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News / Nüchtern, aber ohne Strategie
15.04.2010   News
Nüchtern, aber ohne Strategie
 

Eine gute Sache allein genügt nicht, damit die Botschaft auch ankommt. Ein Beispiel dafür ist die Aktion „0,0 Promille in der Schwangerschaft“ der Stiftung für das behinderte Kind aus Berlin.

Für Verwirrung sorgten nicht nur die beiden Einladungen, die die Redaktion in den vergangenen Wochen zum Thema „Alkohol in der Schwangerschaft – Fetales Alkohol Syndrom“ erreichten, sondern auch die dazugehörigen Presseunterlagen. So präsentierte die Stiftung zusammen mit ihrem Partner, dem Deutschen Brauer-Bund, auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz am 13. April im Haus der Verbände in Berlin eine Studie vom November 2008. Anderthalb Jahre nach ihrer Erhebung sollen die Ergebnisse nun unter anderem Aufschluss darüber geben, wie groß das weibliche Risikobewusstsein in Bezug auf den Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist. Journalisten lockt man mit solch alten Daten normalerweise nicht hinter den Schreibtischen hervor. Deshalb hat die Agentur newswerk aus Frankfurt kurzerhand die Kampagne „Prävention aus Liebe zum Kind“ drumherum gestrickt. Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. Fachlicher Experte ist Prof. Dr. med. Joachim Wolfram Dudenhausen, Direktor der Kliniken für Geburtsmedizin der Charité Berlin und Vorsitzender der Stiftung für das behinderte Kind.
Nur fünf Tage zuvor hatte Dudenhausen Journalisten bereits zum gleichen Thema Rede und Antwort gestanden, diesmal im Haus der Bundespressekonferenz, mit Vertretern des Spirituosenherstellers Pernod Ricard Deutschland an seiner Seite und der Agentur Bonne Nouvelle im Rücken. Frontfrau hier: Die Gattin des niedersächsischen Ministerpräsidenten, Bettina Wulff. Unter dem Motto „Mein Kind will keinen Alkohol!“ posierte sie mit anderen mehr oder weniger bekannten Frauen für Fotoaufnahmen, um Schwangeren klar zu machen, dass es kein gesundes Maß für Alkohol in der Schwangerschaft gibt. Jeder Tropfen kann das Ungeborene unter Umständen dauerhaft schädigen.
Erst Nachfragen bei Agenturen und Partnern machen deutlich, dass es sich tatsächlich um zwei verschiedene Kampagnen mit unterschiedlicher Stoßrichtung handelt. Während der Brauer-Bund mit „Prävention aus Liebe“ zum Kind den Weg über Aufklärung beim Gynäkologen und den Apotheken geht, setzt Pernod mit „Mein Kind will keinen Alkohol!“ auf die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit. Darauf hätte man mit ein wenig mehr Zeit zum Nachdenken angesichts des plakativen Signets der Kampagne auch selbst kommen können: Im Stil eines Verbotsschildes zeigt es eine Frau mit Babybauch und erhobenem Glas. Doch diese Zeit bleibt den meisten nicht. Strategische Kampagnenplanung sieht normalerweise anders aus.  (bb)
 

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