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News / Bekannte deutsche Gefängnisse
14.03.2011   News
Bekannte deutsche Gefängnisse
 
Justizvollzugsanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel („Santa Fu“)
Erbaut 1875-1906. Heute: Strafvollzug und Sicherungsverwahrung für Männer. Entgegen ihres Namens liegt die Strafanstalt nach mehreren Grenzverschiebungen heute nicht mehr im Hamburger Ortsteil Fuhlsbüttel, sondern im Ortsteil Ohlsdorf.
In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich auf dem Gelände des Gefängnisses auch das Konzentrationslager Fuhlsbüttel („Kolafu“). Aus dem Behördenkürzel „St. Fu“ für Strafanstalt Fuhlsbüttel soll sich der heute umgangssprachlich übliche Name „Santa Fu“ entwickelt haben. Als es in den siebziger Jahren wiederholt zu Ausbrüchen kam, wurde in der Hamburger Presse der Satz „Santa Fu und raus bist Du!“ geprägt. Eine handfeste Gefangenenrevolte leistete in dieser Zeit das Ihre zum Mythos „Santa Fu“.

Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit
Erbaut 1877-81. Heute: Untersuchungshaftanstalt für Männer. Der namensgebende Ortsteil Moabit gehört heute zum Berliner Bezirk Mitte (bis 2000 zum Bezirk Tiergarten).
Es besteht eine direkte Verbindung zum benachbarten Kriminalgericht Moabit, die es ermöglicht, Untersuchungshäftlinge von der Öffentlichkeit unbemerkt in den Gerichtssaal zu führen. In den neunziger Jahren waren Erich Mielke und Erich Honecker in Moabit inhaftiert, ihre Prozesse fanden vor dem Kriminalgericht statt.

Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim („St. Adelheim“)
Erbaut 1894-1901. Heute: vorwiegend Strafvollzug für Männer. Das Gefängnis liegt an der Stadelheimer Straße im Stadtteil Giesing.
Während des Nationalsozialismus wurden in Stadelheim 1.035 Menschen hingerichtet, darunter die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Bereits 1919 wurden hier zwei führende Mitglieder der Münchner Räterepublik, Gustav Landauer und Eugen Leviné, ermordet. In München hat sich für das Gefängnis, fast analog zu Hamburg, der leicht spöttische Spitzname „St. Adelheim“ durchgesetzt.

Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim
Erbaut 1959-64. Heute: Strafvollzugs- und Untersuchungshaftanstalt für Männer. Das Gefängnis liegt im nördlichsten Stuttgarter Stadtbezirk Stammheim.
Die Anstalt ist insbesondere durch die Inhaftierten der Roten Armee Fraktion (RAF) in den siebziger Jahren bekannt. Hier starben Ulrike Meinhof (1976), Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe (1977). Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre hatte die Gefangenen, für die eigens ein Gerichtsgebäude in der Nachbarschaft errichtet wurde, im Jahr 1974 besucht und anschließend eine Pressekonferenz abgehalten.

Justizvollzugsanstalt Bautzen („Gelbes Elend“)
Erbaut 1900-04 (Bautzen I) und 1902-06 (Bautzen II). Das Gefängnis liegt am nördlichen Stadtrand der ostsächsischen Stadt. Bautzen I ist heute eine Strafvollzugsanstalt für Männer; Bautzen II beherbergt eine Gedenkstätte, die sich mit der Geschichte der Anstalt als Haftort für politische Gefangene während der NS-Diktatur und während der DDR auseinandersetzt.
Der Begriff „Gelbes Elend“ bezieht sich auf den Anstrich des Gebäudes Bautzen I – wer Bautzner Senf kennt, versteht auch den versteckten Doppelsinn dieses Spitznamens. Zu den ehemaligen Häftlingen gehören Ernst Thälmann während der NS-Zeit und Walter Janka, Walter Kempowski, Erich Loest sowie Eduard Zimmermann zu Zeiten der DDR.
Quelle: eigene Recherche
 

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