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25.07.2008   News
Der Verbindungsmann
 

Thilo Huys packt die Koffer für Olympia: Im Deutschen Haus in Peking soll der PC-Hersteller Lenovo als Marke inszeniert werden. Von Sebastian Vesper

An seinen Sommerurlaub vor sechs Jahren erinnert sich Thilo Huys nur zu gut, denn er verbrachte ihn am Handy. Wird das Internet abgeschaltet? Diese Frage beschäftigte die Medienwelt im Juli 2002. KPNQuest Germany, Betreiber von 3.200 Glasfaserkabelkilometern, hatte Insolvenz angemeldet. Und Huys (dessen Nachname sich ausspricht wie der des ersten Bundespräsidenten) war seinerzeit Sprecher der Firma – was sich noch heute gut an seiner Google-Spur ablesen lässt.
Kommunikationstechnologie zieht sich wie ein roter Faden durch das Berufsleben des heute 45-Jährigen. Von 1997 an hatte er sich in den Anfangstagen von O2 um Corporate Branding und Sponsoring gekümmert, PR-Chef und Lehrmeister dort war Peik von Bestenbostel. Nach dem Scheitern von KPNQuest und dem überwiegenden Rest der New Economy schloss sich Huys einer Gruppe von 25 ehemaligen Kollegen an, die ebenfalls auf der Straße standen, und wurde als Berater aktiv.
Als Freiberufler half er unter anderem bei der Einführung der Navi-Marke TomTom. „Meine letzte Bezahlung bestand aus einem Fahrradhelm“, schmunzelt der begeisterte Triathlet, der bald darauf, im Juni 2004, als Marketingleiter bei Kabel Deutschland anfing. Aber auch dort wurde nach ein paar Jahren umgebaut. Es sollte nur noch Vertriebsmarketing geben, was der Vater zweier Kinder zu langweilig fand. Man trennte sich.
Seit Februar 2008 leitet Thilo Huys die PR bei Lenovo Deutschland. Wieder geht es um Kommunikationstechnologie und recht komplexe Verbindungen: Das in Europa kaum bekannte Unternehmen ist aus dem Zusammenschluss der chinesischen Lenovo mit dem PC-Bereich von IBM entstanden und bezeichnet sich als viertgrößten Computerhersteller der Welt. Lenovo ist Ausstatter des Deutschen Hauses bei den Olympischen Spielen in Peking, und dort will Huys während der Spiele die Markenbekanntheit ausbauen. Die liegt in Indien und China bereits zwischen 80 und 100 Prozent, in Frankreich und Südafrika laufen Versuche, in den Consumer-Markt vorzudringen. Deutschland könnte folgen. Das ist noch nicht entschieden.
Huys träumt von einer „globalen Marke, ähnlich wie Sony“. „New world, new thinking“, heißt der interne Leitsatz bei Lenovo, und Huys, zuständig für Deutschland und Österreich, erlebt jeden Tag, was das heißt: in der Mitte der Zeitzonen, zwischen den vorpreschenden Amerikanern, den ebenso abwägenden wie diskussionsfreudigen Chinesen und den kompromissorientierten Europäern. Ohne echtes Headquarter, aber mit PR-Berichtslinie nach Frankreich. Politik sei „kein Talent von mir“, gibt Huys zu. „Manches habe ich mir bei Peik von Bestenbostel abgeguckt.“
Beruflich sei er „dort angekommen, wo ich seit der zehnten Klasse hin wollte“, lächelt der gebürtige Berliner. Heinrich Böll war zu Schulzeiten sein großes Vorbild, das unter anderem den Respekt vor journalistischer Arbeit begründete. Zunächst wollte Huys Bildjournalist werden. Heute sieht er sich als einen, der „Geschichten verkauft“. Mit Unternehmensmarken sei es schließlich nicht anders als mit Filmstars und Politikern: „Sie sind die Summe ihrer Geschichten.“

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