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News / Kurzfristige Presseanfragen – Wenn Schweigen ausnahmsweise Gold ist
Till Dunckel
17.03.2011   News
Kurzfristige Presseanfragen – Wenn Schweigen ausnahmsweise Gold ist
 
Anfragen von Medien mit der Bitte um ein Statement stellen sich manchmal als Vorboten negativer Berichterstattung heraus. Till Dunckel erläutert, welche rechtlichen Aspekte Kommunikationsverantwortliche bei ihrer Beantwortung beachten sollten.

Der Eindruck ist, dass in Zeiten knapper Ressourcen auf Medienseite das zu vermutende Interesse der Redaktionen an möglichst objektiver Sachverhaltsaufklärung eher eine Ausnahme darstellt. Die Regel scheint vielmehr, dass die häufig erst nach Fertig-stellung eines Artikels versendeten Presseanfragen nicht mehr als den (oftmals unzureichenden) Versuch darstellen, der Veröffentlichung zu juristischer Stabilität zu verhelfen. Schließlich setzt die Recht-fertigung eines Artikels als so genannte Verdachtsberichterstattung, die den Medien die Veröffent- lichung (noch) nicht bewiesener Mutmaßungen erlaubt, die angemessene Anhörung aller Betroffenen voraus.
In Fällen, in denen die Geschichte und ihr Tenor im Prinzip schon feststehen, setzen Redaktionen inzwischen häufig Schreiben auf, mit denen Unternehmen oder Privatpersonen über geplante Veröffentlichungen informiert und aufgefordert werden, binnen äußerst knapp bemessener Zeitspannen eine Reihe unangenehmer Fragen zu beantworten. Für die von den Kommunikationsexperten zu treffende Entscheidung, ob und wie auf eine solche Anfrage reagiert werden soll, ist es wichtig, deren Hintergrund zu kennen.
Das von den meisten betroffenen Kommunikatoren geteilte Bedürfnis, sämtliche Fragen vollständig und richtig zu beantworten, ist nur sinnvoll, wenn sich der Kern des hinter den Fragen stehenden Vorwurfs mit wenigen präzisen Sätzen entkräften lässt. Eine wirklich pointierte und unmissverständliche Antwort darf eine Redaktion im Rahmen ihrer Veröffentlichung nicht unberücksichtigt lassen.
Lässt sich ein Vorwurf aber nicht mit wenigen Worten widerlegen, ist es mitunter besser, überhaupt nicht zu reagieren. Denn weder haben Medien gegenüber Unternehmen und Privatpersonen einen Anspruch auf Auskunft, noch wäre ein Schweigen eine Art presserechtliches Schuldanerkenntnis, das Journalisten zur Veröffentlichung ihrer Vermutungen berechtigen würde. Das Schweigen verhindert im Gegenteil tendenziöse Zitate und erhält zudem die Möglichkeit, eine Veröffentlichung wenigstens über nebensächliche Unrichtigkeiten anzugreifen, die nach einer Stellungnahme rechtzeitig korrigiert worden wären.
Schließlich kann es sinnvoll sein, eine Anfrage mit einem anwaltlichen, so genannten presserechtlichen Warnschreiben zu kontern, das die Redaktion an ihre journalistische Sorgfaltspflicht und die möglichen Rechtsfolgen rechtswidriger Veröffentlichungen erinnert. Da Verlage kein Interesse an wenig aussichtsreichen juristischen Gefechten haben, können diese Drohgebärden vor allem die wenig stichhaltig recherchierten Veröffentlichungen verhindern oder zumindest entschärfen.
Wenn Betroffene das Risiko eingehen möchten, die Fragen in einem Interview zu beantworten, ist ihre rechtzeitige presserechtliche Beratung unumgänglich: Im Vorfeld einer möglichen Negativ- berichterstattung könnte sich ein Interview ohne eine geeignete Interviewvereinbarung (PR Report 12/2010), das im bloßen Vertrauen auf die seriöse Wiedergabe geführt wird, als ein kommunikatives Himmelfahrtskommando entpuppen.

Dr. Till Dunckel ist in der Hamburger Medienkanzlei Nesselhauf Rechtsanwälte (www.nesselhauf.com) tätig. Er vertritt Unternehmen und Privatpersonen im Presserecht und berät Kreative, Sportler und Vereine in vertraglichen Angelegenheiten. Daneben ist Dunckel Dozent für Presserecht an der Akademie für Publizistik. 

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