rundum-sorglos-Paket“, ist Ute Pfestorf, Geschäftsführende Gesellschafterin von Integra Communication, überzeugt. Besonders freie Journalisten fühlten sich angesprochen, da nicht nur ein Thema behandelt werde, sondern gleich mehrere. Die Agentur erhofft sich außerdem, dass Redakteure zusätzliche Themen mit zurück in den Verlag nehmen, entweder für die eigenen Seiten oder auch für Kollegen in den anderen Ressorts. Langfristig einen guten Kontakt zu den Redakteuren und Journalisten herzustellen und persönlich mit ihnen ins Gespräch zu kommen sei auf Showroomevents das Wichtigste.

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