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News / Rücksicht, Vorsicht, Nachsicht
15.08.2008   News
Rücksicht, Vorsicht, Nachsicht
 

Im ZDF quält Johannes B. Kerner die siegreichen Vielseitigkeitsreiter und den TV-Zuschauer, menscheln tut’s mit der Familie von Teammitglied Ingrid Klimke, Kerner schaltet nach Münster zu Mutter Ruth und Tochter Greta.

Sportbegeisterte ahnen, dass die „ZDF Olympia Highlights“ wohl nicht allzu viel mit Sportberichterstattung zu tun haben. Die letzte Hoffnung auf Wettkampfbilder zu abendlicher MEZ-Zeit heißt Eurosport. Dort schwimmt Herr Phelps aus den USA, der sich frühmorgens chinesischer Zeit aus dem Bett quälen muss, weil der in seiner Heimat ansässige TV-Sender NBC es so will: Die Schwimmrakete soll zur amerikanischen Primetime starten. NBC wiederum ist eine Tochter des US-Mischkonzerns General Electric, einer der zwölf Olympia-Hauptsponsoren. Und mitten zwischen Phelps x-ter Goldmedaille auf der Mattscheibe und Oma Ruth im Hinterkopf dringt der Satz von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender ins Gedächtnis, „dass ohne Massenmedien ein solches Ereignis überhaupt nicht möglich wäre“ („Stuttgarter Zeitung“).
Ohne sie wäre es unmöglich, zugleich zahlen sie kräftig für die Übertragungsrechte. In dieser Position ließe sich manche Freiheit herausnehmen, möchte man meinen. Nicht aber im Sportjournalismus. Auf die Frage des „Tagesspiegel“ nach dessen Glaubwürdigkeit antwortet „Sportschau“-Mann Waldemar Hartmann: „Der Sender berichtet (...) über etwas, für das er bezahlt hat. Da ist es sehr menschlich, dass man diese Ware etwas behutsamer behandelt.“ Nur aus einem solchem Spagat zwischen Auftrag und Geschäft kann die NDR-Mitteilung folgenden Inhalts resultieren: „IOC-Präsident Jacques Rogge hat sich bei einem Rundgang durch den ARD/ZDF-Sendekomplex in Peking beeindruckt gezeigt von der modernen Studiotechnik, die die öffentlich-rechtlichen Sender im internationalen TV-Zentrum der chinesischen Hauptstadt aufgebaut haben.“ (fo)
 

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