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Die technische Seite der Medienbetreuung beider Weltmeisterschaft gehört zu seinem Aufgabenfeld: Jens-Peter Hecht
14.03.2011   News
WM-Know-how für PR-Drittligisten
 
In wenigen Wochen beginnt die Fußball-WM in Südafrika. Wie fast schon üblich bei Großereignissen dieser Art gibt es vorab viele negative Schlagzeilen, vom schleppenden Kartenvorverkauf bis hin zum Thema Verbrechensrate. Die Südafrikaner haben sich „not amused“ gezeigt, berichtet Jens-Peter Hecht.

Herr Hecht, hat Ihr Team in den Stadien rechtzeitig alle Logos entfernt, die nicht von offiziellen WM-Sponsoren stammen?
Derartige Probleme haben wir bisher nicht gehabt. Allerdings sind die Kollegen aus dem Bereich Marketing fleißig dabei, gemeinsam mit einer Signage-Firma alle möglichen Werbebanner zu überkleben. In Kapstadt muss sogar eine Sondermöglichkeit für einen McDonald’s- Shop gefunden werden, weil dieser im inneren Bereich der Stadion-Umgebung liegt. Und das, obwohl McDonald’s internationaler Sponsor der FIFA ist. Und wie Sie sich vorstellen können, gibt es in den südafrikanischen Stadien, in denen vielfach auch Rugby mit Werbung auf dem Rasen gespielt wird, ziemlich viel Werbung.
Welche Konflikte tragen das lokale WM-Organisationskomitee und die FIFA unter dem Gesichtspunkt Kommunikation aus? Welche Rolle spielen Sie dabei?
Zunächst einmal bemüht man sich, als Team aufzutreten. Allerdings gelingt dies nicht immer, weil die Anforderungen der FIFA zuweilen über das normale Maß hinausgehen. So gibt es eine Mindestgröße für Pressezentren, über deren Sinn man heftig streiten kann. Zumal es nicht überall möglich ist, diese Größe als Zelt aufzubauen, weil der Raum fehlt. Doppelstockzelte allerdings sind um ein Vielfaches teurer, weshalb das OK diesen ungern und nicht überall zugestimmt hat.
Wenn Sie einen Vergleich ziehen: Wo sehen Sie Ihre Hauptaufgaben, welche Unterschiede in Ihrer Arbeit machen Sie gegenüber der WM vor vier Jahren aus?
Damals war ich für einen Standort, nämlich Hannover, verantwortlich. Diesmal fallen alle Stadien und alle Medieneinrichtungen in meinen Verantwortungsbereich. Dazu gehört auch die Auswahl und Ausbildung der so genannten Venue Media Officer. Hier war es schwierig, die passenden Personen zu finden, weil den Pressesprechern der südafrikanischen Profi-Vereine die notwendige Erfahrung fehlt. Veranstaltungen wie die Weltmeisterschaft liegen weit außerhalb ihres Vorstellungsvermögens. Spiele der Premier Soccer League sind gerade im Bereich der Medienarbeit eher mit Drittliga-Fußball in Deutschland zu vergleichen. Nachdem wir die ersten Workshops und Trainings hinter uns haben, sieht es allerdings schon viel besser aus.

Vor Großereignissen greifen die Medien gern Problemthemen auf. Welche Unterschiede in der Vorfeld-Berichterstattung – national beziehungsweise international – erkennen Sie gegenüber 2006?
Es ist über die Sicherheit im Lande geschrieben worden. Kritik, und zwar völlig unsinnige, kam vor allem aus Deutschland. Wenn jemand davon spricht, dass die deutschen Spieler beim Verlassen des Hotels kugelsichere Westen tragen sollten, dann dürfte er sich eigentlich nicht ruhigen Gewissens als „Sicherheitsexperte“ bezeichnen. Auch als nach dem Überfall auf die Mannschaft Togos beim Afrika Cup über die Sicherheit in Südafrika vor allem vom Vorstand der Deutschen Fußball Liga diskutiert wurde, mussten wir Deutschen im Lande uns einiges anhören. Und das mit Recht. Denn wer einen politisch motivierten Überfall in einem unsicheren Land wie Angola – mehrere tausend Kilometer von Südafrika entfernt – mit dem WM-Gastgeber in Verbindung bringt, der qualifiziert sich damit nicht gerade als Afrika-Kenner. Zu Beginn wurde immer wieder geargwöhnt, dass die Stadien nicht fertig würden. Die Realität sieht glück- licherweise ganz anders aus. Alle Stadien sind fertig und zum Teil architektonische Meisterwerke. Dabei wird das eigentliche Problem der Transport von Zuschauern im Lande sein. Es gibt keine vergleichbare Verkehrs-Infrastruktur wie in Deutschland, und außerdem ist das Land Südafrika sehr groß. Die Entfernungen zwischen Polokwane, dem nördlichsten Spielort, und Kapstadt im Süden entspricht in etwa Hamburg–Barcelona.
Wie gehen die Südafrikaner mit dem Thema um? Und was unternimmt die FIFA-Kommunikation?
Für die Südafrikaner spielt der Transport nicht die große Rolle. Sie werden sich eher Spiele in ihrer Umgebung ansehen. Und die können sie leicht erreichen. Die FIFA-Kommunikation hat dieses Thema nicht wirklich auf dem Zettel, weil man dort dafür auch keine wirkliche Lösung anbieten kann. Viele ausländische Reiseanbieter haben für ihre Kunden Charterflugzeuge gemietet und umgehen so das Problem.
Ihr Vertrag läuft noch bis Ende September. Welcher Job wartet als nächster auf Sie?
Ich werde schon Ende Juli wieder zurückkehren, weil ich ehrlich gestanden nicht gewusst hätte, was ich in den beiden Monaten hätte machen sollen. Mein Job wird Ende Juli erledigt sein. Danach gibt es erst einmal längeren Urlaub, viel Zeit für die Familie und dann wartet im kommenden Jahr die Frauen-WM auf mich. Außerdem will ich wieder mehr schreiben, meine Kenntnisse in der Medienakademie an junge Leute weitergeben und mehr Zeit für meine Hobbys haben. Meine Enkeltochter freut sich schon.
 

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