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22.08.2008   News
Wahrheitsfindung: Merten und der PR-Rat
 

Es spricht einiges dafür, dass sich der Deutsche Rat für PR (DRPR) auf seiner nächsten Sitzung Ende September oder Anfang Oktober erneut mit den Thesen des Münsteraner Professors Klaus Merten befassen wird, wonach PR-Menschen – verkürzt gesagt – systembedingt lügen oder täuschen dürfen. Merten habe sich bislang nicht gegenüber dem Rat erklärt, sagte dessen Vorsitzender Richard Gaul dem PR Report auf Anfrage.

Der DRPR hatte im Wege einer Pressemitteilung vom 18. Juli dem Ausbildungsinstitut com+plus, dessen Gesellschafter Merten ist, ein „eindeutiges Bekenntnis zu den PR-Codices“ abverlangt; com+plus hatte darauf verwiesen, man sei offiziell zertifiziert, und Merten habe sich als Wissenschaftler geäußert (PR Report 08/2008).
Nicht das Institut, sondern Merten selbst müsse sich erklären, heißt es denn auch aus Kreisen des DRPR. Dem Vernehmen nach schickte der Wissenschaftler dem Rat eine Unterlassungsaufforderung, die dieser anwaltlich zurückgewiesen hat. Folgt man den Statuten des Rates, so kann dieser – falls er das Thema auf die Tagesordnung nimmt – eine Mahnung oder eine Rüge aussprechen. Oder er kann sagen, dass er sich geirrt hat. Beobachter halten eine Rüge für wahrscheinlich: PR-Leute können, ohne gegen Codices zu verstoßen, unter möglichen Aussagen wählen, die aber alle „wahr“ bleiben müssen. Beispiel: „Wir planen derzeit keinen Stellenabbau“. Ein Statement ohne „derzeit“ sei hingegen Täuschung oder gar Lüge – und damit verboten.
Das klingt, auch jenseits formeller DRPR-Verfahrensfragen, spitzfindig. Merten gebührt immerhin das Verdienst, mit seinen Thesen eine Debatte angestoßen zu haben, an der sich aber leider erst wenige beteiligen. Und von einem renommierten Kommunikationsmanager, der heute den PR-Rat führt, stammt der denkwürdige Satz: „Alles, was wir sagen, muss wahr sein. Wir müssen aber nicht alles sagen, was wahr ist.“ (sv)
 

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