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News / EU-Kommunikation plant „Revolution“ des Dialogs
Dominik Meier
15.03.2011   News
EU-Kommunikation plant „Revolution“ des Dialogs
 
Um den blutrünstigen Minotaurus zu töten, ein Mischwesen aus Mensch und Stier, musste sich der athenische Königssohn Theseus in ein sagenumwobenes Labyrinth auf Kreta begeben. Damit ihr Geliebter nach erfolgreicher Tat den Weg aus dem verwinkelten Labyrinth wieder hinausfand, gab ihm Ariadne ein rotes Knäuel selbst gesponnener Wolle. Dieses rollte Theseus beim Betreten des Labyrinths ab: So konnte er auf dem Rückweg einfach dem roten Faden folgen, der dem Helden sicher den Weg hinaus wies.
Doch es ist so eine Sache mit dem roten Faden. Dass die Kommunikation ein Labyrinth ist, weiß die EU-Kommission sehr genau. Zuerst hat Margot Wallström den roten Faden der EU-Kommunikation gesucht und – obwohl es ihre einzige Aufgabe war – nicht gefunden. Ihre Nachfolgerin Viviane Reding hat als Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft eigentlich eher die Freiheit der Bürger als die Kommunikation im Blick. Aber da es nun mal von Amts wegen Aufgabe der Luxemburgerin ist, Europa kommunikativ mehr Glaubwürdigkeit zu verschaffen, plant sie eine „Re- volution“ des Dialogs. Sie will endlich den roten Faden im Labyrinth der EU-Kommunikation finden, der Europa greifbarer macht. Doch die Grundvoraussetzungen dafür haben sich seit ihrer Vorgängerin nicht verbessert: Präsident José Manuel Barroso zeigt sich farblos wie eh und je; im Dickicht der Informationen ist Barroso offensichtlich nicht Träger des Ariadne-Fadens. Dass sich jetzt die Kommunikation der EU-Kommission vermehrt auf ihn, den Präsidenten, ausrichten soll, ist nicht zielführend.

„Der rote Faden der Ariadne heißt also: Personalisierte Kommunikation. Weg von der Dezentralisierung hin zur Zentralisierung.“



Das Vertrauen der Bürger in die EU-Politik ist gering – Brüssel steht nach wie vor für Bürokratie, realitätsferne Entscheidungen und Geldverschwendung. Gegen diese Wahrnehmung versucht die Kommission tapfer Europa Inhalt und Gesicht zu geben. Doch die Kommissare und den Präsidenten im fernen Brüssel kennen die wenigsten Bürger. Die politischen Inhalte kommen nur selten bei den Menschen in ihrem Alltag an.
Aber genau darin liegt nun die Revolution von Frau Reding. Direkte Kommunikation der EU-Elite mit den Bürgern. Barroso twittert los und seine Kommissare bloggen sich durch die Gesetzgebung der Union. Man hat schon die Facebook-Fangruppen vor Augen.
Der rote Faden der Ariadne heißt also: Personalisierte Kommunikation. Weg von der Dezentralisierung der Kommunikation hin zur Zentralisierung. Top down ist wieder angesagt. Ob diese „Revolution von oben“ Erfolg hat, darf bezweifelt werden. Barroso sollte gewarnt sein. Schon im alten Griechenland, der Wiege der Demokratie, wurden die Überbringer schlechter Nachrichten hart bestraft oder sogar getötet. Vielleicht sollte sich Barroso noch einmal überlegen, ob er wirklich im Mittelpunkt der EU-Kommunikation stehen will oder doch lieber die Aufgabe auf breitere Schultern verteilt. Einen Theseus gibt es eben nur einmal.

Dominik Meier ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung (de'ge'pol). Kontakt: dmeier@miller-meier.de

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