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News / Böse Kaffeetrinker
14.03.2011   News
Böse Kaffeetrinker
 
Dieser Perspektivwechsel dürfte Michael Kausch leicht gefallen sein. Zugleich hat der Inhaber der Münchner Agentur vibrio ein kleines, aber feines Exempel statuiert. Worum geht’s? Zunächst einmal um die Nöte eines wegen eines de-fekten Kaffeevollautomaten ausgedörrten Agentur-Teams. Dann um die Serviceignoranz der Hersteller- und Wartungsfirma. Und nicht zuletzt um die Wirkungsmechanismen sozialer Medien.
Kausch hatte die Nase voll – nicht nur vom Automaten-Gezicke, sondern auch von der Drohung des Kaffemaschinen-Vertreibers, einen Anwalt einzuschalten, sollte vibrio den bestehenden Leasingvertrag nicht erfüllen – und beschloss: Nun bin ich nicht länger Agenturinhaber, sondern zuvorderst Kunde. Und was tun Kunden heutzutage, wenn der Service zu wünschen übrig lässt? Sie machen ihrem Ärger Luft – in Foren, auf Blogs, kurz: in der sozialisierten, digitalen Welt. Innerhalb von vier Wochen avancierten Kausch und seine Agentur nach eigenen Angaben auf Platz Eins der unabhängigen Links bei Google. Und alles nur wegen eines geschickt mit Bewertungsportalen verlinkten Kummer-Posts auf dem eigenen Agenturblog „DampfLog“. Als schließlich der Leiter des technischen Services bei Kausch darum bat, mit den negativen Kommentaren über seine Firma im Netz aufzuhören, hatte vibrio damit nichts mehr zu tun. Andere Kunden hatten das Lied, das Kausch angestimmt hatte, längst zu einem Kanon der Unzufriedenheit umgeschrieben. Kausch ist mit dem Ergebnis seines Selbstversuchs zufrieden, der Leasingvertrag aufgelöst. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass nicht nur die Großen wie Nestlé und BP den Zorn der Konsumenten fürchten sollten. Und Kausch kann diese Case Studie nutzen, ohne Rücksicht auf einen Auftraggeber nehmen zu müssen.
Der Kunde bleibt also König, doch Kaiser ist, wer über das Rüstzeug einer Agentur verfügt.(bb)

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