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05.03.2010   News
Orwell an der virtuellen Kirchentür / oder / Kurswechsel in eine Einbahnstraße
 

Die Agentur fischerAppelt, relations macht durch eine "Deklaration für einen Kurswechsel in der Meinungslandschaft" von sich reden. Im dazugehörenden Blog wird über "dek21" bereits diskutiert. Auch der PR Report klinkt sich an dieser Stelle in die Debatte ein.


Orwell an der virtuellen Kirchentür

Die Agentur fischerAppelt hat „21 Thesen für eine schärfere Kommunikation“ an die virtuelle Kirchentür geschlagen. An der PDF-Version fällt sofort auf: Jede These will die andere in ihrer äußeren Gestaltung übertreffen. Das wirft Fragen auf. Wieso? Gibt es etwas zu verstecken? Oder sind sich die Verfasser nicht sicher, ob der Inhalt ihrer Thesen trägt? Dieser Inhalt macht beklommen, skizziert er doch eine Welt, in der „die Kommunikation“ eigenständig Meinungen designt. Hauptsache, sie sind pointiert. Dass es einen Auftraggeber gibt, der Interessen verfolgt, wird verschwiegen.

These zwölf dekretiert, „Pressesprecher sind die Originalquellen“. Das scheint zu unterstellen, dass jede Interpretation oder Kontrolle durch andere Instanzen überflüssig sei. Die Folgen für die Gesellschaft wären haarsträubend, zumindest Orwell’schen Ausmaßes. Da passt es, dass fischerAppelt einerseits in These vier Orwell totsagt und andererseits das Ende der Geschichte, eine Welt ohne Polaritäten, ausruft, die nur darauf warte, dass Meinungsingenieure sich daran machen, Konflikte zu simulieren. Dankenswerterweise klärt Chefingenieur Bernhard Fischer-Appelt im Blog dek21.com auf, worum es ihm eigentlich geht: Die Unternehmen und die sie lenkenden Eliten müssten nach der schmählichen Finanzkrise endlich wieder in die Offensive gehen. Es wird sich zeigen, ob das Erwachen so böse sein wird, wie Björn Eichstädt (storymaker) es im selben Blog den dek21-Autoren prophezeit.  (fb)

Kurswechsel in eine Einbahnstraße

Eine Offenbarung sind die 21 Thesen nicht gerade. Eine Erklärung für den Zustand der Gesellschaft auch nicht, allenfalls eine Beschreibung. Warum also überschreibt die Agentur fischerAppelt ihr heute veröffentlichtes Papier (inklusive Homepage und Blog) mit dem großen Wort „Deklaration“?

Für einen „Kurswechsel in der Meinungslandschaft“ möchte sich die Agentur stark machen. Dass sie der modernen Gesellschaft zugleich jegliche Meinung abspricht, blitzt nur kurz als Paradoxon auf. Denn hier, wo es Unternehmenslenker, Politiker und soziale Gruppen angeblich nicht schaffen, sich zu positionieren, sollen selbstverständlich PR-Manager diese Aufgabe übernehmen. Pressesprecher werden zu „Originalquellen“, Unternehmer zu Allianzenschmieden und PR-Manager zu Einflüsterern pointierender, vielleicht auch polarisierender Meinungen. Dass Journalisten in diesem Meinungsland Deutschland keine Rolle spielen, ist nicht weiter verwunderlich. Haben doch die Social Media bereits gezeigt, dass es auf Redakteure als Vermittler oder Deuter von Informationen nicht mehr ankommt.

fischerAppelt skizziert eine trostlose Welt, in der es für PR-Manager keine Sparringspartner mehr gibt, außer sich selbst. Auf Dauer macht Schattenboxen aber keinen Spaß. Doch damit hat die Agentur längst begonnen. Die 21 Thesen sind ein Beispiel geschickter Selbstdarstellung. Denn sie laufen auf nichts anderes hinaus als auf den neuen Claim von fischerAppelt, relations. Wenn das der geforderte Kurswechsel sein soll, dann führt er in eine vorhersehbare, eindimensionale Welt.  (bb)

 

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