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News / WM: Böse Medien säen Zorn
01.07.2010   News
WM: Böse Medien säen Zorn
 

Das Fußball-Fest in Südafrika wird vielerorts für eine todernste Angelegenheit gehalten. Mexikos Trainer Javier Aguirre hat nach dem Achtelfinal-K.o. seinen Rücktritt erklärt. Nigerias Regierung hat den nationalen Fußball-Verband wegen enttäuschender Leistungen der National-Elf aufgelöst und diese für zwei Jahre von allen internationalen Wettbewerben zurückgezogen.

Und Raymond Domenech wurde gar zur Anhörung in die französische Nationalversammlung einbestellt. Da die Veranstaltung so bedeutungsschwer zu sein scheint, sollten auch die Einlassungen von Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke Gehör finden: Die Medien würden einen Kreuzzug gegen die Fifa führen, behauptet er in einem Gespräch mit dem „Handelsblatt“. Sie hätten auch Südafrika schlechtgemacht.
Nun, Valcke ist nicht der erste bei dieser WM, dem zu wünschen ist, dass er sich nach seiner Medienschelte besser fühlt. Beispielsweise beschimpfte der slowakische Nationalcoach Vladimir Weiss auf einer Pressekonferenz Journalisten wegen ihrer kritischen Fragen als ''verf… Schwuchteln''. Auch der als "Esel" titulierte Teamchef Brasiliens, Carlos Dunga, führt mit der Presse einen Kleinkrieg.
Doch mal abgesehen davon, dass pauschale Medienschelte aus kommunikativer Sicht keinen Sinn macht - Valckes Jammern lenkt von desaströsen Kommunikationsleistungen der jüngsten Zeit ab, allen voran von den Reaktionen der Fifa auf überforderte Schiedsrichter. Nehmen die Funktionäre die WM weniger ernst als andere? Erste Stellungnahmen zu den Fehlentscheidungen der Schiedsrichter fielen wie folgt aus: "Es ist wie an allen Tagen, wir kommentieren die Entscheidungen der Schiedsrichter nicht", sagte Fifa-Pressesprecher Nicolas Maingot. Eine Farce: Zumindest drei Achtelfinalspiele verdanken ihr Ergebnis Fehlern der Referees: ein Tor der Engländer im Spiel gegen die Deutschen, das nicht gegeben wurde, ein gegebenes Abseitstor im Spiel Argentinien gegen Mexiko. Und das entscheidende Tor des Spaniers David Villa gegen Portugal fiel ebenfalls aus Abseitsposition. Immerhin und doch zu spät: Noch vor diesem Spiel verkündete Fifa-Chef Joseph Blatter, seine Haltung zum Videobeweis zu überdenken. (fo)

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