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News / Voice from India: Auch die Medien verlangen Weniger Korruption und mehr transparenz
Jai Xavier Prabhu ist Gründer und Director von PRHUB in Bangalore (www.prhub.com), Partneragentur im internationalen PR-Netzwerk GlobalCom PR Network
27.10.2011   News
Voice from India: Auch die Medien verlangen Weniger Korruption und mehr transparenz
 
Im August dominierte der Anti-Korruptions-Kreuzzug des hungerstreikenden Anna Hazare und seines mit zahlreichen Bollywood-Größen besetzten „Teams Anna“ die indischen Nachrichten wie keine andere Geschichte. Selbst Mainstream-TV-Sender gerieten aus dem Häuschen und ergriffen in ihrer Berichterstattung offen Partei, um die aus ihrer Sicht dritte Freiheitsbewegung des Landes um den 76-jährigen Gandhi-Anhänger Hazare zu unterstützen. Hunderttausende schlossen sich – filmreif – den landesweiten Märschen der Protestbewegung an. Auch das Internet wurde mit Kommentaren überschwemmt und Hazares „India Against Corruption“ war die populärste und aktivste Facebook-Gruppe.

„Die Rufe nach mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht nehmen auch in den Medien zu.“

Hazares Bewegung profitierte auch von den jüngsten Mega-Korruptionsskandalen um die Vergabe von Mobilfunklizenzen und Aufträgen für die Commonwealth Games, die zusammen einen Schaden von geschätzten 50 Milliarden US-Dollar verursacht haben. Im Unterschied zu früher machte die Justiz aber ernst und verhaftete einige der mächtigen Verantwortlichen. Niemals zuvor saßen im unabhängigen Indien mehr einflussreiche Politiker und Wirtschaftsbosse im Gefängnis.
Die Rufe nach mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht nehmen in allen Institutionen zu, auch in den Medien. Der Skandal um von Behörden abgehörte und der Presse zugespielte Telefonate der Lobbyistin Niira Radia mit Journalisten stellt zudem die Arbeit der Medien in Frage und beschädigte den Ruf angesehener Redakteure.
Manche Journalisten fragen selbstkritisch, was schief gelaufen ist und wie die Medien damit umgehen sollten. Der Skandal um Niira Radia, Inhaberin einer der größten PR-Agenturen des Landes, war der branchenweit aufsehenerregendste seit 20 Jahren und lenkte den Blick auf die Rolle der PR-Schaffenden hinter den Kulissen.
Die kommenden Monate werden zeigen, was die Anti-Korruptions- Bewegung an konkreten Resultaten erreichen kann, etwa strengere Gesetze und bessere Institutionen, die Korruption eindämmen und das Regierungshandeln verantwortlicher machen. Dann müssten selbst die größten Firmen vorsichtig sein und könnten nicht länger klüngeln, um Rohstoffe oder Ländereien zu sammeln und exorbitante Gewinne einzustreichen.
Die meisten indischen PR-Agenturen bauen derzeit Kompetenzen im Online- und Social-Media-Bereich auf. Viele werden jedoch nicht schnell genug sein, da der Einfluss dieser Kommunikationskanäle rasch zunimmt.
Die Veränderungen der Medienlandschaft werden sich auch auf Agenturen auswirken, die sich nicht an korrekte Geschäftspraktiken halten. Niira Radias Agentur zum Beispiel hat nach dem Skandal einige Großkonzerne als Kunden verloren.

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