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15.03.2011   News
Nachgefragt
 
Seit 2003 zeichnet der PR Report jährlich den Kommunikationsnachwuchs mit dem Award „Student des Jahres“ aus. Was machen die Sieger von damals heute? Und welche Tipps geben sie den Berufseinsteigern von morgen? Von Petra Nickisch
„Der PR Report Award hat meinem Studium eine Krone aufgesetzt“, blickt die Studentin des Jahres 2010, Juliane Mühling, in den April zurück, als sie als achte Preisträgerin seit 2003 mit dem Award ausgezeichnet wurde – eine willkommene Anerkennung und große Motivation für alle Gewinner, die nicht selten mit attraktiven Jobangeboten einherging.
Für Stephan Volmer, den ersten Award-Gewinner, hat sich sofort nach der Auszeichnung im Frühjahr 2003 eine neue Tür geöffnet. Schon auf der Preisverleihung führte er erste Gespräche und erhielt den Tipp, eine Bewerbungsmail an Joachim Klewes zu schicken. Das tat der damals 27-Jährige und saß eine Woche später im Vorstellungsgespräch in Düsseldorf, mit dem Ergebnis: Einstieg als Junior-Berater bei der komm.passion group güttler+klewes. Volmer beendete seine Tätigkeit bei der Fachagentur für Luft- und Raumfahrt Großbongardt Kommunikation GmbH in Hamburg, bei der er nach seinem Umweltwissenschaften- und BWL-Studium ein PR-Volontariat absolviert hatte und als Junior-Berater arbeitete, und ging für zwei Jahre nach Nordrhein-Westfalen, wo ihn „extrem anspruchsvolle Aufgaben bei einer Full-Service-Agentur“ erwarteten und er große Accounts wie die Deutsche Post und Japan Tobacco International betreute. 2006 wechselte er an den Münchner Agentur-Standort, 2007 als Referent Issue Management in die Konzernzentrale der Siemens AG, ebenfalls München. „Ein erfüllender Job“ beschreibt Volmer seine Stelle. „Wir entwickeln die zentralen Themen des Konzerns und initiieren globale Kommunikationsprojekte.“ Volmer kann sich gut vorstellen, seine Karriere bei Siemens fortzusetzen. Hauptsache sei, er könne lernen und sich ständig weiterentwickeln. Ein Ausruhen auf frühen Erfolgen und Auszeichnungen kommt für den engagierten Kommunikationsprofi nicht in Frage.
Ebenso stark motiviert ist Gabriele Mittag. Die heutige Leiterin der Kommunikation an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde hat den Award „PR-Newcomer des Jahres“ 2004 für ihren ersten Ausflug in die PR-Branche erhalten. Zuvor war sie hauptsächlich journalistisch und wissenschaftlich tätig gewesen. Mit ihrer Pressearbeit für das Labyrinth Kindermuseum in Berlin überzeugte sie vor sechs Jahren die Jury und hat selbst „Blut geleckt“. Mittag wollte noch mehr Verantwortung übernehmen und wechselte nur wenige Monate später als Pressesprecherin zum Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Mittlerweile war ihr klar, dass sie in der Kommunikation am besten aufgehoben ist und mit Öffentlichkeitsarbeit tatsächlich etwas bewegen kann. Eine Anstellung als Chefin vom Dienst beim Mitgliedermagazin des BUND folgte. „Ich möchte Themen, die ich gesellschaftspolitisch für wichtig halte, kommunizieren – dazu zählt auch das Thema Bildung“, sagt die studierte Germanistin und Theaterwissenschaftlerin, die Flexibilität für unverzichtbar hält und nach vielen beruflichen Stationen nun in der Hochschulkommunikation angekommen ist.
Auch Sabine Arnold war 2005 noch eine „PR-Newcomerin des Jahres“, die zur Zeit der Preisverleihung ihren ersten Job als PR-Beraterin bei Molthan van Loon in Hamburg bestritt. Dem Start als Generalistin folgte – nach einer zehnmonatigen Projekttätigkeit für den Deutschen Entwicklungsdienst in Lesotho – die Spezialisierung auf das Gebiet Kommunikations-Controlling beim Unternehmensberater Lautenbach Sass in Frankfurt. Bis Arnold entdeckte, dass sie das breite Spektrum der Kommunikation vermisste, und 2009 ihre aktuelle Stelle als PR-Referentin im Bereich Entwicklungsfinanzierung bei der Finance in Motion GmbH antrat, um „die Welt ein bisschen gerechter zu machen“. Ihre Wurzeln seien wenig ausgeprägt, sagt sie im Hinblick auf ihre längeren Aufenthalte im südlichen Afrika, in den USA und im Irak. Sie sei sicher, dass es noch andere Orte und andere Länder im Laufe ihrer Karriere geben werde, aber momentan sei sie in Frankfurt sehr zufrieden. Ein weiteres Ziel? „PR-Professional des Jahres“, sagt sie spontan und lacht.
Daniela Weber hat seit ihrer Auszeichnung im Jahr 2006 den klassischen Weg vom Trainee über den Junior Associate und den Associate zum Associate Director beschritten. Alles in einer Firma, alles bei Hering Schuppener. Für sie hat der Award „nichts Grundlegendes an der Karriere verändert“. Sie werde zwar bis heute immer wieder auf die Auszeichnung angesprochen, aber das beeinflusse nicht ihre Entwicklung bei der auf strategische Kommunikationslösungen spezialisierten Unternehmensberatung Hering Schuppener. Die Diplom-Betriebswirtin (Fachrichtung Marketing mit Schwerpunkt PR) hatte sich das Unternehmen ganz gezielt nach dem Studium als möglichen Arbeitgeber ausgesucht und ist mit ihrer Wahl sehr zufrieden. Sie bekomme schnell Kontakt zu großen Unternehmen, war zum Beispiel Mitglied im Team, das die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank kommunikativ begleitet hat, und ihre „Lernkurve geht bis zum heutigen Tag steil nach oben“. Eigenverantwortung schreibt ihr Arbeitgeber sehr groß, „das motiviert“. Weber könnte sich vorstellen, einen eigenen Betriebsbereich aufzubauen. Ein Thema, das sie fasziniert, ist die interne Kommunikation, die ihrer Meinung nach in vielen Firmen noch recht stiefmütterlich behandelt wird.
Sarah Meis hingegen lässt sich vom Thema „Unternehmenskommunikation von Familienunternehmen“ begeistern. Die „Studentin des Jahres 2007“ hat vor einem Jahr nebenberuflich ihre Promotion auf diesem Gebiet begonnen. „Ich bin davon überzeugt, dass hier nach wie vor viel Potenzial verschenkt wird“, sagt Meis, die seit knapp vier Jahren in München bei der CNC – Communications & Network Consulting AG arbeitet und dort ihren Schwerpunkt auf Krisen- und Marketingkommunikation gelegt hat. Ihre Dissertation mit dem Beratungsalltag bei der CNC AG zu vereinbaren ist nicht immer leicht. Darum hat sich die 28-Jährige bewusst ein praxisnahes Thema gewählt, dessen hohe Relevanz ihr bei der Betreuung von mittelständischen Kunden immer wieder aufs Neue bewusst wird – und das auch zukunftsweisend für ihre Karriere sein könnte: Eine Position in der Unternehmenskommunikation eines internationalen Familienunternehmens ist langfristig für sie eine interessante Perspektive. Der Award von 2007 bedeutete für Sarah Meis neben Anerkennung und Motivation „nicht zuletzt auch einen guten Proof-Point für die Eigen-PR“.
Auch für Daniel Krolzik war die Auszeichnung im Jahr 2008 eine Bestätigung für seine Leistungen im Studium, und am Abend der Preisverleihung genoss er das „Oscar-Feeling“ auf der Bühne sehr. Durch seine Tätigkeit als Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des LPRS – Leipziger Public Relations Studenten e. V. – hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits viele Kontakte in die Branche. Krolzik erhielt einige Angebote, entschied sich aber letztlich doch, seiner Verlagsvertretung, mit der er sich zwei Jahre vor Studienbeginn selbstständig gemacht hatte, treu zu bleiben. „Beim Wechsel in die PR hätte ich von vorn angefangen.“ Sieben Jahre Berufserfahrung als Verlagsrepräsentant, das wollte er nicht einfach aufgeben, vermarktete er doch erfolgreich verschiedene Fachzeitschriften im Anzeigengeschäft, war – und ist – „eine Mischung aus Verkäufer und Außenminister der vertretenen Titel“. Für diesen Job sei ein PR-Studium nicht unbedingt nötig gewesen, findet der Verlagskaufmann. Für seine persönliche Entwicklung aber auf jeden Fall.
Julia Straub wurde nach der Preisverleihung im vergangenen Jahr mit einem Blumenstrauß im Büro empfangen, ihre Kollegen bei der Boston Consulting Group (BCG) in München freuten sich mit ihr. Im September 2008 war die Diplom-Kommunikationswissenschaftlerin bei dem internationalen Strategieberater als Press Relations Assistant eingestiegen. Mittlerweile ist sie Marketing Coordinator und hat einen Job, der sie auch inhaltlich anspricht. Wirtschaftsnahe, aber auch Bildungs- und Sozialthemen interessieren die 28-Jährige. Unter anderem bei Non-Profit-Projekten wie „business@school“ und „Joblinge“, die junge Menschen auf ihrem Weg in die Arbeitswelt unterstützen und die von der BCG als Teil ihres gesellschaftlichen Engagements ins Leben gerufen worden sind, kann sich Straub voll einbringen. Sie schätzt es, Projekte eigenverantwortlich von Anfang bis Ende zu übernehmen und nicht nur einzelne Bausteine im Blick zu haben. „Das ist spannender und effektiver!“
Wie schon Sabine Arnold und Daniel Krolzik vor ihr, hat auch Juliane Mühling in Leipzig studiert. Für sie liegt die Preisverleihung „Studentin des Jahres 2010“ erst einige Monate zurück. Ihre Studienzeit hat die 25-Jährige sehr zielgerichtet mit zwei Auslandssemestern in Brüssel und vielen Praktika in den unterschiedlichsten Bereichen wie Politik (Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel), Kultur (Goethe-Institut) und Event (Leipziger Messe) angereichert, so ihr Spektrum erweitert und extreme Flexibilität bewiesen. „Die Mixtur hilft mir jetzt immer noch, um Sachverhalte besser einschätzen zu können“, sagt Mühling, deren Diplomandenzeit bei der Daimler AG 2009 in ihre erste Stelle als Pressesprecherin für Europa und Nordamerika bei der car2go GmbH mündete. Wenn es der Job erlaubt, würde sie gern einmal als Gastdozentin zurück an die Uni gehen. Nur zu, die zukünftigen „Studenten des Jahres 2011“ warten schon.
 

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