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News / Blabla am Fließband
22.03.2011   News
Blabla am Fließband
 
Die britische Presse- und PR-Welt geriet Ende Februar in Aufruhr, als die Stiftung Media Standards Trust mit der Website Churnalism.com ein Tool ins Netz stellte, das den PR-Anteil in journalistischen Nachrichten ermittelt. Gibt der Nutzer eine Pressemitteilung ein, wird sie mit Online-Meldungen der wichtigsten Tageszeitungen und der BBC verglichen. Die Seite listet detailliert auf, zu welchem Anteil der Pressetext eingeflossen ist, zu wie viel Prozent der Bericht aus der Mitteilung besteht und wie viele Wörter in Folge im Wortlaut übernommen wurden. Das Ergebnis bleibt für alle Besucher der Seite einsehbar. Die Unterscheidung zwischen Journalismus und „Churnalism“ – fließbandartig („to churn out“) produzierte Nachrichten, die in weiten Teilen Pressemitteilungen übernehmen – soll für mehr Transparenz und Offenlegung der Quellen sorgen.
Womöglich macht sich auch in unserem plagiatgeplagten Land bald jemand an die Fleiß- und Fließbandarbeit und erstellt ein derartiges Archiv (Churnalism.com greift auf drei Millionen Artikel bis 2007 zurück). Interessant wären die Ergebnisse auf jeden Fall. Bis dahin bleibt den Schreibern hierzulande, an ihrem Stil zu feilen. Dabei hilft seit Neuestem das „Blabla-Meter“. Gibt man auf www.blablameter.de einen Text ein, wird dessen „Bullshit-Index“ ermittelt. „PR-Profis, Politiker, Berater, Werbetexter und Professoren“, warnt die Seite ausdrücklich, „müssen hier tapfer sein.“ Untersucht wird auf Nominalstil und „Phrasen“. Ein ähnliches Angebot misst über Satz- und Wortlängen den sogenannten Flesch-Wert eines Textes. Journalisten erfahren hier, ob ihre Artikel in die Kategorie Boulevard-, durchschnittliche oder anspruchsvolle Zeitung fällt. Pressemitteilungen, die auf der „Skala von Kant bis Comic“ gut abschneiden, haben sicherlich auch einen hohen „Churn“-Faktor. (ik)

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