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News / Durchdachte Komposition
17.03.2011   News
Durchdachte Komposition
 
Pressereisen sind meist eine Gratwanderung für den Veranstalter wie auch für die Teilnehmer. Doch sorgfältige Planung minimiert das Risiko, dass der Aufwand den Ertrag übersteigt. Von Klaus Küpper

Wäre Matthias Claudius nicht ein deutscher Dichter des ausgehenden 18. Jahrhunderts, sondern ein PR-Berater der Gegenwart gewesen, hätte er vermutlich geschrieben „wenn einer eine Reise tut, so soll er was erzählen“. Oder vielleicht ganz bewusst doch nicht? Eine ehrliche Antwort ist kein pauschales „Ja“ oder „Nein“. Pressereisen gibt es in unterschiedlichster Planung, Umsetzung und Zielsetzung. Von Gruppenreisen, Exklusivreisen bis zu VIP-Presse-Arrangements für die Meinungsführer bestimmter Klientelgruppen. Eine inhaltlich und organisatorisch dezidierte Planung ist ihre unbedingte Voraussetzung.
Die Ausgangsfrage lautet: „Warum und mit welchem Ziel möchten wir eine Pressereise umsetzen?“ Bereits bei dieser vermeintlich einfachen Frage zeigt die Praxis, dass Kunden diverser Bereiche aus Industrie, Handel und Verbänden viele Antworten geben. Natürlich möchten sich Branchen und Institutionen durchweg positiv gegenüber Journalisten darstellen und hoffen – manche wünschen, andere fordern gar – im Nachgang auf eine aufmerksamkeitsstarke, positive Veröffentlichung der Inhalte in Print, TV, Radio, Online und Web-Communitys. Aber: Welcher Pressesprecher oder Agenturberater kann dies zu 100 Prozent garantieren? Ach ja, und der „Return on Investment“ sollte natürlich auch aus Marketingsicht stimmen. Die Agenturen buhlen um die Gunst der Kunden und brüsten sich mit Professionalität und dem „best friend“-Kontakt zu den Medien. Hört sich gut an, aber…?
Wer verantwortungsvoll und weitsichtig eine Pressereise plant, sollte sich von dem Gedanken der Hofberichterstattung verabschieden. Eine Pressereise muss beziehungsweise sollte aus Sicht des teilnehmenden Journalisten wirklich spannend und daraus abgleitet berichtswürdig sein. Das heißt, die Themen und Inhalte müssen in erster Linie die Teilnehmer und nicht den Ausrichter ansprechen. Dies hört sich banal an, doch oft gibt es darüber Kontroversen. Sind die Inhalte dann sorgsam bestimmt, müssen der mediale Fokus, das Programm und der Ablauf geplant, die agierenden Personen ausgewählt, gebrieft und in Einklang gebracht werden.
Wie viele Medienvertreter möchte ich einladen? Sind es überhaupt Medienvertreter im klassischen Sinne oder beispielsweise Blogger, die als Multiplikatoren meine Zielgruppe ansprechen? Quantität und Qualität sind wichtige Parameter. Welches Zeitfenster brauche ich und was ist realistisch und zumutbar? Fast abgedroschen, aber wahr: Journalisten haben meist nicht viel Zeit. Abgesehen von Presse-reisen etwa im Bereich der Touristikbranche ist eine knappe Zwei-Tage-Disposition ein guter Zeitrahmen für beide Seiten. Der Journalist reist morgens an, erfährt ein informatives Tagesprogramm, abgerundet mit einer persönlichen Abendgestaltung. Am nächsten Morgen setzt ein weiterer Programmpunkt einen zusätzlichen Informationsakzent. Gegen Mittag startet die Rückreise. So kann der Veranstalter ausführlich informieren und ein persönliches Verhältnis zum Journalisten aufbauen, der Journalist seinerseits erhält eine Vielzahl an Informationsfacetten durch abwechslungsreiche Programmpunkte und – sehr wichtig – persönliche, auch kritische Gespräche. Manchmal bieten Donnerstag und Freitag dazu eine gute logistische Option. Der Wochenanfang dagegen ist eher zu vermeiden.
„Wenn jemand eine Reise tut, kann er was erzählen“ sollte mehr denn je Maßstab für die gesamte Konzeption einer Pressereise sein. Damit ist allen Beteiligten – Ausrichtern und Journalisten gleichermaßen – die (Be-)Achtung und der kommunikative Freiraum für ihre Arbeit gegeben.

Klaus Küpper ist PR-Berater und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Jeschenko MedienAgentur Köln/Berlin. Er betreut Unternehmen, Verbände und Institutionen.

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