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News / Neuer Demo-Kult
Elisabeth Schick, Leiterin Unternehmenskommunikation BASF
26.04.2011   News
Neuer Demo-Kult
 
Egal ob Atomkraft, Stuttgart 21, der Flughafen Berlin Brandenburg International oder die Olympiabewerbung Münchens – die Menschen treibt es auf die Straße. Ein Thema für das 6. LPRS-Forum in Leipzig
Bürgerprotest ist das Wort der Stunde. Wie Unternehmen und Medien auf diese Herausforderung angemessen reagieren, darüber diskutierten am 15. April im Leipziger Ring-Café der ehemalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Sozialethiker Friedhelm Hengsbach, Jens Jessen, Feuilleton-Chef der „Zeit“, und Elisabeth Schick, Leiterin Unternehmenskommunikation bei BASF.
Der Dreiklang, mit dem der Ludwigshafener Chemiekonzern auf „Wutbürger“ reagiert, heiße Dialog, Moderation und Kompensation, sagte Schick. Transparenz müsse heute als Geschäftsprinzip gelten. Als Beispiel führte die 44-Jährige die Kommunikation zur Einführung der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora an. Auf eine Gen-Knolle zu verzichten und stattdessen die Stärkeart, die in der Papier-, Textil- und Klebstoffindustrie genutzt wird, auf anderem Wege zu erzeugen, sei für BASF keine Alternative gewesen, sagte Schick am Rande der Veranstaltung. Vielmehr sollte man das Thema weiter spannen: „Nämlich: Wie wollen wir Fortschritt definieren? Wir brauchen in Deutschland einen Konsens darüber, wie Fortschritt aussieht und was der Preis ist. Wir dürfen auch nicht nur auf die Risiken schauen, sondern wir müssen wieder stärker über Chancen und Möglichkeiten nachdenken. Stillstand schafft keinen Wohlstand, er erhält noch nicht einmal den Status quo“, sagte Schick. Sozialethiker Hengsbach hielt ihr entgegen, dass die europäische Definition von Fortschritt nicht auf die gesamte Welt übertragbar sei. Wolfgang Tiefensee ergänzte, dass sich eine Mehrheit auch mal irren könne und keinen Anspruch auf Wahrheit besitze. Schick hielt sich bei ihrer Argumentation an Fakten der Forschung: „Es gibt keinen wissenschaftlich bestätigten Fall, in dem genetisch veränderte Pflanzen schädliche Folgen für Menschen oder Umwelt hatten.“ Ihrer Ansicht nach sind die Kontrollen, die gentechnisch veränderte Pflanzen erfahren, bevor sie für den Markt zugelassen werden, so umfassend, dass die Sicherheit für Mensch, Tier und die Umwelt gewährleistet sei. Schick verwies darauf, dass solche Pflanzen weltweit erfolgreich angebaut und verwertet würden: „Die Anbaufläche beträgt über eine Milliarde Hektar – eine Fläche, die von Lissabon bis Moskau reicht.“
Zurzeit entwickle BASF Gen-Produkte, die einen hohen Anteil an ungesättigten Omega-3-Fettsäuren enthielten, so Schick. Deren Verzehr wirke sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus – ein Effekt, den Ernährungswissenschaftler auch gentechnisch unveränderten Nahrungsmitteln zuschreiben.
Verwundert zeigten sich Diskutanten und Gäste der gelungenen Veranstaltung darüber, dass Moderatorin Peggy Hoy von Kobza Integra PR aus Wien an diesem dialog- und diskussionsbedürftigen Abend keine Publikumsfragen zuließ.(bb)
Foto: BASF

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