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22.03.2011   News
Medienbeobachtung digital
 
Was einst Ausschnittdienste waren, sind heute hoch technisierte Dienstleister, die eine Vielzahl von Angeboten in ihrem Portfolio haben – von Adressmanagement bis hin zur Distribution. Dabei liegen vor allem die Skandinavier vorn. Von Peer Brockhöfer
Vor 15 Jahren noch gab es eine übersichtliche Anzahl von Dienstleistern in der Medienbeobachtung. Wie die Argus Medienbeobachtung aus Fellbach, die von dem schwedischen Medienbeobachter Observer übernommen wurde und heute unter dem Namen Cision firmiert. Mittlerweile unterstützt Cision mit seiner „integrierten, webbasierten Kommunikationsplattform CisionPoint die Kunden in allen Phasen der Unternehmenskommunikation und bietet Entscheidungsgrundlagen für die Umsetzung der Unternehmensstrategie“ – soweit das Selbstbild. Der Ausschnittdienst mit Zeitung und Schere von einst ist mit dem heutigen Portfolio kaum noch vergleichbar: Cision bietet eine Mediendatenbank mit einer Million Kontakten, die rund achtzehntausend Mal am Tag aktualisiert wird. Hinzu kommt ein Versandservice, der auch für Social Media optimiert ist. Das ganze lässt sich zentral mit der PR-Software CisionPoint steuern. Ein Clipping-Report wird nur noch pro forma erstellt, quasi für das Unternehmensarchiv, aber nicht mehr, um das Wirken von PR nachzuweisen. Begründete früher der Pressesprecher voller Stolz mit Presseartikeln sein Tun, sind die Ansprüche an Medienbeobachter heute sehr viel höher.
Nicht nur die Produktkategorien wurden erweitert. Relevant werden im Zuge der Digitalisierung vor allem Trendanalysen, die ein viel größeres Spektrum von Medien berücksichtigen als Printartikel. Denn Stimmung wird nicht nur von Journalisten gemacht, sondern von der Internet-Community insgesamt. Blogger, Facebook-Aktivisten und Twitterer können Trends und Botschaften einen entscheidenden Dreh geben. Cision etwa bietet dazu Analysen an, die nicht nur den Verlauf der Pressearbeit dokumentieren, sondern auch dahin gehend beraten, welche Meinungsbildner sich hinter hundert Millionen Blogs, zehntausend Foren und hundert Video-, Nachrichten- und Rezensionsseiten verbergen. So können neue Zielgruppen identifiziert werden, die Einfluss auf die Unternehmenskommunikation haben. Auch Ausschnitt Medienbeobachtung, seit 60 Jahren am Markt, bietet solche Analysen als „Vorwarnsystem“ an: Im Social Web äußern sich Kunden, Spender, Mitarbeiter und Wettbewerber. Hier entstehen Meinungen, hier fallen Kaufentscheidungen und hier entstehen Krisen.
Auch der Medienbeobachter Newbase hat mit dem Produkt Infonitor seit 2009 einen Service für die Medienbeobachtung und -analyse im Programm, um übersichtlich und schnell über Präsenz und Reputation in den Online-Medien zu informieren. Infonitor basiert auf einer Quellenbasis Tausender nationaler und internationaler Online-Nachrichtenseiten. Auch Landau Media bietet eine professionelle Web-2.0-Beobachtung, die 100.000 Weblogs, Youtube, Twitter, Facebook, StudiVZ und Xing analysiert und kontinuierlich über neue Tendenzen und Meinungen im User-generated Web informiert. Insgesamt gibt es mehr als 50 Anbieter von Social Media-Montoring, die in Deutschland aktiv sind.


Die klassischen Anbieter rüsten auf

Im Zuge der Digitalisierung haben die klassischen Anbieter aufgerüstet. Aber auch einige neue Spieler kamen hinzu. Denn das Monitoring digitaler Medien im Internet ist weitaus weniger aufwendig als das der klassischen Medien, für das nicht nur kostenpflichtige Abonnements bestellt werden müssen, sondern auch eine Reihe zuverlässiger Lektoren, die das gedruckte Material auswerten. Ein Vorgang, den Ausschnitt und Landau Media übrigens nach wie vor durchlaufen.
Ein vergleichsweise junger Anbieter ist Altares, die ausgehend von einer PR-Software das Geschäft aufbauten und mittlerweile im Internet nicht nur unter www.pr-software.de, sondern auch unter www. medienmonitoring.de zu finden sind. „Symphony“ ist die Software, die Social Media-, Medien-Monitoring, Analysen und eine Autorendatenbank und andere Tools bündelt. Imooty ist ein weiteres deutsches Start-up auf diesem Sektor, das 2007 als Online News Portal startete – die Basis für die Gründung der Imooty.eu GmbH 2009. Das Unternehmen unterstützt jetzt Marketing- und PR-Abteilungen sowie Agenturen dabei, ihr Online-Reputationsmanagement in insgesamt zwölf europäischen Sprachen zu betreiben. Den Gründern Blaise Bourgeois und Kristoffer J. Lassen war die Mehrsprachigkeit sehr wichtig, da es zuvor kein Tool gab, das den gesamten europäischen Markt abdeckt.


Newcomer aus der Schweiz und Skandinavien

Blue Report, mit Hauptsitz in der Schweiz und Büro in Berlin, arbeitet ebenfalls rein digital. Dank Kooperation mit dem Rechteverwerter Pressemonitor Deutschland GmbH, PMG, kann Blue Report auf die digitalisierten Zeitungsberichte von 1.400 Verlagstiteln zurückgreifen. Als zentraler Vermarkter elektronischer Speicher- und Verbreitungsrechte ist das Kerngeschäft von PMG die Bereitstellung von Artikeln und Lizenzen im Auftrag deutscher Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. „Moderne Pressearbeit umfasst das Monitoring einer Vielzahl unterschiedlichster Medien wie Print- und Online-Publikationen, Social Media, TV- und Hörfunkinhalte sowie umfassende Medienanalysen“, erklärt PMG- Geschäftsführer Klaus Rohr. Auf Basis der digitalisierten Printmedien und entsprechender Software fertigt die PMG sehr präzise Analysen an, etwa eine „Akteursanalyse“. „Große Unternehmen haben oft nicht nur einen ‚Sprecher‘ in die Öffentlichkeit“, sagt Rohr. Auch Aufsichtsräte und hausinterne Fachleute äußern sich zu herausgehobenen Themen – ebenso wie Akteure von außerhalb: „Analysten, Gewerkschafter, Kunden oder Politiker gehören zu den gern zitierten Quellen.“ Die Akteursanalyse zeigt, wer das Image des Kunden wie prägt.
Weit über den digitalen Pressespiegel hinaus geht auch die „Issues-Analyse“, mit der sich problematische Themenwellen frühzeitig entdecken lassen sollen. „Der Bogen unserer Kunden spannt sich von der kleinen Galerie über Gewerkschaften und Verbände bis zu Bundesministerien und DAX-Konzernen“, berichtet Rohr. „Dabei geht es um Tageszeitungen und Magazine, aber auch Fachzeitschriften, von denen wir sehr viele über die PMG-Pressedatenbank anbieten können. Ein wichtiger Bereich sind aber auch die Artikel aus regionalen Tageszeitungen, die von Landesregierungen, Behörden, Verbänden und Unternehmen ,vor Ort‘ nachgefragt werden.“ Die Ana-lysen gibt es bei der PMG übrigens auch optimiert für den Einsatz auf iPhone, Blackberry oder PDA.
Das Unternehmen Meltwater, das vor zehn Jahren in Oslo gegründet wurde, hat inzwischen mehr als 2.000 Unternehmenskunden in Deutschland. Mit der Einführung von elektronischer Medienbeobachtung will Meltwater sein Einsatzfeld um die Bereiche Business Intelligence, Wettbewerbs- und Kundenbeobachtung und Trendanalyse erweitern. Meltwater Buzz ist das Social Media-Monitoring-Tool für die Analyse und Aufbereitung sozialer Medien und Meltwater News das Tool für die Online-Medienbeobachtung. „Als nächstes Geschäftsfeld sehe ich die gezielte Interaktion mit sozialen Medien, um sich in die öffentlichen Diskussionen einzuklinken und die Meinungsbildung dort mitzugestalten“, sagt Kevin Lorenz, Executive Director bei der Meltwater Group. Wenn bisher nur zugehört und beobachtet werde, komme als nächster Schritt der gezielte und koordinierte Dialog mit den Meinungsmachern in Social Media über eine Online-Steuerungsplattform.
Auffällig viele innovative Dienstleister haben ihren Ursprung in Skandinavien. Cision beispielsweise kommt aus Schweden, der Hauptsitz liegt in Stockholm. Das Unternehmen ist an der nordischen Börse notiert und erzielte 2010 mit 1.400 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,1 Milliarden SEK. Wie Meltwater kommt auch der Distributionsdienstleister Hugin – mittlerweile Teil von Thomson Reuters – aus Norwegen. Dabei haben die skandinavischen Länder einen recht übersichtlichen Medienmarkt. In Norwegen gibt es rund 82 Tageszeitungen, in Deutschland etwa 353. Dass die Skandinavier die Medienbeobachtung trotzdem stetig weiterentwickeln, erklärt Lorenz mit deren grundsätzlicher Innovationsfreude. Hier erschienen die ersten reinen Online-Publikationen. So geht auch die „Netzeitung.de“ auf die norwegische „Nettavisen.no“ zurück.
Da das Angebot von Presseaussand, Mediendatenbank und Evaluationsdienstleistungen zunehmend zusammenwächst, will auch Meltwater in den anderen Bereichen aktiv sein. Meltwater Press ist seit März verfügbar. Der Dienst verfolgt einen technisch sehr viel versierteren Ansatz einer Medienkontaktdatenbank. Anstatt bei der Ansprache von Journalisten auf manuell verwaltete Kategorien zurückzugreifen, indexiert er den Inhalt aller Online-Artikel deutscher Journalisten, der dann mit semantischer Software gewichtet wird, um ein Ranking der Journalisten für jede Suchanfrage zu erstellen. Mit der einstigen Lose-Blatt-Sammlung von Zimpel jedenfalls hat das nichts mehr zu tun.
Foto: Fraunhofer IGD
Foto: Andreas Varnhorn
 

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