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News / Ein Worst Case?
17.03.2011   News
Ein Worst Case?
 
Die Marketingstrategie der Deutschen Bahn ist aufgegangen, die Facebook- „Chefticket“-Kampagnen ein Erfolg. Nach anfänglicher Häme erfährt die Aktion sogar aus der PR-Zunft zögerlich Zustimmung.

Die Deutsche Bahn und das Wort „innovativ“ passen für manche Menschen nicht zusammen. In den Augen von DB-Marketingchef Ulrich Klenke sei man jedoch genau das: innovativ, wenn auch nicht revolutionär. Jedenfalls hat die Bahn etwas gewagt. Sie hat Facebook kurzerhand zum Vertriebskanal für ihr „Chefticket“ umfunktioniert – und bewiesen, dass man damit Erfolg haben kann. Allen Unkenrufen von Journalisten, Bloggern, PRlern, Bahnkunden und -kritikern zum Trotz. 140.000 verkaufte Tickets à 25 Euro, 53.000 Fans und etwa 4.000 Kommentare auf der Facebook-Fanpage sowie rund 60 Blogbeiträge – alles innerhalb von drei Wochen – sprechen für sich. Das Marketingziel ist erreicht.
Nun könnte man argumentieren, dass die Anzahl der Fans nichts über den ideellen Erfolg einer Kampagne aussagt. Auch Kritiker müssen auf Facebook zu Bahn-Fans werden, um auf der Pinnwand kommentieren zu können. Also gräbt die Evaluationsmaschinerie von Bahn und verantwortlicher Agentur (Ogilvy & Mather Deutschland) tiefer: Von den 4.000 Pinnwandeinträgen sollen 50 Prozent neutral, 30 positiv und 20 negativ gewesen sein. Bei den Blogbeiträgen halten sich negative (vor allem zu Beginn) und positive Aussagen (zum Ende der Aktion) die Waage. Dem Vorwurf, die Moderatoren der Seite (drei von der Agentur, zehn bei der Bahn) haben nicht Facebook-adäquat auf Kritik reagiert, begegnet Ogilvy PR-Sprecher Thorben Meier: „Dialog ist nicht die einzige Doktrin von Social Media. Ebenso wichtig sind relevante Inhalte und eine stringente Kommunikation.“ Das Ergebnis zählt: Die Menschen wollen die Tickets haben. Das räumt auch PR-Fachmann Carsten Rossi auf seinem Brückenbauer-Blog ein. Und der Journalist Olaf Kolbrück findet sieben – zugegeben – ironische Gründe, warum die Aktion „knorke“ ist. 2011 will die Bahn übrigens mit einer Facebook-Dialog-Seite nachlegen. (bb)

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