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News / Revolutionäre Aura und permanenter Wahlkampf
Laszlo Trankovits, Die Obama-Methode, Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt, ISBN: 978-3-89981-2183,224 Seiten, 24,90 €
14.03.2011   News
Revolutionäre Aura und permanenter Wahlkampf
 
Barack Obama war der globale Medienliebling des Jahres 2008. Laszlo Trankovits, dpa-Büroleiter in Washington, bezeichnet den heutigen US-Präsidenten in seinem neuen Buch Die Obama- Methode als den „erfolgreichsten Kommunikator der Gegenwart“. Er sei kein Revolutionär – „aber er hat die glamouröse Aura des Revolutionärs“. Was Trankovits damit meint, wird nicht ganz deutlich, zumal der Autor bei seiner Begeisterung für das Web 2.0 wiederholt mahnt, Vorsicht zu üben bei Aussagen, die eine „revolutionär andere Ära“ beschwören (so auf Seite 209). Im Kapitel „Marktgesetze auch in der Politik“ ist zu lesen: Obamas „permanenter Wahlkampf“ sei ein kluges Eingehen auf die neuen Bedürfnisse des politischen Marktes. Wer sich an Leo Trotzkis „permanente Revolution“ erinnert, mag hier eine Erklärung für die glamouröse Aura des US-Präsidenten finden.
Trankovits verficht die These, dass das Netz die Welt „fast wie die industrielle Revolution vor über zweihundert Jahren“ verändere. Dass die Digitalisierung die Gesellschaft seit mindestens 30 Jahren in zunehmendem Tempo umwälzt, steht außer Frage. Die Folgen aber bleiben bei Trankovits nebulös. Was will er etwa damit sagen, dass „die Märkte intelligenter“ werden? Dass die Beziehungen zwischen Produzent und Konsument und analog zwischen Politik und Bürgern keine Einbahnstraße mehr sind, mag ja richtig sein. Und dass der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht, ist ebenfalls nicht neu und, genau betrachtet, ein Ergebnis weniger des Internets, sondern vielmehr der Digitalisierung allgemein. Der kreative Schluss, dass dies zu mehr Verantwortung bei den wenigen verbliebenen Beschäftigten führe, ist allerdings ein schöner Zynismus, für den Tran-kovits Dank gebührt. (fb)

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