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News / „Gespensterdiskussionen“
06.08.2010   News
„Gespensterdiskussionen“
 

Wenn der „Fall Kachelmann“ nicht schon seit Ende März die Medien und die öffentliche Meinung zu immer neuen Spekulationen angeregt hätte, könnte man ihn für den perfekten Pfropfen für das diesjährige Sommerloch halten. Die Entlassung des Meteorologen aus der Untersuchungshaft am 29. Juli hat nun zu weiteren „journalistischen Höhenflügen“ animiert. Allerdings stehen nicht mehr allein die Schuldfrage und pikante Details aus dem Intimleben Kachelmanns im Zentrum der medialen Berichterstattung. Jetzt rückt der Fokus auf die vermeintliche PR-Strategie des einstigen Aushängeschildes des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Für Ralf Höcker sind das allesamt „Gespensterdiskussionen, die hochgradig unseriös sind“. Der Kölner Medienanwalt hat für seinen Mandanten Kachelmann unter anderem gegen „Bild“ und „Focus“ dutzende einstweilige Verfügungen durchgesetzt. Zudem hat er dem Springer Verlag eine Schmerzensgeld-Forderung Kachelmanns in Höhe von zwei Millionen Euro zugestellt. Die Berichte der vergangenen Tage über eine vermutete PR- und Medienstrategie seines Mandanten habe er mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen – und zwar unabhängig von ihrer Zielrichtung. Dem Anwalt ist es also egal, ob der Schweizer Berater Beat R. Krättli glaubt, dass die „Kommunikationsstrategie von Kachelmann (…) bisher ausgezeichnet gewesen (ist), behält er sie bei, könnte er sogar ins Fernsehen zurückkehren“. Und es ist ihm ganz gleich, ob im Gegensatz dazu der Vizepräsident des Schweizer Verbandes für Krisenkommunikation, Roland Binz, auf seinem Krisenblog die Schlüsselfaktoren zusammenfasst, warum sich „Jörg Kachelmann selber aktiv seine Aussichten, im Gerichtssaal der Öffentlichkeit erfolgreich für sich zu plädieren“, verdüstert. Einerlei ist ihm also auch, dass der Berliner Litigation-PR-Spezialist Uwe Wolff die Strategie Kachelmanns öffentlich als „08/15 PR-Kitsch“ abtut.
„Keiner kann sich seriöserweise eine Meinung darüber bilden, ob eine Strategie gelungen ist oder nicht, wenn er die Akten und die Fakten nicht kennt“, sagt Höcker. Und die kennen eben nur wenige. Die Frage, ob man daraus schließen kann, dass Medienanwalt Höcker der einzige Berater ist, den Kachelmann zurzeit frequentiert, will der Anwalt nicht beantworten. Nur so viel lässt der Medienprofi durchblicken: Bei einem Fall wie diesem, gibt es viele unterschiedliche Fronten, die es zu beachten gilt. Widersprüche in der Darstellung lassen sich nicht ausschließen. Ein vermeintlich schlechter Schachzug kann an anderer Stelle gleichzeitig der Königsweg sein. (bb)
 

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