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News / Köhler: Empfehlungen von der anderen Seite
03.06.2010   News
Köhler: Empfehlungen von der anderen Seite
 

„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ, bei uns durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern.“ Einleuchtend wäre es, wenn ein Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter unterstellte, mit professioneller PR-Begleitung wäre der holprige Satz nicht aus Horst Köhler herausgepurzelt.

Verwunderlich ist, wenn ein Journalist öffentlich in solch ein Horn stößt. Wenn Köhler bei dem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur noch sein ehemaliger Sprecher Martin Kothé zur Seite gestanden hätte, ja, dann wäre Köhler das nicht passiert. Die zu dem Zeitpunkt designierte Sprecherin Petra Diroll hätte das Interview vielleicht verhindern können, orakelt ein anderer mitfühlender Medienvertreter.
Handelt es sich um selbstlose Handlungsempfehlungen an Politiker, doch bitte PR-Beistand in Anspruch zu nehmen? Oder um das freimütige Eingeständnis gegenüber den Lesern, regelmäßig auf die Gnade von PR-Profis angewiesen zu sein? Es entsteht jedenfalls der Eindruck, Journalisten würden sich im Normalfall mit Geschwätz unter strengst möglicher Beachtung der „political correctness“ zufrieden geben, ein unzensiertes, offenes Wort würde ihnen nur selten zuteil. Die Erwartungen an Interviews mit Politikern scheinen so gering zu sein wie an solche mit PR-Profis selbst, so dass ein relevanter Satz, wie im Falle Köhler, nur noch Bloggern auffällt.
Petra Diroll hat unterdessen die Leitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bundespräsidialamts übernommen - übergangsweise, mindestens bis zur Wahl eines neuen Staatsoberhaupts am 30. Juni. (fo)

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