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News / Das Projekt „zentrum gegen vertreibung“
17.03.2011   News
Das Projekt „zentrum gegen vertreibung“
 
Das „Zentrum gegen Vertreibung“ ist ein 1999 vorgestelltes Projekt des Bundes der Vertriebenen (BdV) zur Dokumentation der Vertreibungen des 20. Jahrhunderts. Ziel des Projekts ist, der Völkerverständigung, der Versöhnung und der friedlichen Nachbarschaft der Völker zu dienen und Völkervertreibungen und Genozid weltweit als Mittel von Politik zu ächten. Eine gleichnamige gemeinnützige Stiftung (www.z-g-v.de) unter dem Vorsitz von BdV-Präsidentin Erika Steinbach (Foto) unterstützt das Projekt. Doch das Vorhaben und der vom BdV gewählte Standort stoßen in Deutschland sowie vor allem in Polen und Tschechien auf Vorbehalte. Kritiker werfen dem Verband vor, eine solche Institution in Berlin würde als revisionistisch intendiert missverstanden werden, mit dem eigentlichen Ziel der neuerlichen Vertreibung der heute in den früheren deutschen Gebieten lebenden Polen und Tschechen. Kritisiert wird auch, dass sich der Bund der Vertriebenen damit das Gedenkinteresse anderer vertriebener Völker oder Volksgruppen aneigne. Der Zweck sei, so wird dem BdV unterstellt, den Krieg der Wehrmacht als Hauptursache für die Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa weitgehend auszuklammern. Demgegenüber argumentieren Befürworter, das „Zentrum gegen Vertreibungen“ beziehe Vertriebene aus allen europäischen Völkern ein. Dass die Vertreibungen des 20. Jahrhunderts nur zum Teil aus Rache oder Vergeltung erfolgten, meist aber auf Grundlage der ethnischen Zugehörigkeit, sei noch nicht angemessen aufgearbeitet.
Die Bundesregierung plant parallel zum BdV-Projekt die Gründung einer Berliner Institution (Arbeitstitel: „Sichtbares Zeichen“), die an die Vertreibung der Millionen Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa erinnern soll. Unter der Trägerschaft des Deutschen Historischen Museums wurde hierfür 2008 die unselbstständige „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ errichtet. Doch auch dieses Vorhaben wird kritisiert. Es stelle die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht angemessen dar. Beigelegt werden konnte hingegen der Konflikt um die Besetzung des staatlichen Stiftungsbeirats. Der BdV hatte zunächst Steinbach hierfür vorgeschlagen, die Nominierung aber ab März 2009 ruhen lassen. Im Frühjahr 2010 verzichtete Steinbach auf einen Sitz im Beirat, nachdem die Bundesregierung ihren Einfluss auf die Besetzung des Gremiums aufgegeben und dem BdV sechs statt der bis dahin geplanten drei Sitze zugesprochen hatte.
Foto: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde

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