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News / Wem „Das neue Herz Europas“ schlägt
09.04.2010   News
Wem „Das neue Herz Europas“ schlägt
 

Unter der Überschrift „Eine Stadt startet durch“ lobte das Kundenmagazin der Bahn in seiner Februar-Ausgabe das Projekt Stuttgart 21 über den grünen Klee. Nur, wohin die Reise geht, darüber ist sich die Stadt recht uneins: In der Nacht zu Ostersonntag wurden die Firmenschilder der Agentur Die Crew zerstört, am 1. April war offiziell bekannt gegeben worden, dass die Werber jetzt den Etat „für die neue PR- und Marketing-Strategie für das Bahnprojekt Stuttgart – Ulm“ betreuen.

Dabei geht es zum einen um insgesamt 60 Kilometer neue Bahnstrecke und drei neue Bahnhöfe (Hauptbahnhof Stuttgart, Bahnhof Flughafen/Messe und eine S-Bahnstation) ­­– das Bauvorhaben Stuttgart 21 ­­-, zum anderen um die Neubaustrecke von Wendlingen (Neckar) nach Ulm. Eine Mehrheit der Stuttgarter lehnt das Projekt Umfragen zufolge ab.
In der Pressemitteilung zur Etatvergabe wird der Sprecher des Bahnprojekts, Wolfgang Drexler (SPD), zitiert: „Wir haben es uns und den Agenturen nicht leicht gemacht, um künftig mit einer langfristig angelegten Kommunikationsstrategie die Bürger besser umfassend zu informieren und die Vorteile des Bahnprojekts bekannt zu machen.“ Die in diesem Satz enthaltene Kritik Drexlers, der den ehrenamtlichen Job seit Anfang Herbst ausübt, mag gelassen in die Tastatur gehämmert worden sein. Sie offenbart jedoch Erschreckendes in Bezug auf die bisherige Kommunikation: In den mehr als 15 Jahren der Planung hat es erstens offenbar keine vernünftige Informationspolitik gegeben und zweitens keine überzeugende Darstellung der Vorteile des „Milliarden-Grabs“ („Frankfurter Rundschau“).
Die Crew soll also den Karren aus dem Dreck ziehen. Agenturchef Gerhard Mutter spricht in den „Stuttgarter Nachrichten“ von einer Versachlichung der Debatte und erklärt in der „Stuttgarter Zeitung“: „Wir stellen bewusst die sachliche Information in den Vordergrund.“ Nun, wer lässt sich gern unterstellen, er würde beim Thema Stuttgart 21, das seit geraumer Zeit rauf und runter diskutiert wird, rationale Argumente nicht kennen oder ihnen gegenüber gar unzugänglich sein? Zumal die Befürworter von Stuttgart 21 auch nicht gerade zimperlich sind. Man denke nur an den Vorsitzenden der Stuttgarter Jungen Union, Benjamin Völkel, der laut „Stuttgarter Zeitung“ in einer Pressemitteilung die Senioren unter den Projektgegnern aufs Korn nahm: „Mich widert die überhebliche Verhinderungspolitik der Alten gegen Stuttgart 21 an.“ (fo)
 

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