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29.01.2008   News
Imagewandel für Teilzeit
 

Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle sind in der Kommunikationsbranche in aller Munde. Mitarbeiter und Agenturen können gleichermaßen davon profitieren. Von Claudia Ottow

Immer mehr PR-Profis wollen Familie und Job unter einen Hut bringen. „Ich gehe davon aus, dass Teilzeitarbeit künftig deutlich zunehmen wird. Die Kommunikationsbranche benötigt ihre sehr gut ausgebildeten Kräfte auch nach der Auszeit während der Familiengründung“, betont Pleon-Chef Frank Behrendt. „Durch Teilzeitstellen können wir qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter motivieren, an die Agentur binden und deren Zufriedenheit steigern“, sagt Dirk Wienecke, CFO Weber Shandwick Deutschland. Und Liv Schneider-Affeld, PR Managerin Personal von Tchibo, erklärt: „Professionelle und motivierte Mitarbeiter sind die wichtigste Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg, gerade im Kommunikationsbereich. Maßnahmen wie Teilzeitarbeit, aber auch die Möglichkeit einer Kinderbetreuung oder die Option eines Arbeitsplatzes zu Hause fördern Vertrauen und Loyalität.“

Pluspunkte für Teilzeitkräfte
Auch Stephan Fink, Chef der Fink & Fuchs Public Relations AG, setzt auf die Chancen flexibler Arbeitszeitmodelle. „Im Kampf um gute Mitarbeiter werden sich Unternehmen noch viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einfallen lassen müssen. Hier gibt es große Potenziale, die noch nicht ausgeschöpft werden“, meint er.

Viele Kommunikationschefs befürworten und fördern die Berufsrückkehr in Teilzeit. Inger Paus, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Microsoft, schätzt die effiziente Arbeitsweise von Teilzeitkräften und ihre Fähigkeit, klare Prioritäten zu setzen. „Eltern können meistens sehr gut organisieren. Als Berater sind sie auch in Teilzeit erfolgreich, weil sie sehr strukturiert und zielorientiert arbeiten.“

„Ich erlebe, dass Teilzeitkräfte durch die Bank hoch motiviert und engagiert sind“, lobt Wolfgang Raike, Inhaber von Raike Kommunikation in Hamburg. Er begrüßt zudem die Möglichkeit, durch Teilzeitkräfte seinen Personalaufwand bei der Durchführung von Projekten flexibler gestalten zu können.

Auch Larissa von der Howen, Geschäftsführerin der Münchner nexthop communications, befürwortet diese Flexibilität: „Gerade eine kleinere Agentur kann dadurch wachsen, ohne sich finanziell durch neue Mitarbeiter in Vollzeit zu übernehmen. Neukunden, deren PR-Budget und Auftragsumfang keine volle neue Beraterstelle ermöglichen, können optimal betreut werden.“ Ein weiterer Vorteil für Agenturen: „Viele Kunden freuen sich, wenn vertraute und geschätzte Berater wieder als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Der Faktor Mensch spielt eine erhebliche Rolle in der Kunde-Agentur-Beziehung“, ergänzt Behrendt. 

Das familienfreundliche Engagement von Henkel wurde bereits mehrfach honoriert. Im Jahr 2006 wurde Henkel bei einem Unternehmenswettbewerb durch das Bundesfamilienminis­terium als familienfreundlichstes Großunternehmen ausgezeichnet. In der Kommunikationsabteilung des Düsseldorfer Hauptsitzes arbeitet heute fast jeder fünfter Mitarbeiter in Teilzeit. Die meisten Teilzeitkräfte haben feste Tage, an denen sie ganztägig im Büro sind.

Räumlich und zeitlich flexibel
Gerade Mütter, deren Kinder  schließlich kurzfristig krank werden können, schätzen auch die Möglichkeit, räumlich flexibel zu arbeiten. „Durch die elektronische Vernetzung  wird der Ort einer Leistungserbringung auch immer unwichtiger“, meint Ernst Primosch, Leiter der weltweiten Henkel-Unternehmenskommunikation. „Heimarbeit sollte die Präsenz im Büro jedoch nur ergänzen, da gerade in der Kommunikation soziale Netzwerke wichtig sind.“

Auch Fink & Fuchs sammelt seit vielen Jahren gute Erfahrungen mit Teilzeitangestellten. Mit verringerter Stundenzahl – möglichst nicht weniger als 20 in der Woche – betreuen sie Projekte oder Teiletats, die gut planbar und nur begrenzt von unvorhersehbaren tagesgeschäftlichen Anfragen oder Abstimmungen geprägt sind. „Wenn die Aufgabenbereiche klar definiert und gut organisiert sind, funktioniert das ausgezeichnet “, erklärt Fink. „Da Teilzeitmitarbeiter mit Familie nicht permanent erreichbar und auch nur begrenzt mobil sind, gibt es natürlich Einschränkungen des Einsatzes bei Projekten, die durchgängig Kundenkontakt oder größeren Reiseaufwand erfordern“, so Fink. „Mit redundant besetzten Kundenteams lässt sich dies jedoch problemlos organisieren. Kritische Rückmeldungen von Kunden hat es bei uns noch keine gegeben.“

Von der Howen sieht Positionen wie Teamassistenz oder Assistenz der Geschäftsführung, in denen organisatorische und administrative Aufgaben überwiegen, als geeignet für Teilzeitstellen. Sie würde auch einen Account Director in Teilzeit einsetzen, der nicht direkt in das Tagesgeschäft eingebunden ist. Ferner würden sich Medienresonanz- und Marktanalysen, Business Development oder Controlling anbieten. Behrendt schränkt die Einsatzmöglichkeit von Teilzeitkräften bei eng getakteten Projekten wie Change-Management-Prozessen oder Events ein, wo Berater in bestimmten Projektphasen permanent erreichbar sein müssen. Wienecke hält generell alle Agenturbereiche für Teilzeitarbeit geeignet. Allerdings ist der Teilzeiteinsatz eines Beraters während einer Neugeschäfts-Präsentation für ihn nur bei großem Engagement und äußerster Flexibilität vorstellbar.

Gute Abstimmung ist alles
Natürlich erschwert eine eingeschränkte Präsenz von Mitarbeitern reibungslose Arbeitsabläufe, und sie erfordert einen größeren Abstimmungsbedarf. „Hier hängt der Erfolg maßgeblich von der Organisation der Teilzeitkräfte sowie dem gesamten Team ab, und da wurden bei Weber Shandwick sehr gute Erfahrungen gemacht“, so Wienecke. Er bewertet die Bereitstellung von doppelten Büro-Ressourcen wie Schreib­tischen oder Telefonen und den Aufbau von personellen Redundanzen dennoch aus budgetärer Sicht als Nachteile.

„Teilzeitarbeit setzt ein hohes Maß an Vertrauen in die Mitarbeiter sowie eine perfekte und flexible Organisation voraus, um unvorhergesehene Ereignisse zu bewältigen“, erklärt auch Primosch. „Reibungslose Abläufe erfordern ein harmonisches Arbeitsklima und ein sehr starkes Abstimmungsverhalten zwischen Voll- und Teilzeitmitarbeitern. Wir wünschen, dass unsere Mitarbeiter auch füreinander Verantwortung übernehmen“, fordert Schneider-Affeld.

Generell hält Paus bei Teilzeitarbeit klar definierte Verantwortlichkeiten, feste Zielvereinbarungen für das jeweilige Geschäftsjahr und Workflows mit fixen Meetingzyklen für hilfreich, die bei Microsoft grundsätzlich für alle Mitarbeiter gelten. Individuelle Arbeitszeiten müssen Teamstrukturen und Kundenbedürfnisse berücksichtigen und allen Beteiligten die größtmögliche Flexibilität erlauben.

„Es gibt einen großen Spielraum für kreative Lösungen, die gleichzeitig den Bedürfnissen der Mitarbeiter und den Anforderungen der von ihnen betreuten Projekte gerecht werden. Die Grundlage für erfolgreiche Teilzeitmodelle ist immer das gegenseitige Verständnis“, betont Raike. Fink legt großen Wert darauf, dass „Teilzeit auch Teilzeit bleibt, weil gerade die Versorgung von Kindern bei den gegebenen Betreuungsmöglichkeiten an harte Termine gebunden ist. Da kann ein Mitarbeiter nicht einfach einmal ein bisschen länger bleiben.“

Teilzeitarbeit führt in der PR keineswegs auf das berufliche Abstellgleis. „Wer es schafft, Kind und Karriere in Einklang zu bringen, empfiehlt sich durch sein überdurchschnittliches Engagement auch für andere anspruchs- und verantwortungsvolle Aufgaben“, findet Raike.

Kein Karriere-Hindernis
Das beweisen die Berufswege von Petra Heinrich, Director Internal/External Communications Pleon Europe, und Jennifer Wolcott de Souza, Account Director bei Weber Shandwick in Köln. Beide arbeiten in Teilzeit und nehmen es in Kauf, beruflich und privat Kompromisse einzugehen. „Man sollte sich für Aufgaben profilieren, die sich eher für eine Teilzeittätigkeit eignen. Man muss auch akzeptieren, dass Beförderungen in diesem Rahmen langsamer vonstatten gehen“, rät Heinrich, Mutter von vier Kindern. Trotz Zeitdrucks und Stress’ empfindet sie Kinder und Beruf als „doppelte Erfüllung“.

Sie arbeitet 30 Stunden an fünf Tagen in der Woche, einen Tag davon zu Hause. Der Austausch mit den Kollegen ist für Heinrich dank frühzeitiger Planung kein Problem. Kunden und Kollegen kennen ihre Arbeitszeiten und wissen, wie sie sie bei dringenden Anfragen erreichen können.
Als der Sohn von Wolcott de Souza sieben Monate alt war, kehrte die Kundenberaterin für 20 Stunden an drei Tagen in der Woche in die Agentur zurück. Obwohl sie bis zum Mutterschutz ein Team geleitet hatte, übernahm sie bei ihrem Wiedereinstieg zunächst keine alleinige Kundenverantwortung. Sie hat in einem Team Bestandskunden mitbetreut und war stark in Neugeschäfts-Aktivitäten involviert. Bei wichtigen Terminen organisierte sie häufiger kurzerhand ihre Kinderbetreuung um, um teilnehmen zu können. Vor kurzem hat sie wieder die Verantwortung für Kunden übernommen.

Seit Jahresbeginn arbeitet sie auch wieder 32 Stunden an vier Tagen in der Woche. Auch die Kunden wissen, wer ihnen in Abwesenheit ihrer Betreuerin weiterhelfen kann. Über einen externen E-Mail-Zugang kann Wolcott de Souza auch von zu Hause aus arbeiten.
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