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Andreas Westermann (Foto: Daniel Kause)
31.03.2017   News
"Kein Klingelschild-Austausch"
 
Der Berliner Medienbeobachter Ausschnitt will unter einer neuen Marke angreifen: Argus Data Insights. Was hinter der Umbenennung steckt, erläutert Andreas Westermann, bislang Ausschnitt-Chef und jetzt Geschäftsführer der neu firmierten Argus Data Insights Deutschland GmbH.

Wie schwer fiel Ihnen die Trennung von der Marke Ausschnitt?

Andreas Westermann: Wir stehen zur alten Marke Ausschnitt, die eine Markenbekanntheit von 95 Prozent in der Zielgruppe hat - mindestens. Und wir haben ein Markenimage. Das haben wir zwar im Laufe der Jahre aufpoliert, aber es ist letztlich nicht durchgedrungen. Viele denken, der Name ist Programm, da machen wir uns nichts vor. Deshalb haben wir uns gefragt: Kann man das so lassen? Kann man die Marke weiter aufladen? Oder muss man sich davon trennen und sich im Rahmen einer Gesamt-Markensicht etwas Neues ausdenken?

Was meinen Sie mit Gesamt-Markensicht?

Wir haben mit der "Argus der Presse AG" ein Schwesterunternehmen in der Schweiz. Gemeinsam gehören wir zur Gallimedia Holding mit Sitz in Zürich. Die Zürcher sind seit 110 Jahren im Markt und seit langem unangefochtener Marktführer. In Deutschland sind wir seit 70 Jahren mit Ausschnitt unterwegs. Und mit Meta Communication haben wir seit Anfang 2015 eine strategische Kooperation. Wir integrieren die Teile unter dem neuen Markendach für Deutschland, Österreich und Schweiz. Gemeinsam haben wir natürlich auch mehr Potenzial und Stärke. Bei einem Gruppenumsatz von 55 Millionen Euro können wir zum Beispiel entsprechende Mittel für Produktentwicklung freimachen.

Wie kamen Sie auf Argus Data Insights?

Argus ist ein Name mit Tradition in der Schweiz, auf den wollten wir nicht verzichten. Wir haben ihn dann um mehr als nur Anglizismen ergänzt. Wir kommen historisch von einer Medienmonitoring-Company, eben Ausschnitt, und transformieren das ganze Unternehmen in Richtung Insights und Media Intelligence. Die Neufirmierung beschränkt sich also nicht auf einen Klingelschild-Austausch. Wir fokussieren damit auf einen weiteren Entwicklungsweg.

Das müssen Sie näher erläutern.

Wir werten im Auftrag unserer rund 10.000 Kunden Medien aus. Und das Ergebnis dieser Auswertung sind Daten, die wir in unterschiedlichster Art und Weise generieren. Die zunehmende Herausforderung ist, diese Daten mit anderen Daten zu korrelieren: mit Nutzerdaten, soziodemografischen Daten, allen möglichen Daten. Da kommt einem schnell das Schlagwort vom Data Lake in den Sinn: Ich gebe all diese Daten in einen großen See. Wenn ich weiß, was drin ist, und wenn ich die Kundenbedürfnisse verstehe, kann ich sogar Antworten auf Fragen finden, die der Kunde vielleicht noch gar nicht gestellt hat. Wir verändern uns: Weg von der einkanaligen Belieferung des klassischen Medienmonitorings hin zu Media Intelligence-Lösungen. Wir dringen in neue Geschäftsfelder vor, indem wir die Kunden mit ihren Fragestellungen verstehen, Antworten liefern und wissen, welche Daten wir wie korrelieren müssen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Wir haben einen Musikverlag als Kunden. Der hat früher Clippings gebucht. Irgendwann brauchte er die nicht mehr und hat digitale Services ausprobiert. Die haben ihm schließlich nicht mehr gereicht. Jetzt hat er Instagram und Social Media-Quellen angezapft, und diese in sein Talent-Scouting integriert. Daraus resultieren neue Datenaggregationen, neue Fragen. Es braucht jemanden, der die Fragen und Daten versteht und eine Lösung anbietet.

Ist dieses Know-how bei Ihnen überhaupt vorhanden?

Teilweise haben wir die Leute schon. In Ausschnitt war mehr drin, als draufsteht. Wir sind im Bereich Datenanalyse sehr gut aufgestellt. Da haben wir uns neu positioniert, hierzulande wie in der Schweiz in Personal aus verschiedenen Bereichen investiert. Was viele vielleicht nicht wissen: Bei uns arbeiten mittlerweile rund 700 Medienexperten. Wir wollen Dinge fokussieren und nicht parallel zweimal machen. Das ist unsere Stärke der Zukunft: die Investitionsmittel, die bislang zum Teil vielleicht in parallele Projekte geflossen sind, zu kanalisieren und sie einmal mit doppelt so viel Power umzusetzen. Das macht uns handlungsfähiger im Markt, der sich natürlich auch bewegt.

In der Gerüchteküche war immer wieder von einer Übernahme auf dem Markt die Rede. Warum gab es die bislang nicht?

Wenn es nach der geht, will jeder jeden kaufen, etwa Kantar Prime oder Meltwater uns. Aber das Seelenheil liegt nicht im Kauf eines Unternehmens. Bestenfalls ist die Unterschrift schnell gemacht, aber dann fängt die Arbeit erst an. Ich will ja nicht ausschließen, dass wir wieder zukaufen werden. Wenn es jemanden gäbe, der gut zu uns passt, würden wir nicht Nein sagen. Aber wir haben keinen Einkaufszettel nach dem Motto "Drei haben wir schon, zwei müssen wir noch". Das wird sich ergeben.

Interview: Uwe Förster

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