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News / „Aushängeschild“ für Deutschland
THW-Einsatzkräfte transportieren ein beschädigtes Flugzeug auf einem Tieflader in einen Hangar des Münchner Flughafens „Noch sind unsere Zahlen stabil, aber der demographische Wandel wird auch bei uns Wirkung zeigen.“, Nicolas Hefner, Pressesprecher des THW
14.03.2011   News
„Aushängeschild“ für Deutschland
 
Im Krisenfall ist es ein gefragter Partner: Das Technische Hilfswerk leistet im In- und Ausland technisch-humanitäre Hilfe. Obwohl die Organisation sehr verzweigt ist, wird Kommunikation hier ganzheitlich betrieben. Von Peter M. Gregor
Die Not war groß und schnelle Hilfe gefragt, als Ende Januar Helfer des THW mit technischem Gerät nach Haiti fuhren. Ihre Aufgabe: Erdbebenopfer mit Trinkwasser zu versorgen. Bei großen Einsätzen bekommen die Mitarbeiter vom Sachgebiet Öffentlichkeitsarbeit in Bonn das öffentliche Interesse deutlich zu spüren. Nach dem Erdbeben gingen innerhalb weniger Tage hunderte von Medienanfragen ein. Pressesprecher und Sachgebietsleiter Nicolas Hefner holt in solchen Fällen bisweilen auch ehrenamtliche Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit aus Ortsverbänden zur Unterstützung nach Bonn. „Das ist schon interessant zu sehen, wie professionell selbst unter so enormem Druck gearbeitet wird“, erklärt Martin Götz aus Bamberg, der nicht zum ersten Mal als Verstärkung gekommen ist. „Es ist toll, wenn man als Ehrenamtlicher so freundlich im Team aufgenommen wird.“
Die alltägliche Gesamtkommunikation der Organisation bestreitet Hefner normalerweise mit vier Mitarbeitern und drei Volontären. Die Aufgabe des Teams ist facettenreich: Neue Mitglieder müssen an die Organisation herangeführt werden, vorhandene sind zu informieren und zu motivieren, man muss die Rolle und Position des THW in Öffentlichkeit und Politik stärken und die THW-Einsätze medial begleiten. Und schließlich wird das THW auch noch als „Botschafter“ Deutschlands gesehen.


Einsätze mit beachtlichem Spektrum
Dabei ist die Aufgabe der Organisation, technisch-humanitäre Hilfe und Zivilschutz zu leisten – auch weltweit. Das schreibt das THW-Helfergesetz fest. Rechtlich untersteht die Organisation dem Bundesministerium des Inneren. Die offiziellen Einsatzoptionen umreißen ein beachtliches Spektrum. Seien es „großflächige Pflanzenkrankheiten“, Meteoriteneinschläge, verschiedenste Katastrophen mit „Massenanfall von Betroffenen“ oder Einsätze bei Terrorismus, Anschlägen, Attentaten und Sabotage – das THW ist zuständig. Oft sieht man die Helfer aber auch bei weit kleineren Einsätzen, wenn sie einen überfluteten Keller leer pumpen oder LKW nach Glatteis aus dem Graben ziehen.
Obwohl es sich um eine Bundesanstalt handelt, arbeiten 99 Prozent der rund 80.000 ihrer Angehörigen ehrenamtlich. Weltweit gibt es wohl keine vergleichbare Organisation. Gegründet wurde sie am 12. September 1950 als Bundesanstalt Technisches Hilfswerk.


Gewachsene Organisation
Wenn man die Öffentlichkeitsarbeit des THW verstehen will, muss man zunächst einen Blick auf die komplexen Strukturen der Organisation werfen. Im Wesentlichen bilden drei Säulen „das THW“, wie es in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Da ist zunächst als Kern die Bundesanstalt (www.thw.de). Ihre Leitung sitzt in Bonn, darunter kommen acht Landesverbände, in denen zum Teil mehrere Bundesländer zusammengefasst sind. Insgesamt 66 Geschäftsführerbereiche betreuen schließlich derzeit 669 Ortsverbände. Der Leiter eines Ortsverbandes ist also im Prinzip ehrenamtlicher Leiter einer Behörde.
Hinzu kommt die „Bundesvereinigung der Helfer und Förderer des Technischen Hilfswerks“, kurz THW-Bundesvereinigung e. V. (www.thw-bv.de) genannt. Sie hat einen vergleichbaren Aufbau wie die Bundesanstalt. Doch ist die Bundesvereinigung die Interessenvertretung der Helfer, und als gemeinnütziger Verein ermöglicht sie es dem THW, Spenden entgegenzunehmen und Lobbying zu betreiben. Präsident ist derzeit der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel – sein Vize, Klaus Hagemann sitzt für die SPD im Bundestag.
Als dritte Säule wurde 1984 die THW-Jugend e. V. (www.thw-jugend.de) gegründet. Da eine Bundesanstalt keine Jugendlichen als Mitglied haben kann, sorgt man auf diese Weise bis heute für Nachwuchs. Die THW-Jugend fasst alle Jugendgruppen auch auf Bundesebene zusammen. Die zurzeit etwa 15.000 Junghelfer im Alter zwischen zehn und 17 Jahren werden an die Arbeit des THW herangeführt und ausgebildet. Hier gibt es ebenfalls Landesleitungen und darunter die Ortsjugendgruppen.


Kommunikation auf allen Ebenen
Öffentlichkeitsarbeiter Hefner und seine Kollegen informieren vom Sitz der Bundesanstalt in Bonn aus die Medien einerseits über alles, was das THW allgemein betrifft, andererseits aber auch über Auslandsaktivitäten und besondere Einsätze, wie etwa eine Aufsehen erregende Flugzeugbergung auf dem Münchner Flughafen.
In den Landesverbänden sind hauptamtliche Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, in den Ortsverbänden sind es ehrenamtliche „Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit“ wie Martin Götz aus Bamberg. Sie werden aus Bonn mit Material für ihre Arbeit unterstützt. Angefordert werden die THW-Kräfte von Polizei und Feuerwehr, denen das Hilfswerk auch kommunikativ bei Einsätzen untergeordnet ist. Der THW-Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit handelt also nie eigenständig, sondern immer nach Absprache.
Die Ortsverbände schließlich leisten PR-Arbeit an der Basis. Sie informieren die lokalen Medien über die Arbeit „vor Ort“ und werben für die Arbeit des THW. Schon der Tag der offenen Tür sorgt fast immer für gute Resonanz.
Interne und externe Kommunikation der Bundesanstalt THW in Bonn tragen entscheidend zum Bestand der Organisation bei. Denn ohne die ehrenamtlichen Helfer gäbe es kein THW. Sie sind bereit, viele Jahre lang immer wieder freie Zeit zu opfern, um sich aus- und weiterbilden zu lassen und dann auch noch weltweit in fernen Katastrophengebieten zu helfen. Das Bild von „ihrem THW“ wird – neben der Wahrnehmung des Ortsverbandes – zu großen Teilen in Bonn geschaffen.
Um Mitglieder zu informieren, versenden Hefner und sein Team klassische Newsletter, die als E-Mail-Kaskade die Helfer erreichen. Daneben gibt es ein gut entwickeltes Extranet, und auch Podcasting gehört zum Standard. Immer wieder werden auch via Internet Briefe des Präsidenten versandt, mit denen er sich an die Mitglieder wendet. „Für die Website der Bundesanstalt THW“, so Pressesprecher Hefner, „arbeiten wir außerdem an einem Relaunch, und zur ‚Interschutz‘ in Leipzig soll im Juni eine neue Mitgliederzeitung vorgestellt werden.“ Die THW- Jugend hat bereits mit dem „jugend-journal“ (www.jugend-journal.de) eine Zeitschrift, die zweimal im Jahr mit einer Auflage von 14.000 Exemplaren erscheint.


Imagefaktor für Deutschland
Das THW als ein „Aushängeschild“ der Bundesrepublik Deutschland ist zudem selbst eine PR-Maßnahme. Helfer des THW können – sofern sie nicht von Behörden vor Ort behindert werden – weltweit beeindruckende Hilfe leisten. Die Schnelleinsatzeinheit Wasser Ausland (SEEWA), die zum Beispiel auch in Haiti Tausende mit Trinkwasser versorgte, ist samt allem Gerät zu jeder Tages- und Nachtzeit in sechs Stunden abflugbereit. Gleiches gilt für die Schnelleinsatzeinheit Bergung Ausland (SEEBA), die nach Verschütteten sucht. Oft passiert es deshalb, dass nach einer Katastrophen-Meldung Medienvertreter gleich in Bonn nachfragen, ob das THW auch dabei sein wird.
Doch es sind nicht nur die fernen Einsatzziele, bei denen das THW positiv auffällt. Auch mit euro- päischen Ländern bestehen zahlreiche Kontakte und Kooperationen. Das THW arbeitet unter anderem mit dem italienischen Zivilschutz zusammen oder beteiligt sich an einem gemeinsamen Arbeitsprogramm der „Administration des Services de Secours“ (ASS) – der Verwaltung für das Rettungswesen in Luxemburg. Auch mit der Staatlichen Polnischen Feuerwehr und mit der tschechischen hat man sich schon zu einer gemeinsamen Waldbrandübung zusammengetan. Bei Hilfseinsätzen erlebt man fast überall den „kleinen Grenzverkehr“. Im THW Ortsverband Aachen gibt es unter den ehrenamtlichen Helfern einige Belgier.


Nachwuchs gesucht
Beim Nachwuchs sieht die Situation anders aus. „Noch sind unsere Zahlen stabil“, sagt Nicolas Hefner, „aber der demographische Wandel wird auch bei uns Wirkung zeigen.“ Das THW müsse deshalb noch andere Bevölkerungsschichten ansprechen als bisher. So sei der Frauenanteil mit knapp zehn Prozent noch relativ gering. Georgia Pfleiderer, Mitarbeiterin im Sachgebiet Öffentlichkeitsarbeit in Bonn, ist selbst ehrenamtliche Helferin: „Natürlich sind Frauen manchen Aufgaben nicht so gewachsen, wie ihre männlichen Kollegen, aber gute Kameradschaft und Teamgeist wiegen das auf.“
Beim THW gibt es zwar etliche Helfer mit Migrationshintergrund, aber Nicolas Hefner sieht auch hier noch Potenziale: „Die Begeisterung für ein Ehrenamt in Deutschland könnten wir noch bei vielen wecken.“
So leistet die THW-Jugend ein weiteres und wichtiges Stück Öffentlichkeitsarbeit. „Spielend helfen lernen“, sagt Bundesgeschäftsführerin Stephanie Lindemann, „ist das Motto, mit dem wir arbeiten.“ Und Technik sei immer ein faszinierendes Thema. Die Mädchen und Jungen im Alter zwischen zehn und 17 würden alles, was die Großen leisten, auch machen dürfen. „Nur eben im kleinen Format, jedoch mit einem Riesen-Spaßfaktor“, erklärt sie. Es gebe Zeltlager, Spiele-Nachmittage oder Grillfeste und vieles mehr. Die Frage, ob THW-Jugend letztlich auch gut gegen „Koma-Saufen“ sei, bejaht Lindemann. Die THW-Jugend biete nicht nur den Rückhalt in einer echten Gemeinschaft, sondern genug Möglichkeiten, auf sichere Weise die eigenen Kräfte und Grenzen auszutesten. Dass die Jugendarbeit Erfolg hat, erkennt man an den Zahlen: Jedes Jahr werden rund 1.000 Junghelfer von der Bundesanstalt übernommen. Sie können dann, wie es auf der Website heißt, „nach erfolgter Grundausbildung auch auf Einsätze fahren, auf die man als Junghelfer verzichten muss“.

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