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News / "Der Tag wird für immer mit uns verbunden bleiben"
Mit Logo und Hashtag drückten Lufthansa und Germanwings ihre Trauer in den sozialen Medien aus. (Grafik: Lufthansa)
28.05.2016   News
"Der Tag wird für immer mit uns verbunden bleiben"
 
Am 24. März 2015 zerschellte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen, 150 Menschen starben. Mehr als ein Jahr danach sprechen Barbara Schädler, die damalige PR-Chefin der Lufthansa, und ihr Nachfolger Andreas Bartels erstmals ausführlich über die Katastrophe bei der Lufthansa-Tochterfirma und die Krisenkommunikation des Unternehmens. Im Exklusivinterview in der neuen Ausgabe des PR Reports sagte Schädler, die seit April 2016 die Kommunikation des Energieriesen Eon leitet: "Ich hoffe, dass es das Schlimmste ist, was ich in meinem beruflichen Leben jemals zu bewältigen hatte. Da bleibt immer ein Stück Trauer." Bartels ergänzte: "Der Tag wird für immer mit uns verbunden bleiben."

Beide wiesen Kritik an der angeblich zu langsamen Erstreaktion des Konzerns nach dem Absturz zurück. "Die in unserer Kommunikationsbranche verbreitete Minuten- und Sekunden-Zählerei halte ich persönlich für inadäquat. Ich halte es für entscheidend, das Wichtige richtig zu tun statt das Falsche schnell zu tun", sagte Schädler.

Zur PR-Strategie in der Krise sagte Schädler: Erstens habe man entschieden, dass Lufthansa als Mutter der Germanwings mit der Person von Konzernchef Carsten Spohr kommunizieren und sich auf keinen Fall verstecken werde. "Zweitens: Bei allem, was kommuniziert wird, muss sichergestellt werden, welche Wirkung es auf die Angehörigen und Freunde der Opfer hat." Weiter sagte sie: "Ich habe in den ersten Stunden Mails von Kommunikationsberatern bekommen, die gesagt haben, ich müsse aufpassen, dass die Lufthansa-Marke damit nicht verbunden wird. Ich halte das für eine unmögliche Vorgehensweise, allein aus ethischen und menschlichen Gründen."

Bartels nannte den Umgang der Medien mit dem Unternehmen "unterm Strich fair": "Sicher war die erste Phase, in der spekulativ mit dem Thema umgegangen wurde, sehr schwierig für uns, aber auch für die Medien. Der Druck auf die Medien war groß, ohne gesicherte Informationen Erklärungsmuster zu bieten und Zusammenhänge herzustellen. Da entstehen Theorien, die völlig danebenliegen. Es gab aber auch im Fernsehen Diskussionen, die man sich heute nicht mehr anschauen mag."

Zum Thema Entschädigungszahlungen und der Kritik an der Lufthansa von Anwälten von Angehörigen der Opfer sagte Bartels: "Wir wollen es nicht zum Thema einer medialen Auseinandersetzung machen. Andere tun das. Da passiert es, dass man kommunikativ ins Hintertreffen gerät."

Die weiteren Themen der aktuellen Ausgabe des PR Reports im Überblick.
 

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