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Victoria Wagner
05.07.2016   News
Victoria Wagner löst Dirk Popp als CEO ab
 
Die Gerüchte um die Zukunft von Dirk Popp als CEO bei Ketchum Pleon haben sich bewahrheitet: Neue Deutschland-Chefin wird Victoria Wagner, Gründerin und Geschäftsführerin der Agentur Brandzeichen, die seit 2013 zu Ketchum gehört. Simone Hoch, derzeit Managing Partner von Ketchum Pleon München, übernimmt die Position des Chief Operating Officers. Popp hat sich nach mehr als 20 Jahren in der Agentur entschieden, Ketchum Pleon zu verlassen, hieß es zumindest in der offiziellen Mitteilung.
Nicht nur die Personen, auch die Strukturen ändern sich: Die Agenturen Ketchum Pleon, Brandzeichen und Emanate unter dem Dach der Ketchum Deutschland zusammen. Damit wird der hierzulande klangvolle Name Pleon getilgt. Das war schon länger geunkt worden. Bisher arbeiten die drei Agenturen in Deutschland voneinander unabhängig. Die neue Agentur wird bundesweit acht Standorte haben.
Popp ist seit 20 Jahren bei Ketchum Pleon beziehungsweise deren Vorgängerfirmen. 1996 fing er als Leiter des Expo-2000-Büros von Kohtes & Klewes an. Ein Jahr später übernahm er den Standort Dresden. Obwohl die sächsische Metropole im Pleon-Reich und in PR-Deutschland eher eine Randregion darstellt, kämpfte sich der heute 51-Jährige bis an die Spitze.
Seit Juni 2011 ist er Deutschland-Chef. Popp übernahm die Agentur in turbulenten Zeiten. Nach dem Zusammengehen des damaligen Branchenprimus Pleon mit der hierzulande wesentlich kleineren Ketchum im Jahr 2010 war der langjährige Marktführer vor allem mit sich selbst beschäftigt. In Folge der Fusion, die von vielen als Übernahme von Pleon durch Ketchum gewertet wurde, musste die Agentur eine Serie von Abgängen namhafter und prägender Figuren verkraften.
In seinen fünf Jahren als Kapitän hat Popp das Dickschiff in schwerer See auf Kurs gehalten, obwohl weitere Spitzenkräfte von Bord gingen. Dass der jahrelange Marktführer vor vier Jahren seinen Platz an der Sonne im Umsatzranking an Media Consulta verloren hat, dürfte vor allem aus Prestigegründen geschmerzt haben. Die Position als Nummer 2 wirkte aber bislang ungefährdet.
Popp hat konsolidiert und musste eine Reihe harter, unpopulärer Entscheidungen treffen. Das hat ihm Respekt, aber nicht nur Freunde eingebracht. Sein Führungsstil stieß nicht überall auf Gegenliebe. Vergnügungssteuerpflichtig war die Aufgabe als Statthalter einer stark zahlenorentierten US-Netzwerkagentur sicher nicht immer. Der ausgewiesene Krisenexperte mischt gerne im operativen Geschäft mit. Als er 2014 die Fastfoodkette Burger King bei der Krisen-PR beriet, soll Popp regelrecht aufgeblüht sein.
Europa-Chef David Gallagher sagte: „Dirk hat unser deutsches Geschäft entscheidend geprägt. Unter seiner Führung haben wir uns im Markt sehr gut positioniert. Dazu gehören unter anderem die Ernennung zur kreativsten PR-Agentur in Deutschland, die Reputation als attraktiver Arbeitgeber und erst jüngst der Gewinn des Cannes Löwen in Bronze für die „Keys of Hope“-Kampagne. Wir wünschen ihm für seine berufliche Zukunft alles Gute.“
„Es war eine wunderbare Erfahrung“, sagt Popp. „Eine Zeit mit exzellenten Kollegen, großartigen Projekten und tollen Kunden. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, meinen Weg außerhalb der Agentur weiterzugehen. Ich bin dankbar, dass Ketchum mir neue Möglichkeiten innerhalb des Netzwerks angeboten hat. Nach einem langen Entscheidungsprozess fühlt es sich jedoch richtig an, meine berufliche Reise außerhalb der Agentur fortzusetzen.“
Im aktuellen Pfeffer-Ranking ist Ketchum Pleon (insgesamt 423 Mitarbeiter im Jahr 2015) als Zweitplatzierter mit 49,5 Millionen Euro Honorarumsatz gelistet, die Umsätze der beiden Marken Brandzeichen (6,6 Millionen Euro im Jahr 2015) und Emanate mit eingerechnet. Ketchum hatte Brandzeichen im Juni 2013 gekauft. Im Jahr vor der Übernahme hatte Wagners Agentur, spezialisiert auf Markenkommunikation und Lifestyle, laut Pfeffer-Ranking von 2012 mit 35 Mitarbeitern einen Honorarumsatz von rund 3,5 Millionen Euro verbucht, Ketchum Pleon mit 330 Mitarbeitern rund 41 Millionen Euro.
Ein großer Teil des Wachstums bei Ketchum Pleon in den vergangenen Jahren ist also durch Brandzeichen getrieben. Indes: Brandzeichen dürfte nach der Übernahme davon profitiert haben, dass Ketchum Pleon das hiesige Geschäft mit dem Großkunden Procter & Gamble dem Vernehmen komplett an die Tochter abgegeben hat.
Dass nicht Popp, sondern Wagner in das neu geschaffene globale Führungsgremium von Ketchum berufen wurde, hatte die Gerüchteküche in der vergangenen Woche angeheizt. Wagner hat Brandzeichen vor drei Jahren an Ketchum verkauft. Die Agentur wächst stark, ist aber wesentlich kleiner als Ketchum Pleon. Deshalb wirkte die Berufung Wagners zunächst merkwürdig - jetzt ist klar, dass die Netzwerk-Bosse in New York mit dieser Personalie schon die Weichen für eine Zukunft ohne Popp als CEO gestellt haben. Dieses Manöver weckt zumindest Zweifel, ob die Demission von Popp wirklich von ihm selbst ausging.
„Vicky ist reflektiert, kollaborativ und eine Inspirationsquelle für Mitarbeiter wie Kunden. Unter ihrer Leitung hat sich Brandzeichen enorm entwickelt und wir freuen uns, dass sie die Führungsrolle für Ketchum in Deutschland übernimmt“, sagt David Gallagher, Partner und CEO von Ketchum Europe.
Victoria Wagner gründete Brandzeichen im Jahr 2004 und ist derzeit CEO der Lifestyle-Spezialisten mit Standorten in Düsseldorf, München und Hamburg. Vor Gründung ihrer Agentur war sie in der Markenkommunikation bei Henkel in Deutschland. „In den fast drei Jahren seit unserem Anschluss an Ketchum hat mich die Agentur immer wieder beeindruckt und inspiriert. Wir haben zunehmend Möglichkeiten für Partnerschaften erkannt, die unseren Kunden die Expertise bieten, die sie brauchen. Die drei Agenturmarken unter einem Dach zu vereinen, ist folgerichtig und spannend“, so Wagner. „Die geballte Führungskompetenz der hervorragenden PR-Experten aus den drei Agenturen ist wirklich etwas Besonderes. Ich freue mich sehr auf das, was wir gemeinsam erreichen werden.“
„Wir suchen ständig nach Wegen, mit und für unsere Kunden außerordentliche Kommunikationslösungen zu erarbeiten und unsere Mitarbeiter zu inspirieren. Für beides sehen wir in der Verbindung der drei Agenturen große Chancen“, sagt Rob Flaherty, Partner, CEO und President von Ketchum. „Während Ketchum Pleon für seine Expertise im Bereich Corporate Communications bekannt ist, liegt der Fokus von Brandzeichen auf Brand Communications und Social Media. Emanate wiederum hat sich einen Namen im Relevance Marketing gemacht. Durch die Zusammenlegung dieser drei Unternehmen können wir unseren Kunden künftig Services aus einer Hand bieten, die mit Blick auf Vielfalt, Expertise der Mitarbeiter und geographische Reichweite ihresgleichen suchen.”
Victoria Wagner, Simone Hoch und Horst Wettlaufer, auch künftig CFO von Ketchum Deutschland, bilden das Executive Board von Ketchum Deutschland. Hoch ist seit dem Jahr 2000 bei Ketchum Pleon und bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Kommunikationsberatung mit. Als Managing Partner leitet sie derzeit den Münchner Standort. Wettlaufer kam 2011 als CFO zu Ketchum Pleon.
Von Daniel Neuen
(Letztes Update: 5. Juli, 17:00 Uhr)
 

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