Please wait...
News / Akustische Identität
29.09.2011   News
Akustische Identität
 
Während vor zehn Jahren nach dem grundsätzlichen Sinn eines Markenklangs gefragt wurde, feilen heute viele Firmen auf hohem Niveau an ihrem akustischen Auftritt. Von Carl-Frank Westermann

Der deutlich gestiegene Zuwachs an multimedialen Kommunikationsanwendungen fordert eine professionelle akustische Gestaltung ein. Dabei sind die Lösungsansätze so vielfältig wie die Anwendungs-felder und reichen von hintergründigen Atmosphären in den Geschäftsräumen bis zum gewaltigen Sound-Feuerwerk auf Messeveranstaltungen.

Sound Branding, Audio Branding oder Corporate Sound bezeichnen die auditive Markenführung und damit den Versuch, der Marke auch über den Hör-Sinn ein sinnvolles Gewand zu geben. Denn nicht zuletzt der akustische Ausdruck hat wesentlichen Anteil am ganzheitlichen Eindruck, den die Marke beim Konsumenten hinterlässt. Global agierende Unternehmen wie Intel, McDonald’s, Coca-Cola, Telekom oder Audi haben die Wirksamkeit dieser Form der Markenführung längst erkannt und verfügen mittlerweile über ein akustisches Guthaben, das den Wert der Marken entscheidend beeinflusst.

Aber es sind längst nicht nur Konzerne, die bewusst auf auditive Markenführung setzen: Immer mehr Firmen, Regionen und auch Veranstaltungen verlassen sich auf ein akustisches Gewand mit Bedeutung – international wie national. Dazu ein Blick in die Klangwerkstatt eines kürzlich präsentierten Projekts, das verdeutlicht, welche Ansprüche hinter einer professionellen akustischen Gestaltung stehen: Der alljährlich stattfindende Radio Day, ein etablierter Branchentreff für Hörfunk, Media, Marketing und Kreation, der jedes Jahr bis zu 3.000 Fachbesucher nach Köln lockt, hat sich im siebzehnten Jahr seines Bestehens die Aufgabe gestellt, der Marke Radio Day eine hörbare Gestalt zu geben.

Die Veranstalter suchten nach unkonventionellen Ansätzen. Die Idee wurde geboren, den Masterstudiengang Sound Studies an der Universität der Künste Berlin (UdK) anzusprechen, um auf Basis einer künstlerisch konzeptionellen Methodik ein neuartiges akustisches Gewand für den Radio Day zu entwickeln. Was macht diese Herangehensweise und damit das Ergebnis besonders?

Die gründliche Analyse der Veranstaltung durch die Studierenden zeigte, dass sich das Thema „Radio“ zwar wie ein roter Faden durch das Event und die Präsentationen zieht, auditiv vor Ort aber nicht erlebbar ist. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis wurden von den Studierenden Konzepte entwickelt, die mit dem Veranstalterteam – bestehend aus den Vermarktern AS&S, RMS sowie der betreuenden Agentur Lauffeuer – diskutiert, geprüft und ergänzt wurden. Der ausgewählte Inszenierungsansatz bildet die Perspektive des Radiohörers ab, dessen Tag durch das Radio begleitet und es dadurch wie selbstverständlich Teil seines individuellen, ganz privaten Raumes wird. Damit ist in diesem Jahr nicht nur das Thema Radio auf der Veranstaltung auditiv erlebbar, sondern auch das Leben mit dem Medium aus der Sicht der Nutzer.

Die durch die Studierenden konzipierten und produzierten Anwendungen reichen von einer akustischen Begrüßung über sogenannte Soundscapes (Klanglandschaften) in den Veranstaltungsräumen bis hin zu der Idee einer Klanginstallation in Form einer begehbaren „Radiolandschaft“. Diese Elemente setzen sich aus modularen, über den Tag variierend und gleichbleibend wiederkehrenden Bestandteilen zusammen. Das entstandene Ergebnis lässt sich über Jahre hinweg flexibel mit neuen thematischen Facetten anreichern, bleibt aber dabei immer einzigartig und wiedererkennbar. Der Radio Day besitzt dadurch eine lebendige und für die Besucher erlebbare akustische Identität, die nicht nur durch ihre Nachhaltigkeit besticht.


Carl-Frank Westermann hat im Juli die Agentur Wesound gegründet. Davor war er Creative Director bei MetaDesign und Gastprofessor an der UdK Berlin.

Magazin & Werkstatt