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27.11.2008   News
MAN in Feierlaune
 

Während alle Welt unter der Finanzkrise ächzt und stöhnt, feierte die MAN AG ausgelassen ihr 250-jähriges Jubiläum und lässt auch nach zwölf Monaten Dauerparty jeglichen Anflug von Katerstimmung vermissen. Von Inken Kahlstorff

Positive Nachrichten aus der Wirtschaft sind dieser Tage rar. Umso erfreulicher ist da ein  Rückblick auf das Jubiläumsjahr der MAN AG. Das Industrieunternehmen feierte 2008 ausgiebig sein 250-jähriges Bestehen. Ein mobiles Museum, mehrere Ausstellungen, Oldtimer-Touren, der Festakt in der Münchner Residenz und nicht zuletzt zahlreiche Mitarbeiterveranstaltungen waren Teil des umfangreichen Programms. Prominente Künstler gaben sich die Ehre, zu den Gratulanten zählten Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Ein „mittlerer einstelliger Millionenbetrag“ wurde für die Feierlichkeiten ausgegeben.

Geschichte des Wandels
Die Wurzeln des heute vor allem als Hersteller von Nutzfahrzeugen und Motoren bekannten Konzerns gehen zurück auf die Eröffnung der Eisenhütte St. Antony am 18. Oktober 1758. Von den Anfängen der Montanindustrie bis zur Raumfahrt spiegelt das Unternehmen nicht nur die Industrie- und Zeitgeschichte der vergangenen Jahrhunderte wider, sondern prägte auch die Entwicklung moderner Technik entscheidend mit.

Fusionen, Käufe und Verkäufe, Umstrukturierungen und Umbenennungen dominieren die Unternehmensgeschichte. 1808 wurde der erste Hüttenkonzern des Ruhrgebiets gegründet, der später in Gutehoffnungshütte umbenannt wurde und als GHH noch lange, nachdem der Montanbereich nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Entflechtung durch die Alliierten aufgegeben wurde, existierte. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der Zusammenschluss zweier bayerischer Maschi­nenwerke, aus dem die Maschi­nenfabrik Augsburg-Nürnberg hervorging und dem der heutige Konzern sein Kürzel verdankt.

Eines dieser Vorläuferunternehmen produzierte die erste deutsche Rotationsmaschine für den Zeitungs- und Buchdruck. Seit 2006 gehört MAN Roland Druckmaschinen allerdings nicht mehr zur Gruppe. Ingenieure von MAN bauten auch die ersten Kühlmaschinen, die erste große Stahlbrücke in Deutschland, den ersten Rheindampfer, die Wuppertaler Schwebebahn und Schlüsselkomponenten der europäischen Trägerrakete Ariane – wobei auch diese Sparte nicht mehr zum Konzern gehört. Daneben war vor allem die Erfindung Rudolf Diesels, dessen 150. Geburtstag ebenfalls in das Jahr 2008 fällt, maßgebend. Unter dem Dach der Firma entwickelte Diesel seinen Motor; 1897 wurde die bis heute effektivste Verbrennungsmaschine erstmals gebaut.

Die jetzige Struktur, bei dem Nutzfahrzeuge zwei Drittel des Konzernumsatzes ausmachen, erhielt das Unternehmen 1986 nach der Verschmelzung mit der GHH. Der Konzern konzentriert sich nun mit MAN Nutzfahrzeuge, MAN Diesel, nach Firmenangaben Weltmarktführer bei Großmotoren für  Kraftwerke und Schiffe, dem Kompressoren- und Turbinenhersteller MAN Turbo und dem Getriebespezialisten RENK auf die Bereiche Transport und Antrieb. Der Industriedienstleister MAN Ferrostaal soll Anfang 2009 abgestoßen werden und so den Fokussierungsprozess abschließen.

Mit der Planung des Festjahres, an deren Umsetzung ein knappes Dutzend PR-, Medien- und Designagenturen beteiligt war, wurde bereits vor drei Jahren begonnen. Die Aktivitäten und Events waren als kommunikative Strecke über zwölf Monate konzipiert. Schluss- und Höhepunkt war die Gala in der Münchener Residenz am 17. Oktober dieses Jahres, zu der gut 700 Kunden, Partner und 200 MAN-Vertreter geladen waren.

History-Marketing  
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Konzernchef Håkan Samuelsson hielten die Ansprachen, während der Pianist Lang Lang und die Opernsängerin Cecilia Bartoli für musikalische Untermalung sorgten. Mit der Durchführung des Festaktes und der aufwändigen Gestaltung der Innenhöfe, auf deren Fassaden der Film zur Firmengeschichte gezeigt wurde, war die Agentur Pleon Event + Sponsoring betraut.

Mit der Vielzahl und Vielfalt der Maßnahmen sollten von Kunden und Geschäftspartnern,  Mitarbeitern und ihren Angehörigen bis zur interessierten Öffentlichkeit sämtliche Zielgruppen angesprochen werden. Kommuniziert wurde die Fähigkeit zum unternehmerischen Wandel und zur Innovation, zusammengefasst in dem Claim „Engineering the Future – since 1758“.

So zeigte etwa die Sonderausstellung „Erfolgreich durch Wandel“ im Rheinischen Industriemuseum Oberhausen einen Querschnitt aus einem Vierteljahrtausend MAN-Geschichte. Von Mai bis September sahen rund 6.000 Besucher die Ausstellung. Zuvor wurde die von dem Unternehmen unterstützte Ausgrabungsstätte St. Antony, ein Ableger des Museums, eröffnet. Und seit einigen Wochen präsentiert das Deutsche Museum in München in Fortführung des Jubiläumsjahres die Ausstellung „250 Jahre MAN: Vom Hochofen zum Hybridantrieb“.

Zudem rollte das mobile MAN-Museum durch die Metropolen Europas. Der fahrende Museums-Truck mit einem ausziehbaren Auflieger, dessen Exponate etwa 30.000 Besucher bestaunten, kam außer bei Familienfesten an allen größeren Firmenstandorten auch bei der Oldtimer-Tour zum Einsatz. Unter dem Motto „MAN auf Achse“ fuhren 40 historische Lastwagen, Busse und Traktoren, darunter  Prototypen, die nie in Serie gingen, durch München, dem Hauptsitz der Gruppe, und die Gründungsstädte Augsburg und Nürnberg. Unter den insgesamt 75.000 Oldtimer-Fans hätten sich auch die 4.500 Angehörigen des Nürnberger MAN-Motorenwerkes befunden, die an jenem Junitag gleichzeitig ihr Betriebsfest feierten, übt sich das Unternehmen in rechnerischer Bescheidenheit. Zum Abschluss der Oldtimer-Parade in Nürnberg spielte der Komiker und Publikumsmagnet Olli Dittrich mit seiner Band „Texas Lightning“ auf.

Alle Mann hoch
Auch den weltweit 55.000 Mitarbeitern wurde allerhand geboten. Im Juni durften die Angestellten der MAN AG auf dem Testgelände in Karlsfeld bei München ihre Fahrtechnik an der neuesten Generation der MAN-Trucks erproben. Beim Fest von MAN Turbo in Oberhausen gab es einen besonderen Grund zum Feiern: Das Fußballteam von Turbo hatte den diesjährigen MAN-Cup gewonnen. Das Jubiläumsfest in Nürnberg fiel mit der Oldtimer-Tour zusammen und wurde auf dem Hauptmarkt gefeiert. Zu den Festen von MAN Diesel in Augsburg und MAN Nutzfahrzeuge in München wurden die Werkshallen geöffnet. Jeweils über 10.000 Neugierige besuchten dort die Produktionsstätten.

Die Ansprache der Mitarbeiter und ihrer Familien war wesentliche Aufgabe der Jubiläumskommunikation. Sie sollte Identität stiften, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Teilkonzerne stärken und Stolz und Selbstbewusstsein der Angestellten fördern. So erhielten sämtliche 60.000 Beschäftigte, einschließlich aller temporär und in assoziierten Unternehmen Tätigen, in über 120 Ländern dank eines ausgeklügelten Verteilsystems pünktlich zum Firmengeburtstag am 18. Oktober eine Jubiläumsuhr, einen Bildband zur Unternehmensgeschichte (den Begleitband zu den Ausstellungen) und eine DVD mit dem Jubiläumsfilm. Außerdem waren die Mitarbeiter aufgefordert, Anekdoten aus ihrem MAN-Leben zu beschreiben. Alle 250 eingereichten Geschichten wurden im Intranet veröffentlicht, eine Auswahl der interessantesten Begebenheiten erschien in der Firmenzeitung „MAN People“.

Eine wissenschaftliche Abhandlung der Firmenchronik gab MAN bei C.H. Beck und einem Team von Wirtschaftshistorikern in Auftrag. „Die MAN – Eine deutsche Industriegeschichte“, das bereits in zweiter Auflage vorliegt, diente unter anderem dazu, die Rolle des Unternehmens im Nationalsozialismus untersuchen und dokumentieren zu lassen. Darüber hinaus ließ das Unternehmen eine „MAN-Technikgeschichte für junge Leser“ (so der Untertitel des im Nicolai Verlag erschienenen Jugendbuches), ein Malbuch und ein Quartettspiel für Kinder publizieren. Ein zum Festjahr eigens gestalteter Internetauftritt begleitete die Jubiläumskampagne. Während die Pressearbeit um den März herum vornehmlich Rudolf Diesels Geburtstag zum Thema hatte, widmeten sich die Berichte in Print und Fernsehen gegen Herbst vermehrt den 250 Jahren Unternehmensgeschichte.

MAN und die Medien
Der Fahrzeug- und Maschinenbaukonzern zieht eine sehr positive Bilanz: Über Artikel in allen wichtigen überregionalen und lokalen Blättern, der Fachpresse und firmeneigenen Publikationen seien europaweit mehrere Millionen Menschen erreicht und auf das Unternehmen aufmerksam gemacht worden. Die über ein Jahr lang anhaltende Berichterstattung und das History-Marketing habe das Medienimage der MAN Gruppe in erheblichem Maße vorteilhaft beeinflusst.

Dass der Slogan „Erfolg durch Wandel“ Unternehmensrealität ist, belegt die Firmengeschichte. Seine Wandlungsfähigkeit wird der Global Player aber auch in Zukunft immer wieder beweisen müssen. Zuletzt gingen die Aufträge für Nutzfahrzeuge deutlich zurück. Dennoch wird für 2008 eine Umsatzsteigerung erwartet. Dem konjunkturellen Abschwung sieht man gelassen entgegen und hofft auch weiterhin auf Gründe zum Feiern.
 

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