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News / Privileg Praktikum
17.03.2011   News
Privileg Praktikum
 
Während es bei uns um die „Generation Praktikum“ etwas ruhiger geworden ist, wird derzeit in Großbritannien heiß über Soziale Mobilität debattiert – also darüber, wie die beruflichen Chancen junger Menschen von ihrer Herkunft abhängen. Zum Buhmann hat sich dabei Julian Vogel gemacht. Als der Chef der britischen PR-Agentur Modus Publicity für eine BBC-Reportage zum Thema interviewt wurde, packte ihn offenbar das schlechte Gewissen: Manchmal mache er sich Sorgen, ob er mit seinen bis zu 20 unbezahlten Praktikantenstellen nicht die Wohlhabenderen begünstige.
Ein Sturm der Entrüstung brach los. Der ehemalige Burson-Marsteller-Direktor Robert Minton Taylor, heute Hochschullehrer für PR an der Leeds Business School, sprach von einer Schande für die Branche und forderte einen Code of Conduct, der unbezahlte Praktika verbietet. Doch der Branchenverband CIPR wiegelte ab: Ob und wie Praktika angeboten und vergütet werden, sei Sache der Agenturen.
Unterdessen hat die Konservative Partei des Premierministers David Cameron noch einen draufgesetzt: Auf einer Partei-Gala konnten unlängst reiche Gönner Praktika für ihre Kinder ersteigern, unter anderem bei der PR-Agentur Bell Pottinger – eine Woche für 2.000 Pfund. „Wer Geld bezahlt, um den CV seiner Kinder mit ,Praxiserfahrung' aufzupolieren, handelt wie jemand, der online ein dubioses Diplom einer obskuren Hochschule kauft“, empörte sich Weber-Shandwick-Sprecher Jon McLeod.
Auch hierzulande sind bislang alle politischen Initiativen für Sozialstandards gescheitert, etwa eine Mindestbezahlung für Praktikanten. Zumindest mehr Transparenz verspricht jetzt das neue Portal Meinpraktium.de, auf dem Praktikanten ihre Erfahrungen posten und andere vor miesen Bedingungen bei einzelnen Arbeitgebern warnen können. (hds)

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