Please wait...
News / „Beispiellose Kampagne“
Akropolis Athen (Foto: Fantasy/Wikipedia)
12.05.2010   News
„Beispiellose Kampagne“
 

Vor kurzem musste ich meinen Eierhändler auf dem Wochenmarkt wechseln. Nicht etwa, weil er Käfigeier als Bioware verkauft. Schlimmer: Er nimmt keine Euro-Münzen griechischer Provenienz mehr. Nicht nur Eiermänner lesen die „Bild“-Zeitung, auch Bundeskanzlerinnen wie Angela Merkel tun es.

Kaum fragte das Massenblatt aus dem Hause Axel Springer nach dem Tod dreier Bundeswehrsoldaten am Karfreitag, warum die Bundeskanzlerin nicht auf der Trauerfeier erscheinen wolle, änderte die ihre Pläne und erschien doch.  In der Griechenland-Krise ließ Merkel sich zunächst als „Eiserne Kanzlerin“ feiern, um dann bei der von Beginn an zu erwartenden Kursänderung voll in den Springer‘schen Gegenwind zu geraten.
„In einer seit dem Kampf des Springer-Verlages gegen die Ostverträge beispiellosen Kampagne machte ,Bild‘ Front gegen Bundesregierung und Parlament und versuchte, die Leser gegen die Griechen in einer Form aufzuwiegeln, die an Volksverhetzung grenzte.“ Der das schreibt, ist kein von Kai Dieckmann so verhasster Alt-Achtundsechziger, sondern ein altgedienter Ex-Springer-Redakteur, dessen Laufbahn bei „Welt“ und „Bild“ zwischen 1989 und 2000 in der Position des Chefredakteurs der „Bild am Sonntag“ gipfelte: Michael Spreng.
Als ehemaliger Stoiber-Berater weiß der Mann auch, dass es für Politiker gefährlich sein kann, sich an Kampagnen dranzuhängen. Inzwischen hat Merkel das Image der „Madame No“ unfreiwillig abgelegt. Ihre Politik wirkt inzwischen planlos. Nach dem Verlust der Bundesratsmehrheit via NRW-Wahl erscheint sie nun so schwach, dass sich mittlerweile sogar die Männer aus dem eigenen Lager vorwagen und „Mutti“ mit Widerworten piesacken.
Was waren das für Zeiten, als die Fischhändler ihre Ware noch in Zeitungen einwickelten. Da erfüllte sogar „Bild“ einen guten Zweck.  (fb)

Magazin & Werkstatt