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Axel Wallrabenstein
08.11.2016   News
"Was nicht mobil stattfindet, ist wenig wert"
 
Axel Wallrabenstein, Chairman der Agentur MSL, hat den US-Wahlkampf vor Ort beobachtet. Wir haben ihn einen Tag vor der Wahl nach den wichtigsten Trends gefragt - und was deutsche Wahlkämpfer von ihren US-Kollegen lernen können. Mit seiner Einschätzung zum Wahlausgang lag der Public-Affairs-Experte, wie andere auch, daneben.
Was können deutsche Wahlkämpfer vom US-Wahlkampf lernen?
Früher sind deutsche Wahlkämpfer und Kommunikationsberater in die USA gereist, um neue Trends und Tools aufzuspüren. Mein Eindruck ist, dass man heute eher darauf schaut, was man nicht nach Deutschland übertragen möchte. Aber auch in der Vergangenheit konnte man nur sehr punktuell lernen und Tools übertragen. Die Faktoren Geld, Daten und TV, die wichtigsten Dinge im US-Wahlkampf, sind so nicht zu übertragen oder nicht einsetzbar.
Mit welche Trends, Tools oder Taktiken aus dem US-Wahlkampf sollten sich deutsche Kommunikatoren beschäftigen?
Wie in Deutschland sind Bots ein wichtiges Thema. Hier werden sie im Wahlkampf bereits völlig normal eingesetzt. Sehr viele Twitter-Follower von Trump und Clinton sind Roboter. Das ist schon ein echtes Problem für die politische Willensbildung, und das sollten wir in der Form in Deutschland nicht anwenden. Die Budgets sind immens: Man rechnet mit 2,7 Milliarden Dollar Wahlkampfbudgets. In Deutschland sind es für die Bundestagswahl rund 80 Millionen für alle Parteien. Das zeigt die Möglichkeiten, aber auch Unmöglichkeiten im Campaigning. Mobil ist der Trend überall. Was nicht auf dem Handy oder Notebook stattfinden kann, ist wenig wert. In den USA nimmt die Zahl der klassischen Fernsehnutzer rapide ab. Man spricht von fünf Millionen pro Jahr, die auf mobiles, digitales TV umsteigen. Insofern gewinnen auch Youtube und Snapchat neben Twitter und Facebook für die ganz jungen Wähler an Bedeutung.
Wird die nächste Bundestagswahl in Social Media entschieden?
Die nächste Bundestagswahl wird, im Gegensatz zu den aktuellen US-Präsidentschaftswahlen, mit Themen entschieden. In den USA wurde wochenlang nur über Skandale gesprochen. Einige Journalisten können sich nicht mehr erinnern, wann sie zuletzt einen wirklich inhaltlichen Beitrag geschrieben haben. Das wird durch Social Media noch verstärkt. Das sieht bei uns noch anders aus. Social Media ist zunehmend wichtig, aber noch nicht entscheidend. Trump hat vor allen Dingen mit permanenten Provokationen eine unfassbare Medienaufmerksamkeit erreicht. Aber gewinnen wird er damit nicht.

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