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20.03.2009   News
Religion vs. Ethik: „Tag der Freiheit“ für Berlin
 

Einen „Tag der Freiheit“ für den 26. April, den Tag des Volksentscheids über Ethik- und Religionsunterricht in Berlin, haben die Agentur Publicis Frankfurt und die Initiative „Pro Reli“ diese Woche ausgerufen. „Pro Reli“ ist im Kern ein Bündnis der großen christlichen Kirchen sowie von CDU und FDP. Ihnen geht es um das Ende des verpflichtenden Ethik-Unterrichts für die Jahrgangsstufen sieben bis zehn, der vom rot-roten Berliner Senat 2006 eingeführt worden war. Das konservative Bündnis plädiert demgegenüber für eine verpflichtende Wahl zwischen Ethik und konfessionellem Religionsunterricht, den es in Berlin seit 1946 nicht mehr gibt.

Publicis Frankfurt hatte sich in einem Screening durchgesetzt und will sich nach eigenem Bekunden mit der Kampagne in den Bereichen „Public Communications und CSR“ profilieren. „Wir erkennen Relevanz in dem Thema“, sagt Anne Motz von Publicis. Zur Etathöhe will sich die Agentur nicht äußern, umgesetzt werden unter anderem 500 exponierte 18/1-Plakate und die Website www.freie-wahl.de. Zudem soll über „relevante Foren und Communities“ für „Pro Reli“ geworben werden.
Die Gegenseite „Pro Ethik“ gibt für ihre Kampagne rund 50.000 Euro aus. Hinter „Pro Ethik“ steht ein buntes Bündnis aus den Regierungsparteien SPD und Linke sowie Grünen, GEW, Buddhisten, unabhängigen Christen, Schwulen- und Lesbenverband und Humanisten. Daneben werden sie von Prominenten wie etwa der Schriftstellerin Julia Franck und dem Publizisten Alfred Grosser unterstützt. Sie sprechen von einem „Wahlzwang“, den „Pro Reli“ einführen wolle.
Unterdessen scheinen „Pro Reli“ und die Frankfurter Werber die Vielschichtigkeit des Begriffes „Freiheit“ bereits unterschätzt zu haben. Der „Tag der Freiheit“ ist bislang nämlich nicht der 26. April, sondern ein Film von Leni Riefenstahl über den siebten Parteitag der NSDAP 1935. (fb)

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