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News / Spitzeljournalismus
26.02.2010   News
Spitzeljournalismus
 

Wenn es wahr ist, dann hat der Journalismus eine neue „Qualität“ erreicht. Weniger wegen redaktioneller als vielmehr aufgrund geheimdienstlicher Methoden. Allerdings bestreitet „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel von „unseriösen Recherchemethoden“ der Agentur CMK gewusst zu haben.

Das Konkurrenzmagazin „Stern“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe darüber, dass die „Bunte“ die Berliner Foto- und Presseagentur damit beauftragt habe, das Privatleben der Politiker Müntefering, Seehofer und Lafontaine auszuspionieren – auch mit unlauteren Methoden.
CMK-Chef Stefan Kießling streitet die vorgeworfenen Praktiken ebenfalls ab. Die Schuld liege wohl bei zwei ehemaligen Mitarbeitern, auf die sich der „Stern“ in seinem Artikel beruft und denen CMK bereits im April 2009 gekündigt habe, so Kießling. Angeblich hätten die Arbeitsmethoden der Mitarbeiter nicht zu den professionellen Grundsätzen der Agentur gepasst.  Unlauter hin oder her, allein der Auftrag zu einer „journalistischen Fotorecherche“, den Riekel öffentlich verteidigt hat, um Hinweisen aus dem Privatleben von Politikern nachzugehen, birgt genügend journalistische und moralische Fallstricke, um allerorten die Verfechter des Qualitätsjournalismus‘ auf den Plan zu rufen. Denn der Pressekodex des Deutschen Presserates schreibt fest, dass die Medien das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen zu achten haben.
Nun lässt sich streiten, ob das private Verhalten von Politikern das öffentliche Interesse berührt. Denn dann könne es im Einzelfall in der Presse erörtert werden, heißt es in Ziffer 8 des Pressekodex. Riekel begründet das öffentliche Interesse im Falle Münteferings mit dessen Vorbildfunktion und bezeichnet ihn in einer Mitteilung als „Leitfigur unseres Wertesystems“. Daher sei nicht nur sein politisches, sondern auch sein privates Handeln für die Moral der Gesellschaft bedeutend und wirke „unter Umständen auch auf politische Entscheidungsprozesse“ zurück.
Der Bunte Entertainment Verlag bereitet eine Unterlassungsklage gegen den „Stern“ vor und prüft Schadenersatzansprüche. Und für Michael Konken, den Vorsitzenden des Deutschen Journalistenverbandes steht fest: Die Leser erwarteten auch bei so genannten bunten Geschichten, dass seriös recherchiert werde. Schmuddeljournalismus sei immer fehl am Platz.  (bb)

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