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News / "Zahlengetriebenes Arbeiten ist unerlässlich"
Fabian Virgil, 1. Semester Communication Management, Dagmar Ginzel, Chief Communications Officer und Mitglied der Geschäftsleitung beim Vergleichsportal Verivox, Florentina Liefeith, 3. Semester Communication Management. (c) LPRS
12.12.2017   News
"Zahlengetriebenes Arbeiten ist unerlässlich"
 
Sie sind nicht nur Chief Communication Officer von Verivox, sondern zugleich Mitglied der Geschäftsleitung. Wenn man sich andere Unternehmen ansieht, stellt man fest, dass die Unternehmenskommunikation in der Geschäftsleitung eher selten vertreten ist. Welche Chancen bieten sich Ihnen durch diese Doppelrolle?

Dagmar Ginzel: Vor allem habe ich dadurch viel früher die Möglichkeit Einfluss zu nehmen, wenn wir in der Geschäftsleitung neue Ideen entwickeln und diskutieren. Ein zeitnahes Einbeziehen der Unternehmenskommunikation ist meines Erachtens für die Effizienz der Firma von Vorteil.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist Effizienz sehr wünschenswert. Wieso hat es sich dann in vielen Unternehmen noch nicht durchgesetzt, dass der Leiter der Unternehmenskommunikation auch zur Geschäftsleitung gehört?

Ich glaube viele Geschäftsführer oder Vorstände denken gar nicht darüber nach, sie besprechen Themen auf einem ganz anderen Niveau. Vorsichtig formuliert haben viele Entscheider gar nicht parat, wie wichtig Kommunikation ist. Es hat aber auch damit zu tun, wie sich Kommunikatoren verkaufen. Ganzheitliches Denken und sich an KPI messen lassen ist für eine strategische Funktion genauso unerlässlich wie das schnelle und erfolgreiche Umsetzen von Maßnahmen.

Gab es auch Situationen, in denen sich Ihre zweifache Funktion als Herausforderung dargestellt hat?

Nein, überhaupt nicht.

Standen Sie in diesem Zusammenhang nie in einem Interessenskonflikt oder hätten als Kommunikationschefin anders entschieden als die Geschäftsleitung?

Ja, das vielleicht schon. Als Kommunikationschefin hätte ich weder Carmen Geiss noch Mario Barth als Testimonials engagiert. Aber beide Testimonials funktionieren für uns als Unternehmen super. Ich habe dabei gelernt, dass nicht entscheidend ist, was ich als Kommunikationschefin für richtig halte. Es ist entscheidend, was der Kunde letztendlich will und akzeptiert.

Wenn Sie an Ihren Arbeitsalltag denken, betrachten Sie kommunikative Probleme durch Ihre Funktion auf Geschäftsleitungsebene anders als zuvor?

Ich habe auf jeden Fall eine ganz andere Sicht darauf. Das fällt dem einen oder anderen Mitarbeiter am Anfang oft schwer. Gerade neue Kollegen sind ein derartig zahlengetriebenes Arbeiten, wie es bei uns üblich ist, nicht gewöhnt. Es ist aber unerlässlich. Wer Kommunikationsmaßnahmen erfolgreich umsetzen will, muss regelmäßig evaluieren und auch immer wieder Neues testen. Ich will immer wissen, welche Maßnahmen erfolgreich waren und welche nicht.

Doch gerade in der Kommunikation ist es nicht immer einfach den Erfolg von Maßnahmen zu messen.

Das höre ich oft – meine Antwort: ja, aber es ist nicht unmöglich. Neben klassischen Reichweiten oder auch Medienäquivalenzwerten lassen sich Veränderungen im Mindset oder bei Botschaften über Marktforschung sehr wohl messen. Wenn ich etwa an die interne Kommunikation denke, kann auch das Commitment der Mitarbeiter gemessen werden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Kommunikationsmaßnahmen messbar und damit auch für Finanzchefs über vorab festgelegte KPI nachvollziehbar zu definieren.

Jetzt wollen wir noch einen Blick in die Zukunft werfen. Denken Sie, dass sich die Unternehmenskommunikation als Teil der Geschäftsleitung etablieren kann oder wird es eher die Ausnahme bleiben?

Wenn der Zusammenschluss von Marketing und Kommunikation tatsächlich weiter fortschreitet, dann wird es diese Trennung zwischen den beiden Bereichen vielleicht irgendwann gar nicht mehr geben. In vielen Unternehmen ist es ja bereits so, dass einer der beiden Bereiche in der Geschäftsleitung ist. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es auch in Zukunft so sein wird. Es kommt aber erheblich auf das Unternehmen und auf die Unternehmensgröße an.

Interview: Sarah Göbel (Studentin Communication Management)
 

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